Herford (Ostwestfalen)

Arzt aus NRW bietet Impftermine bei Ebay an

Ein Arzt aus dem westfälischen Kirchlengern im Kreis Herford sorgt für Aufsehen: Da er keine Impfdosen verkommen lassen will, bietet er Impftermine auf Ebay an.

Herford/Kirchlengern – Eine ungewöhnliche Aktion hat sich ein Hausarzt aus dem Kreis Herford in Ostwestfalen* überlegt, um ungenutzte Impfdosen nicht unsinniger Weise verkommen zu lassen. Er bietet übrige Termine für eine Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca im Internet bei Ebay unter „zu verschenken“ an.

In zwei Tagen habe er so etwa 90 Impftermine mit „Vaxzevria“ von Astrazeneca an über 60-Jährige vereinbart, bei denen er in den kommenden Wochen seine restlichen Impfdosen injizieren kann. Laut Dr. Weitkamp sei solch eine Aktion nötig, da viele ältere Menschen auf eine Impfung mit Biontech im Impfzentrum hofften und die bereits gebuchten Impftermine mit Astrazeneca deshalb verfallen liessen, berichtet owl24.de*.

Kreis Herford
Einwohner250.783
BundeslandNRW

Kreis Herford: Arzt aus NRW kritisiert Verteilung der Impfstoffe

Viele über 60-Jährige haben aufgrund des schlechten Rufs von Astrazeneca, mittlerweile in „Vaxzevria“ umbenannt, Vorbehalte gegen das Vakzin. Dies führt dazu, dass viele Impftermine, besonders bei Hausärzten, nicht wahrgenommen werden. Lieber warten die Impflinge auf einen Termin im Impfzentrum, um dort Biontech gespritzt zu bekommen. Aktuell bekommen die Praxen nämlich fast nur Astrazeneca und die Zentren Biontech*. Eine Verteilung, die Dr. Weitkamp bereits im WDR stark kritisierte.

Ebenfalls übte der Hausarzt Kritik an der mangelnden Solidarität der Älteren mit den Jüngeren: „Was machen wir mit unseren Studenten, die seit eineinhalb Jahren im Homeoffice sitzen? Die haben keine Chance auf eine Impfung, weil die über 60-Jährigen ein Impfangebot ablehnen. Und da ist die Politik zu feige, einmal zu sagen: Die über 60-Jährigen werden mit Astrazeneca* geimpft, die jüngeren mit BionTech.“ Eine verbindliche Impfung für Ältere mit dem Impfstoff von Astrazeneca lehnt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* mit Blick auf die aktuell noch geltende Impfpriorisierung jedoch ab:

Wir brauchen vor allem für die über 60-Jährigen alle Impfstoffe verfügbar, weil wir besonders schnell und zuerst ja auch die über 60-Jährigen impfen lassen wollen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Aufhebung der Impfriorisierung von Astrazeneca steht kurz bevor

Dr. Weitkamp aus Kirchlengern im Kreis Herford hält es aus medizinischer Sicht für falsch, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) die Verimpfung von Astrazeneca nur an über 60-Jährige empfiehlt. Nach Meinung des Kardiologen sei der Impfstoff äußerst zuverlässig und wirksam. Viele unter 60-Jährige wären dankbar für eine Impfung damit. Aktuell wird der Impfstoff jedoch nur in Praxen nach Absprache mit den ÄrztInnen gespritzt. (Mehr Informationen zu den unterschiedlichen Coronavirus-Impfstoffen erhalten Sie bei msl24.de*.)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist gegen eine Astrazeneca-Pflicht für über 60-Jährige.

Dies könnte sich jedoch sehr bald ändern. Jens Spahn plant nämlich, die Priorisierung für Astrazeneca so schnell wie möglich aufzuheben. Damit könnten auch die Ebay-Angebote des Arztes aus dem Kreis Herford bald hoffentlich unnötig werden, da die Zielgruppe für Astrazeneca schlagartig um ein vielfaches vergrößert würde. Seit Donnerstag (6. Mai) können auch in NRW Personen mit Impf-Prio 3 einen Termin vereinbaren*. (*Owl24.de und msl24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © dpa/Paul Zinken

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