Mögliche Entscheidung am Montag

Hollstein-Prozess: Angeklagter ist schuldfähig

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Prozessauftakt um Messerangriff auf Bürgermeister von Altena

Altena - Hollstein in „Volle Kanne“, Hollstein in „Hier und heute“, Hollstein in der aktuellen Stunde: Gute zwei Stunden lang wurde gestern Fernsehen geschaut im Schwurgerichtssaal des Hagener Landgerichtes.

Keine 20 Stunden nach dem Angriff auf ihn war Hollstein zum ersten Mal vor die Kameras getreten, in den Tagen und Wochen darauf folgte ein Fernsehauftritt nach dem anderen. 

Etliche davon wurden gezeigt. Warum das Gericht diese Aufnahmen sichtete, blieb unklar: Immer wieder ging es darin um die Flüchtlinge und um Altenas vorbildlichen Umgang mit ihnen – dass Werner S. Angriff auf den Bürgermeister tatsächlich einen rechtsextremen Hintergrund hatte, hat sich aus dem bisherigen Verlauf der Hauptverhandlung aber nicht ergeben. 

Hollstein setzte sich bei seinen Fernsehauftritten zudem immer wieder auch gegen anonyme Hass- und Bedrohungsmails und entsprechenden Kommentare ein – sicherlich ein berechtigtes Anliegen. 

Weitere Berichterstattung zum Fall

Ob S. aber wirklich „durch Brunnenvergiftung zum Täter“ geworden ist, wie Hollstein in einem Interview vermutete, bleibt offen – im Verfahren wurde bisher noch nicht einmal der Frage nachgegangen, ob S. überhaupt einen Computer oder ein Smartphone hatte.

Täter galt als nett und hilfsbereit, erschien nicht mehr zur Arbeit

Nachbarn und der ehemalige Arbeitgeber wurden gestern als Zeugen vernommen und bestätigten, was schon andere Bekannte des Angeklagten ausgesagt hatten: Werner S. sei hilfsbereit, zuverlässig und zurückhaltend gewesen. 

Er habe nicht herausgefunden, warum S. Anfang 2017 von eben auf jetzt nicht mehr zur Arbeit erschienen sei, sagte sein ehemaliger Chef, der schließlich eine Kündigung aussprach, was Richter Jörg Weber-Schmitz zu der Frage veranlasste, ob gerade angesichts des langjährigen Arbeitsverhältnisses nicht eher Sorge angebracht gewesen sei als Ärger. „Im Nachhinein frage mich das auch“, sagte der Zeuge. 

Bei der Vita bleiben Fragen offen

Wichtigster Mann im Zeugenstand war Prof. Pedro Faustmann. Er ist Psychiater mit Schwerpunkt auf psychiatrische Forensik und hatte als Sachverständiger die Aufgabe, die Schuldfähigkeit von Werner S. zu beurteilen. Er sah keinen Anhaltspunkt dafür, dass der 56-Jährige nicht wusste, was er tat. 

Allerdings blieben beim Blick auf die Vita des Angeklagten Fragen offen, sagte Faustmann. So sei unklar, warum er von eben auf jetzt nicht zur Arbeit erschienen sei. Dass S. nach seinem Aufenthalt in der Hans-Prinzhorn-Klinik am 12. Oktober entlassen wurde, bezeichnete Faustmann als medizinisch zwar indiziert, aber „psychosozial vielleicht doch nicht so ganz adäquat“. 

Verbittert, depressiv, ohne Grundversorgung

Er spielte damit auf die Tatsache an, dass die Wasserversorgung von Werner S. Wohnhaus zu diesem Zeitpunkt noch nicht geregelt gewesen sei. Verbittert sei er deswegen wohl gewesen und auch leicht depressiv, er habe im Bürgermeister und den Flüchtlingen Menschen gefunden, die für seine Lage verantwortlich gemacht habe. 

Der Prozess wird am Montag mit den Plädoyers fortgesetzt. Möglicherweise fällt dann auch bereits das Urteil.

Quelle: wa.de

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