Karneval ist für die Mitglieder der MKG Kornblumenblau harte Arbeit

Jecken in der Sauerländer Provinz: 11 Gründe, um in Menden zu feiern

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Der Mendener Teufelsturm aus dem 13. Jahrhundert. Er beherbergt das "Heim der Westfälischen Fastnacht." Manfred Gies ist "Berufskarnevalist" als Kulturausschussvorsitzender des Bundes deutscher Karneval. Mendener haben "Karneval im Blut", sagen die MKG-Narren.

Menden - Menden ist als kurkölnische Enklave die Karnevalshochburg im Märkischen Kreis, wenngleich natürlich auch in allen anderen Orten das Feiern in Kostümen dazu gehört. Wir haben elf Gründe gesammelt, was Menden und den Karneval ausmacht.

Sauerländer sind stur! Sauerländer sind wortkarg! Sauerländer gehen zum Lachen in den Keller! – „Stimmt alles nicht“, sagt Manfred Gies. Er muss es wissen. Denn der 55-Jährige ist sozusagen „Berufskarnevalist“. 

Ein Attribut, das der im Zivilberuf als Standesbeamte tätige Familienvater und Kulturausschuss-Vorsitzender des Bundes Deutscher Karneval mit Sitz in Köln aber nicht gern hört. Denn: „Damit die anderen lachen, sich freuen, feiern, ist Karneval für uns Gesellschaftsmitglieder der Mendener Karnevalsgesellschaft (MKG) Kornblumenblau in Menden echt Arbeit!“ 

Stefan 2. Maßling (Die königliche Leuchte) und Christina 2. Tolksdorf (Die Elfenhafte) sind das Stadtprinzenpaar von Menden. Kinderprinzenpaar sind in dieser Session David 1. Dell (Der singende gelbe Borusse) und Leonie 1. Dell (Die strebsame Allrounderin).

Upps – Karneval und Arbeit? „Ja“, schiebt Gies, lange Jahre auch Vizepräsident des Bundes Westfälischer Karneval in Münster, nach, denn nach dem Karneval ist vor dem Karneval. „Wir Aktiven von der MKG haben damit 365 Tage im Jahr viel Arbeit und eben gut zu tun.“ 

Aber warum sollte man ausgerechnet in Menden Karneval feiern? Gies, der selbst schon Prinz Karneval war und es liebt, nicht nur im Jecken-Ornat als Vorstandsmitglieder der Karnevalisten in Verkleidung zu feiern: „Es gibt für mich 11 Gründe. Die zünden. Daran kommt niemand vorbei!“

1. Nur in Menden gibt es am Rosenmontag eine närrische Ratssitzung. Dann haut die „Putze“ dem Bürgermeister was auf’s Haupt. Dann beharken sich Ratskollegen humorig und oft auch sehr spitz in der Bütt.

2. Nur in Menden gibt es einen Gockelorden. Klingt vielleicht vermessen, ist aber so was wie der Orden Wider den tierischen Ernst. Wir Jecken ehren einmal im Jahr den Mann oder die Frau (Henne), die einen öffentlichkeitswirksamen Gag freiwillig oder unfreiwillig gezündet hat.

3. In Menden steht der Teufelsturm – das westfälische Karnevalsmuseum, das sogar Münster ausgestochen hat.

Hier geht es zur Internet-Präsent des Teufelsturms

4. Am Tulpensonntag (dieses Jahr 11. Februar) gibt es seit 33 Jahren einen Karnevalsumzug mit bis zu 3000 Mitwirkenden. Dann fliegen zwei, drei Tonnen Kamelle in die bis zu 50.000 Zuschauer.

5. Nur an Rosenmontag wird in vielen Haushalten der Krapfen gebacken. Dieses Ölgebäck stärkt den Magen und nimmt dem Alkohol ein wenig die Wirkung.

6. Thomas Hagemann, einer unserer Senatoren, das ist neben dem Gesellschaftsvorstand ein Kreis von Honoratioren, singt, komponiert und landete schon so manchen Karnevalshit, der bis zu 50.000 Mal bei YouTube geklickt wurde. In der närrischen Hitparade NRW waren wir nominiert. Die Musik geht in die Beine und ins Blut.

7. Am Abend vor Aschermittwoch verbrennen wir den Hoppeditz – die karnevalistische Symbolfigur schlechthin und ziehen zuvor mit Klageweibern durch die Stadt. Witzig und ein jecker Höhepunkt.

8. Wir feiern Karneval im beheizten Zelt auf 600 Quadratmetern vor dem Rathaus. Da geht’s von Weiberfastnacht bis zur Nacht vor Aschermittwoch täglich ab.

9. Unsere Pömpelgarde (aktuelle oder ehemalige Prinzen sowie Adjutanten) tanzt, singt, treibt Späße – mit Klo-Ambiente, jeder Auftritt einfach zum Totlachen.

10. Mit dem Witzbold haben wir die einzige Karnevalszeitung in Westfalen, die ihre Ursprünge bis 1874 zurückverfolgen kann. Bissig, kritisch und unbezahlbar.

Hier geht es zur Zeitschrift Witzbold 2018

11. Nachwuchs ist wichtig – nicht nur die Gardetänzer (mehr als 400 Jugendliche und Kinder sind aktiv), auch die Kindertollitäten verzaubern die Menschen

Da wäre übrigens noch etwas: Guten Freunden wird zu Karneval gerne mal der „Alte Moder“ gereicht. Das ist ein Trunk aus Wacholder, Bachmann-Weinbrand, verfeinert mit Senf und Maggi. Wer den genießt, übersteht jede Feier. Moder? Der alte Moder war Zahnarzt und hat Angstpatienten diesen Trunk eingeflößt, um sie vor dem Bohren zu entspannen. Gies: „Muss ich noch mehr sagen?“

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Quelle: wa.de

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