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Eingesperrtes Kind in Attendorn: Hilferuf in einem mysteriösen Brief

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Von: Sebastian Schulz

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Attendorn
Ein acht Jahre altes Mädchen soll nahezu sein gesamtes Leben lang in einem Haus im Sauerland festgehalten worden sein. © Franz-Peter Tschauner/dpa

Immer mehr Details im Fall des mutmaßlich über Jahre eingesperrten Mädchens (8) in Attendorn kommen ans Licht. Nun ist ein mysteriöser Brief bekannt geworden.

Attendorn - Man kann es sich nach bisheriger Informationslage vorstellen wie in einem Hollywood-Film: Offenbar war einer der Hinweise, die zu dem mutmaßlich über Jahre eingesperrten Mädchen in Attendorn aufgetaucht sind, ein mysteriöser Brief. In diesem sind nach Information der Deutschen Presseagentur Wörter aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt worden. Obendrein war der Hilferuf aus der Sicht des Mädchens geschrieben. Wer ihn verfasst hat, ist völlig unklar.

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Eingesperrtes Kind in Attendorn: Hilferuf in mysteriösem Brief

Dieser Brief war nach bisheriger Informationslage der erste Hinweis, den das Jugendamt des Kreises Olpe, das für Attendorn zuständig ist, in diesem Fall bekommen haben soll - und zwar im Herbst 2020. Zu diesem Zeitpunkt war das heute achtjährige Mädchen aus Attendorn bereits seit mindestens fünf Jahren verschwunden.

Zur Erinnerung: In seinem ersten halben Lebensjahr muss die Welt für das Ende 2013 geborene Mädchen noch in Ordnung gewesen sein. Jedenfalls hat es zu dieser Zeit auch regelmäßig seinen leiblichen Vater gesehen, der von der Kindesmutter getrennt gelebt hat.

Mit einem Schlag aber riss der Kontakt seinerzeit ab. Auch hier gab es einen Brief, der mit großer Wahrscheinlichkeit der Mutter zuzuordnen ist und der eines Tages unter dem Scheibenwischer an der Windschutzscheibe des väterlichen Autos klemmte. Die Mutter schrieb dem Kindesvater seinerzeit, dass sie mit der Tochter nach Italien ziehen werde und dass sich das Kind bei ihm melden werde, wenn es das wolle. Es hat sich in der Folge nie gemeldet. Wahrscheinlich konnte es das auch nicht, weil es nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft über Jahre von der Mutter im Haus der Großeltern in Attendorn festgehalten worden ist.

Eingesperrtes Kind in Attendorn: Fall wird Thema im NRW-Landtag

Wie weit der Stand der Ermittlungen inzwischen fortgeschritten ist, wird an diesem Donnerstag auch Thema im NRW-Landtag sein. Nachdem NRW-Familienministerin Josefine Paul bereits einen Bericht veröffentlicht hat, in dem das Jugendamt des Kreises Olpe Defizite bei der Dokumentation der Hinweise zugab, befassen sich nun auch der Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend und der Innenausschuss mit dem Thema.

Auch am Mittwoch dieser Woche stand der Fall des Mädchens aus Attendorn bereits auf der Tagesordnung des NRW-Rechtsausschusses. Weil es sich bei der Vorlage allerdings um einen vertraulichen Bericht handelte, wurde im öffentlichen Teil der Sitzung nicht darüber gesprochen und direkt zum nächsten Tagesordnungspunkt übergegangen.

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