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Eingesperrtes Kind in Attendorn: Jugendamt räumt Defizite ein

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Von: Sebastian Schulz

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Eingesperrtes Kind in Attendorn mit dem leiblichen Vater als Baby
Das heute 8-jährige Kind als Baby auf dem Arm seines Vaters. © Privat/ Repro: Sebastian Schulz

Der Fall des über Jahre eingesperrten Kindes in Attendorn beschäftigt weiterhin die Ermittler. Nun wird immer klarer: Offenbar hat das Jugendamt nicht sauber gearbeitet.

Attendorn - NRW-Familienministerin Josefine Paul hatte letzte Woche Aufklärung im Fall des über sieben Jahre eingesperrten Kindes in Attendorn versprochen - und die lieferte sich an diesem Dienstag (15. November) nun auch teilweise in einem Bericht. Die wesentliche Erkenntnis daraus: Die fachlichen Verfahrensstandards seien „nicht in Gänze eingehalten worden“, zitiert die Deutsche Presseagentur (dpa) aus dem Bericht.

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Auch das Jugendamt des Kreises Olpe, das für den Fall des eingesperrten Mädchens in Attendorn zuständig war und ist, räumte demnach Defizite ein. Insbesondere sei mit den anonymen Hinweisen, die schon vor ein und zwei Jahren zu dem mutmaßlich eingesperrten Kind in Attendorn eingegangen sind, nicht korrekt gearbeitet worden. „Das ist nicht sauber dokumentiert worden“, sagte Fachbereichsleiter Michael Färber nach dpa-Angaben. So sei bei jedem Hinweis auf Kindeswohlgefährdung ein Meldebogen anzulegen.

Eingesperrtes Kind in Attendorn: Jugendamt räumt Defizite ein

Das Jugendamt beabsichtige, seine organisatorischen Strukturen zu überprüfen und sich dabei vom Landesjugendamt beraten zu lassen. Es werde daran gearbeitet, die internen Verfahrensstandards zu verbessern. So soll jeder Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung künftig dem Vier-Augen-Prinzip unterliegen.

Dem achtjährigen Mädchen wird dieses Versprechen im Moment wenig helfen. Mindestens sieben Jahr ist es mutßmaßlich von seiner Mutter im Haus der Großeltern in Attendorn versteckt worden und durfte nicht nach draußen. Das Mädchen hat seine Kindheit damit hinter Mauern verbracht, kannte den Gerichtsunterlagen zufolge keinen Wald und wusste nicht, wie sich eine Wiese anfühlt.

Eingesperrtes Kind in Attendorn: Hätte Verstecken früher auffallen müssen?

Eine entscheidende Frage ist, ob das Verstecken des Kindes nicht schon deutlich früher hätte auffallen müssen. Bekanntlich haben Jugendamt und Polizei das Mädchen erst am 23. September dieses Jahres befreit, nachdem ein sehr konkreter Hinweis eines Ehepaars aus Lennestadt eingegangen war. Ein Telefonat mit einem Verwandten der Mutter und die Recherche der italienischen Behörden ließen daraufhin keine Zweifel mehr. Aber es bleibt der Vorwurf, dass die vorherigen, anonymen Hinweise im Sande verlaufen sind.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen entsprechend in alle Richtungen. Klar scheint, dass sich in erster Linie die Mutter und deren Eltern verantworten müssen. Aber auch das Jugendamt scheint nach den neuesten Entwicklungen nicht korrekt gearbeitet zu haben.

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