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Eingesperrtes Kind in Attendorn: Großes Medienecho - So reagiert der Kreis Olpe

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Von: Sebastian Schulz

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Das in Attendorn offenbar über Jahre eingesperrte Kind beschäftigt die Behörden.
Das in Attendorn offenbar über Jahre eingesperrte Kind beschäftigt die Behörden. © Sebastian Schulz

Der Fall des über Jahre eingesperrten Mädchens in Attendorn schlägt deutschlandweit hohe Wellen. Inzwischen hat auch der Kreis mit einer Stellungnahme reagiert.

Attendorn - An der schrecklichen Nachricht des offenbar über Jahre eingesperrten Kindes in Attendorn kommt zurzeit keiner vorbei. Nachdem der SauerlandKurier den Vorfall in seiner Printausgabe und über sauerlandkurier.de am Samstagvormittag öffentlich gemacht hat, haben etliche große Medien nachgezogen: der WDR nahm die Nachricht zunächst in seinen Radiobeiträgen, später auch in der aktuellen Stunde auf, Privatsender wie RTL berichten, ebenso Printmedien wie die Bild-Zeitung.

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Eingesperrtes Kind in Attendorn (NRW): Kreis Olpe bezieht Stellung

Das Interesse an diesem Fall scheint riesig zu sein - ebenso wie an der Aufarbeitung. Denn auch wenn nun viele Medien den Oberstaatsanwalt und den SauerlandKurier zitieren, bleibt die Frage offen, warum es dazu gekommen ist, dass die leibliche Mutter ihr Kind offenbar seit kurz nach der Geburt nicht mehr aus dem Haus gelassen hat. Wie berichtet haben das Jugendamt und die Polizei das achtjährige Mädchen am 23. September aus dem Haus befreien können; es lebt jetzt in einer Pflegefamilie.

Der Kreis Olpe, dessen Jugendamt für Attendorn zuständig ist, sah sich offenbar angesichts der zahlreichen Medienanfragen nach der Kurier-Berichterstattung dazu verpflichtet, in einer öffentlichen Mitteilung Stellung zu den Geschehnissen zu nehmen. In dem Schreiben werden die Vorfälle, so wie sie der SauerlandKurier exklusiv geschildert hatte, bestätigt.

In der Mitteilung wird dann auch Landrat Theo Melcher zitiert, der folgendes zu Protokoll gab: „Ich hoffe, die Ermittlungen geben Antworten auf die uns alle bewegende Frage, warum das Mädchen über so viele Jahre versteckt wurde und ihm ein ,normales‘ Kinderleben verweigert wurde. Ich freue mich aber, dass das Mädchen aus dieser Situation befreit werden konnte und es ihm offenbar gesundheitlich gutgeht.“

Eingesperrtes Kind in Attendorn: Anhaltspunkte für Durchsuchung reichten nicht

Ferner weist der Kreis darauf hin, dass „selbstverständlich die verfahrensbezogenen Vorgänge im eigenen Haus geprüft“ werden. Will heißen: Auch hier beschäftigt man sich mit der Frage, ob die Situation des eingesperrten Kindes über all die Jahre nicht schon eher hätte auffliegen können oder müssen. Anonyme Hinweise gab es in der Vergangenheit, die rückblickend daran zweifeln lassen, dass die Geschichte der Mutter wirklich stimmte.

Sie hatte gegenüber den Behörden angegeben, dass sie und das Mädchen im Jahr 2015 nach Kalabrien (Italien) verzogen seien. Doch tatsächlich, so ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sollen sich beide die ganze Zeit über versteckt im Elternhaus in Attendorn aufgehalten haben. Leider waren alle Bemühungen des Jugendamtes nach bisherigem Stand der Dinge daran gescheitert, dass die Großeltern niemanden ins Haus gelassen haben und die Anhaltspunkte für eine Hausdurchsuchung lange nicht ausreichten.

Kind in Attendorn jahrelang eingesperrt: Keine Hinweise auf Misshandlung

Wie bereits berichtet gibt es bis dato keine Hinweise auf eine körperliche Misshandlung oder Mangelernährung - das bestätigt auch der Kreis in seiner Mitteilung. Demnach stehe die Achtjährige weiter in ärztlicher Behandlung, speziell hinsichtlich psychischer Folgen. Denn - und das steht nicht in der Mitteilung des Kreises, dafür aber im Ursprungsbericht des SauerlandKurier - das Mädchen gab in der Erstbefragung zum Beispiel an, dass es noch nie eine Wiese betreten oder einen Wald gesehen habe. Ganz zu schweigen von sozialen Kontakten, denn auch einen Kindergarten oder eine Schule hat das Kind nie besuchen können.

Das Wichtigste für den Moment ist, dass das Kind wohlbehalten in guter Obhut ist. Es bleibt ihm nur zu wünschen, dass andere mediale Berichterstatter berücksichtigen, dass die Achtjährige anonym bleiben sollte und deshalb auch keine Hinweise auf den Wohnort oder gar andere persönliche Details veröffentlicht werden sollten - damit das junge Mädchen zumindest ab jetzt ein ganz normales Leben als Kind leben kann.

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