Krankenkasse will nicht zahlen

Marlon droht die Erblindung: Hochschwangere Mutter muss um notwendige Operation kämpfen

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Carmen Jansohn ließ Sohn Marlon in einer Spezialklinik in Trier operieren, um eine Erblindung zu verhindern.

Dem keinen Marlon droht wegen einer angeborenen Augenkrankheit die Erblindung, doch die Krankenkasse will die notwendige Operation zunächst nicht bezahlen. Ein harter Kampf für seine hochschwangere Mutter.

  • Marlon aus Plettenberg (NRW) droht die Erblindung.
  • Der kleine Junge hat eine angeborene Augenkrankheit.
  • Seine hochschwangere Mutter muss um eine dringend notwendige Operation kämpfen.

Plettenberg - Der kleine Marlon aus Plettenberg (NRW) musste in den ersten 18 Monaten seines Lebens so viel mitmachen wie andere Menschen in ihrem ganzen Leben nicht. Direkt nach seiner Geburt diagnostizierten die Ärzte einen Herzfehler bei dem kleinen Jungen, der operativ behoben werden musste. Doch eine weitere Erkrankung verlangte seiner hochschwangeren Mutter Carmen Jansohn noch mehr Nervenstärke ab. 

Marlon hat hat eine sogenannte progrediente Ptosis an beiden Augen. Durch diese Lähmung des Augenlids wird die Mitte der Pupille durch den oberen Lidrand überschritten. Für die notwendige Operation an den Augenlidern führt seine Mutter einen Kampf mit der Krankenkasse und dem Medizinischen Dienst um eine OP, wie come-on.de* berichtet. 

Marlon droht Erblindung: Kinderarzt empfiehlt kurzfristige Operation

Der behandelnde Kinderarzt Dr. med. Martin Böhle aus Lüdenscheid empfahl eine kurzfristige Operation, um eine Erblindung des Kindes zu verhindern. Denn in der Wachstumsphase verkümmert die Sehkraft infolge der Abdeckung der Pupille durch das hängende Oberlid. Doch die Continentale Betriebskrankenkasse stimmte einer solchen OP nicht sofort zu, sondern folgte zunächst der Empfehlung des MDK Westfalen-Lippe (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) und lehnte die Kostenübernahme ab.

Laut dem sozialmedizinischen Gutachten wurde eine weiterführende humangenetische Beratung und Diagnostik empfohlen, um den Verdacht auf ein Noonan-Syndrom auszuschließen. Nicht direkt genehmigt wurde auch der stationäre Aufenthalt in der Klinik in Trier. Doch genau dort befindet sich die von Chefarzt Dr. med. Uwe Press geleitete Spezialabteilung, die seit zwei Jahrzehnten auf die Diagnostik und Therapie der angeborenen Ptosis spezialisiert ist. „Wir haben alles versucht, aber die Krankenkasse und der Medizinische Dienst haben uns dabei erst nicht so gut unterstützt. Dabei wollten wir doch nur, dass es Marlon besser geht“, sagte Carmen Jansohn vor der OP.

Marlon droht Erblindung: Kontakt zu Bürgermeister gesucht

„Als die Eltern Widerspruch eingelegt haben und wir im Gremium über den Fall gesprochen haben, empfahlen wir, das Kind persönlich vom Medizinischen Dienst begutachten zu lassen“, erklärte Wolfgang Bläss, Mitglied der Geschäftsleitung der Continentale BKK in Dortmund, auf Anfrage von come-on.de*. 

In der Zwischenzeit suchte Carmen Jansohn auch den Kontakt zum Plettenberger Bürgermeister Ulrich Schulte, der versuchte, die Sozialstiftung Plettenberg ins Boot zu holen, um die OP notfalls auf diese Weise bezahlen zu können, um die Erblindung von Marlon zu verhindern. „Wir haben dann auch in Trier angerufen und gefragt, was uns die OP kosten würde, doch dort hat man das sofort abgelehnt“, berichtete die Mutter. Da es sich keinesfalls um eine kosmetische, sondern um eine medizinisch dringend notwendige Operation handele, müsse die Krankenkasse die Kosten übernehmen. 

Marlon droht Erblindung: Auf Eilantrag folgt grünes Licht

Nach weiteren Gesprächen mit der betroffenen Familie habe die Continentale BKK laut Wolfgang Bläss der Familie Anfang Januar empfohlen, einen neuen Eilantrag für die Operation zu stellen. Letztlich brachte dann der Einsatz des Lüdenscheider Kinderarztes Dr. med. Martin Böhle die entscheidende Wende. Nach einer „fachlichen Rücksprache mit der Augenärztin des MDK Westfalen-Lippe“ entschied die Krankenkasse, die Operation doch zu genehmigen

MDK-Sprecher Olaf Plotke erklärte, dass es immer wieder vorkomme, dass Unterlagen fehlen würden, was eine Begutachtung leider manchmal verzögere. „Der geschilderte Fall zeigt aber, dass unsere Ärztinnen und Ärzte ihre Arbeit sehr gewissenhaft durchführen und bei Vorliegen aller relevanten Unterlagen und Ergebnisse zügig zu einem Urteil kommen.“ Man sehe an dem Gutachten dass die entsprechende Ärztin sich sehr intensiv um den Fall gekümmert und am 14. Januar grünes Licht für die dringend notwendige OP gegeben habe. 

Marlon droht Erblindung: Erfolgreiche Operation in Trier

Die Operation selbst fand schließlich Anfang Februar imKrankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier statt. Statt in den angesetzten anderthalb Stunden konnte der von Chefarzt Dr. Uwe P. Press ausgebildete und langjährige Oberarzt Dr. Andrej Wolf den anderthalbjährigen Plettenberger in einer Stunde erfolgreich operieren

Der kleine Marlon nach der OP.

Die befürchteten starken Schwellungen nach der OP blieben aus, sodass der kleine Marlon das Brüderkrankenhaus bereits am dritten Tag wieder verlassen konnte. Die Gefahr von Haltungsschäden und Erblindung ist jetzt gebannt, denn der kleine Plettenberger muss jetzt nicht mehr den Kopf in den Nacken legen, um seine Eltern oder sein neues Geschwisterchen zu sehen. 

Marlon droht Erblindung: Geburt zwei Tage nach OP

Denn da war ja auch noch die Schwangerschaft von Marlons Mutter, trotz der Carmen Jansohn nach Trier reiste, um bei ihrem Sohn zu sein. Am Vorabend des Eingriffs setzten bei ihr die ersten Wehen ein, doch sie stand ihrem Sohn bei und nach der Operation zur Seite. Am Abend verspürte sie dann starke Schmerzen in der Nierengegend und ließ sich ins Mutterhaus in Trier einweisen, wo ein Nierenstau diagnostiziert wurde. 

Zwei Tage nach der Operation wurde die Geburt schließlich eingeleitet und abends war Töchterchen Charline gesund und munter auf der Welt (52 cm, 3180 Gramm), berichtete die erleichterte Mutter. 

*come-on.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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