Nach über zwei Jahren

Sängerin aus Köln kommt aus türkischer Haft frei - Tochter darf Land nicht verlassen

Die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Cane.
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Die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Cane ist nach mehr als zwei Jahren Haft in Türkei frei.

Zwei Jahre saß die Kölner Sängerin Hozan Cane in einem türkischen Gefängnis. Jetzt kommt sie frei. Ihre ebenfalls dort angeklagte Tochter darf das Land aber immer noch nicht verlassen.

Nach mehr als zwei Jahren Haft in der Türkei ist die Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane frei. Ihre Mandantin habe das Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy in der Nacht zum Donnerstag verlassen, sagte die Anwältin Newroz Akalan. Ein Gericht habe zuvor dem Einspruch der Verteidigung, dass die lange Haftzeit unverhältnismäßig sei, stattgegeben und die Freilassung Canes angeordnet. Es sei allerdings eine Ausreisesperre verhängt worden, sagte Akalan.

Canes Tochter, Gönül Örs, die in der Türkei ebenfalls wegen Terrorvorwürfen angeklagt ist, zeigte sich erleichtert über die Freilassung ihrer Mutter. Sie sei schon im Bett gewesen, als die Anwältin sie informiert habe, erzählte Örs. „Ich bin mit meinem Pyjama ins Taxi und habe sie abgeholt.“

Anwalt will Ausreisesperre anfechten

Der Prozess gegen Örs wurde am Donnerstag in Istanbul fortgesetzt. Das Gericht entschied, dass die Ausreisesperre und die Pflicht, sich einmal wöchentlich bei der Polizei zu melden, bestehen bleibe. Örs‘ Anwältin Ayse Celik kündigte an, sie wolle die Entscheidung anfechten und kritisierte, dass der Vorsitzende Richter ausgetauscht worden sei.

„Ich denke nicht, dass er sich die Akte angesehen hat“, sagte sie nach dem Gerichtstermin vor Journalisten. Er habe seine Entscheidung zu schnell getroffen „und uns noch nicht mal ins Gesicht gesehen“. Auch Örs äußerte sich enttäuscht. Sie habe gehofft, dass die Entlassung ihrer Mutter ein gutes Zeichen sei.

Hintergründe der Anklagen

Die Sängerin Hozan Cane war kurz vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen im Juni 2018 in Edirne festgenommen worden. Im November desselben Jahres wurde sie zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verurteilt. Im August 2020 wurde das Verfahren neu aufgerollt, nachdem das höchste Berufungsgericht das Urteil nicht bestätigt hatte.

Hintergrund der Anklage gegen Örs war eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. In Deutschland wurden nach Angaben ihrer Anwältin Ermittlungen gegen Örs in diesem Fall eingestellt. Im Juni war ein Hausarrest gegen die Kölnerin aufgehoben worden, sie darf das Land aber noch immer nicht verlassen. Der Prozess gegen Örs wird am 21. Januar fortgesetzt. Dann wird ein Urteil erwartet.

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