Ursache für Entgleisung im Dortmunder Hauptbahnhof weiter offen

Kreuz und quer durchs Revier: Folgen des ICE-Unfalls wohl noch Tage spürbar

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Auf den Haken genommen wird hier der entgleiste ICE. Die Bergung ist nicht einfach. Ein Fahrgestell hat sich tief ins Gleisbett geschoben. Immerhin können aus Nord-Westen kommende Züge die Unfallstelle – wie hier zu sehen – schon wieder umfahren.

Dortmund - Nein, nichts sei bis dahin auffällig oder irgendwie ungewöhnlich gewesen, beschreibt ein 27-jähriger Passagier seine Eindrücke von der Fahrt mit InterCityExpress 945 mit Fahrziel Berlin-Gesundbrunnen. In der Bundeshauptstadt wird der ICE an diesem 1. Mai niemals ankommen. Während der Express kurz vor 19 Uhr bereits auf Gleis 8 des Dortmunder Hauptbahnhof einfährt, knallt es am hinteren Zugteil plötzlich lautstark. Gepäckstücke fliegen herum, als der Zug ruckartig zum Stillstand kommt. Die letzten zwei Wagen von ICE 945 sind entgleist.

Zugbegleiter sowie wenig später auch Polizisten und Feuerwehrleute kümmern sich um die Fahrgäste, von denen die allermeisten den Schnellzug nach relativ kurzer Zeit über den Bahnsteig verlassen können. Panik entsteht keine. 

Der 27-jährige Unfallzeuge aus dem Zug lobt Einsatzkräfte und Bahnmitarbeiter: „Das haben die sehr gut gemacht“, erklärt er gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zwei Menschen sind allerdings verletzt – zum Glück nicht schwer. 

Hier finden Sie die aktuellen Bahn-Verspätungen für NRW

Massiv gestört aber ist der Bahnverkehr in und rund um Dortmund. 

Andere Züge müssen wegen des Zugunfalls umgeleitet werden, Verspätungen häufen sich. Bochum und Wattenscheid sind komplett vom Schienenverkehr abgeschnitten. Zwischen Hagen und Dortmund wird der Zugverkehr völlig eingestellt. Die S-Bahn-Linie eins kann nicht mehr bis Dortmund fahren, sondern muss im Vorort Dorstfeld wenden. Die Regionalbahnlinie 59, die zwischen Soest und Dortmund Hbf verkehrt, fährt nur bis Dortmund-Hörde. 

ICE am Dortmunder Hauptbahnhof entgleist

Die Ursache des Unfalls? „Die Untersuchungen dauern an und gehen noch in alle Richtungen. Ergebnisse liegen bislang noch nicht vor“, erklärt Heike Schmidt, Sprecherin des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) in Bonn gegenüber unserer Redaktion. 

Mitarbeiter der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) sind am Unfallort. Die Zuständigkeiten hören sich einigermaßen kompliziert an: Das Eisenbahnbundesamt ist im Spiel, weil die Untersuchungszentrale der EUB an das EBA angegliedert ist. Die EUB untersucht unabhängig, aber unter Leitung des Bundesverkehrsministeriums Eisenbahnunfälle in Deutschland, so auch die Entgleisung von Dortmund. Alles klar? 

Für die strafrechtliche Seite ist unter anderem die Bundespolizei zuständig. Und die ermittelt seit gestern gegen Unbekannt wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, so ein Sprecher. 

„Auf Grund der laufenden Ermittlungen können aktuell keine Auskünfte zur Unfallursache beziehungsweise zum Unfallhergang getätigt werden“, heißt es weiter. Klar scheint wohl, dass sich die Entgleisung in Höhe einer Weiche kurz vor dem Bahnsteig ereignet hat. Ob an der Weiche eine Fehlfunktion vorlag oder am Fahrzeug irgendetwas nicht in Ordnung war – all das weiß man noch nicht. 

Bahnreisende – hier im Dortmunder Hauptbahnhof – müssen noch tagelang Einschränkungen in Kauf nehmen.

Zur Bergung des Zuges rückt die Bahn bereits am Morgen mit schwerem Gerät an, darunter auch zwei Eisenbahnkräne, mit deren Hilfe die Waggons wieder ins Gleis gehoben werden sollen. „Das kann Stunden dauern“, prognostiziert ein DB-Sprecher in Düsseldorf. Und anschließend werde man schauen müssen, was alles an Schienen und Signaltechnik kaputt gegangen ist. 

Davon hängt der Reparaturaufwand ab und damit auch, wie lange der Zugverkehr rund um Dortmund noch beeinträchtigt ist. Der Sprecher rechnet mit einigen Tagen. Man müsse vor allem im Regionalverkehr aufgrund der Umleitungen mit jeweils rund 30 Minuten Verspätung rechnen. 

Ein Reisender, der mehrmals wöchentlich zwischen Soest und Düsseldorf unterwegs ist, nimmt es jedenfalls gelassen. „Ich bin mit einer Viertelstunde Verspätung in Düsseldorf angekommen. Darüber reden wir doch gar nicht“, sagt er. 

Und dass ihn die Rückfahrt am Dienstag über Gelsenkirchen führt anstatt über Bochum, erfreut den Schalke-Fan sogar ein wenig. 

Nicht jeder nahm es so launig. In Dortmund beklagen sich Reisende über unzureichende Information seitens der Zugbetreiber. „Niemand weiß Genaues“, jammert eine Frau. Auch ein Bochumer ist ziemlich verzweifelt. Die Stadt ist vom Bahnverkehr auch am Dienstagnachmittag so gut wie abgeschnitten.

Quelle: wa.de

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