Keine Angriffsfläche für Cyber-Angriffe bieten

Telefon statt Mail: In NRW bleibt bei Wahlergebnissen "analog" Trumpf

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Düsseldorf - Der Gesamtausgang der NRW-Landtagswahl war am Sonntag angesichts von Prognosen und Hochrechnungen der Meinungsforschungsinstitute - abgesehen vom Abschneiden der Linken - schnell abzusehen. Auf lokaler Ebene, also in den 396 Gemeinden und 128 Wahlkreisen, dauerte es indes bis weit nach Mitternacht, ehe die letzten Ergebnisse offiziell waren. Warum war das so - und wie fällt das Wahl-Fazit des Innenministeriums aus? Das erfahren Sie hier.

Punkt 18 Uhr schlossen am 14. Mai die mehr als 15.500 Wahllokale landesweit ihre Pforten - nach zehn Stunden, in denen 65,2 Prozent aller Wahlberechtigten bei Erst- und Zweitstimme ihr Kreuz gemacht hatten, sofern sie nicht schon im Vorfeld per Brief votiert hatten. 

In Zahlen ausgedrückt: Von 13.164.832 Bürgerinnen und Bürgern nahmen 8.579.042 an der Brief- und Urnenwahl teil. 

Erststimmen 2017

Zweitstimmen 2017

Erststimmen 2012

Zweitstimmen 2012

Wahlberechtigte

13.164.832

13.164.832

13.262.049

13.262.049

Wählerinnen/Wähler

8.579.042

8.579.042

7.901.268

7.901.268

Wahlbeteiligung

65,2 %

65,2 %

59,6 %

59,6 %

ungültige Stimmen

123.111 (1,4 %)

91.669 (1,1 %)

120.658 (1,5 %)

107.273 (1,4)

gültige Stimmen

8.455.931

8.487.373

7.780.610

7.793.995

Um 20.45 Uhr am Sonntag - also knapp drei Stunden nach Schließung der Wahllokale - waren zwar schon mehr als 100 Gemeinden mit der Auszählung fertig, doch noch kein einziger der 128 Wahlkreise war abgeschlossen. Kurz nach 21 Uhr war es dann der Wahlkreis Soest II, in dem alle Stimmen (77.353) komplett erfasst waren.

In der Folge ging es zwar Schlag auf Schlag - doch Geduld war gefragt: Um 23.30 Uhr fehlten noch immer mehr als 40 Wahlkreise, um 0.40 Uhr waren es deren neun. Um 1.47 Uhr am Montagmorgen konnten wir in unserem Live-Ticker zur Wahl vermelden: "Alle Wahlkreise sind ausgezählt!" 

Das vorläufige Endergebnis der Wahl wurde dann vom Landeswahlleiter kurz vor 4 Uhr morgens veröffentlicht - und damit ziemlich genau zehn Stunden nach der Schließung der Wahllokale.

"Bei optimalem Verlauf hätten wir das vorläufige Ergebnis erfahrungsgemäß gegen 1.30 Uhr verkünden können. Die Marke Mitternacht zu erreichen, war aus der Erfahrung der vorangegangenen Wahlen zu keinem Zeitpunkt realistisch", sagte Tobias Dunkel, Sprecher des Landeswahlleiters im Bilanzgespräch mit unserer Redaktion am Mittwochvormittag.

"Old school"-Kommunikation ist gewollt

Denn: "In der Vergangenheit war es immer so, dass das Auszählen in bestimmten Wahlkreisen oder Gemeinden länger gedauert hat. Woran das dann im Einzelfall liegt, wissen wir nicht. Es muss nur irgendwo eine kleine Ungereimtheit geben, dann werden die Stimme neu ausgezählt", so Dunkel.

NRW hat gewählt - Reaktionen und Emotionen

Um Cyber-Angriffe zu verhindern und Hackern keine Chance zu geben, gebe es seit vielen Jahren ein bewährtes Verfahren für die Kommunikation von den Kreiswahlleitern zur Landeswahlleitung nach Düsseldorf und damit zu den Statistikern von IT.NRW.

"Das Wahlergebnis wird ausschließlich per Telefon übermittelt. Da gibt es ein bestimmtes Prozedere, auf das ich nicht näher eingehen darf. Aber das muss strikt eingehalten werden. Es gab den Hinweis an die Kreiswahlleiter, das Telefon und keine E-Mail zu nutzen. Die Wahl ist eben analog, es gibt keine Wahlautomaten. Und so handhaben wir es auch bei den Ergebnissen", so Tobias Dunkel weiter.

In der Warteschleife beim Landeswahlleiter

"Auf jeden Fall kann es passieren, dass Kreise da auch mal in einer Art Warteschleife hängen - dann dauert es. Die übermittelten Ergebnisse werden auf Plausibilität geprüft und dann veröffentlicht", so Dunkel.

NRW wählt den 17. Landtag

Indes sei es den Kreisen freigestellt, ihre Ergebnisse auch schon vor der Kommunikation mit Düsseldorf auf den eigenen Homepages abzubilden. So erkläre sich in Addition mit der in der Landeshauptstadt stattfinden Überprüfung des telefonisch übermittelten Wahlausganges, dass die Wahlkreise auf der Internetseite der Landeswahlleitung zeitverzögert veröffentlicht worden sei.

Angesichts der im Vergleich zu 2012 um mehr als fünf Prozent höheren Wahlbeteiligung habe es nicht nur mehr Stimmen auszuzählen gegolten, sondern auch deutlich höhere Zugriffe auf die Wahlergebnisse im Internet gegeben, bestätigte Dunkel, ohne konkrete Zahlen nennen zu können.

Nächste "Nachtschicht" bei der Bundestagswahl

Insgesamt aber sei die Landtagswahl aus Sicht des Landeswahlleiters "gut gelaufen", sagte der Sprecher. Dass sich Wähler im Vorfeld über nicht zugestellte Wahlbenachrichtigungen oder Briefwahlunterlagen beschwerten und am Wahltag selbst nachfragten, warum Bleistifte zum Ankreuzen erlaubt seien, warum sie keinen Ausweis vorlegen mussten und warum der eigene Wahlkreis noch nicht ausgezählt sei, sei bei jeder Wahl so. 

Auch Irritationen in einzelnen Wahllokalen - wie beispielsweise beim AfD-Spitzenkandidaten Marcus Pretzell, dessen Name im Wahllokal in Düsseldorf-Hamm nicht in der alphabetischen Rangfolge stand, sondern wegen seines späten Zuzuges erst ganz am Ende des Wählerverzeichnisses - seien normal.

Der Personalaufwand im Ministerium selbst ist am Wahlabend traditionell hoch: Im "Call Center" der Landeswahlleitung, die selbst auch aus zahlreichen Köpfen rund um den Leitenden Ministerialrat Wolfgang Schellen besteht, werden die Ergebnisse aus den 128 Wahlkreisen entgegen genommen. Im Hintergrund arbeiten - auch im Landtag selbst - zahlreiche Techniker und die Pressestelle am reibungslosen Ablauf des Wahlabends.

Übrigens: Bei der Bundestagswahl am 24. September dürfte der zeitliche Ablauf ähnlich sein wie am vergangenen Sonntag. Auch hier melden die Kreiswahlleiter "ihre" Ergebnisse nach Düsseldorf, von hier aus geht es dann gebündelt weiter zum Bundeswahlleiter. Stellen wir uns also gedanklich schon mal auf eine weitere "Nachtschicht" ein, bis alle Ergebnisse verkündet sind...

Quelle: wa.de

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