Corona-Pandemie

Lauterbach: Impfquote in Deutschland zu niedrig – Herbst könnte neue Probleme bringen

Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken, Neuinfektionen gibt es aber weiterhin. Karl Lauterbach pocht auf eine hohe Impfquote – ansonsten drohe ein Problem-Herbst.

NRW – Immer mehr Menschen in Deutschland können gegen das Coronavirus geimpft werden. Laut dem Covid-19-Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums wurden mittlerweile über 40 Millionen Impfdosen gegen Corona verabreicht (Stand 17. Mai). Ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung der Pandemie, der auch wieder mehr Lockerungen erlaubt, wie RUHR24* berichtet.

Karl LauterbachPolitiker, Gesundheitsexperte
ParteiSPD
Geboren21. Februar 1963 in Düren (NRW)

Fast 40 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland: Karl Lauterbach pocht auf hohe Impfquote

So ist in vielen Städten in Nordrhein-Westfalen die Aufhebung der Ausgangssperre bereits in Sicht*. Mit Blick auf die anstehenden Sommermonate wächst bei vielen außerdem die Hoffnung, dass ein Urlaub in diesem Jahr wieder möglich sein könnte. Bereits jetzt gibt es trotz Corona einen großen Ansturm auf Camping-Urlaub*.

Kein Wunder: In Deutschland haben 37,0 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Corona-Impfdose erhalten, in NRW sind es 39,1 Prozent (Stand 17. Mai). Den Menschen scheint das ein sicheres Gefühl zu geben.

Doch gerade, wenn es um die Impfquote geht, sieht der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* noch eine große Herausforderung für Deutschland. Aufgrund der Mutationen müsse man inzwischen davon ausgehen, dass 60 oder 70 Prozent immunisierter Personen nicht mehr ausreichen, „um ein signifikantes Absinken der Infektionszahlen zu erreichen.“ Mittlerweile benötige es hier etwa 80 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung, so Lauterbach im Interview mit t-online.

Lauterbach befürchtet Probleme im Herbst: Große Gefahr durch Nicht-Geimpfte

Die häufig erwähnte Herdenimmunität sei ein „theoretisches Konstrukt“, da die Corona-Pandemie* auch in der Gruppe der Nicht-Geimpften- oder Immunisierten immer weiter laufen werde. Um so wichtiger sei es laut dem als „Mahner“ in der Pandemie geltenden Politiker, eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen.

Andernfalls ist sich Lauterbach sicher: „Je höher der Anteil derer, die nicht immunisiert sind, desto schneller und größer werden die Probleme für alle im Herbst wieder sein.“ Vor allem mit Blick auf die Corona-Mutationen, wie die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ bezeichnete indische Variante, komme noch eine weitere Aufgabe auf die Menschen zu.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hofft auf eine höhere Impfquote.

Neuinfektionen durch Corona-Mutationen – Gruppe der Geimpften muss größer werden

Die Mutation B.1.617* soll laut WHO 30 bis 50 Prozent ansteckender sein als zum Beispiel die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Gruppe der Geimpften langfristig noch größer wird. „Was wir im Herbst in Deutschland zu erwarten haben, falls tatsächlich 20 bis 30 Prozent nicht geimpft werden sein sollten, erfüllt mich schon mit Sorge“, so Lauterbach weiter.

Immerhin: Mittlerweile liegt die Impfquote in allen Bundesländern bei über 30 Prozent. Spitzenreiter ist das Saarland mit 41,4 Prozent. Platz zwei und drei belegen NRW* (39,1) und Mecklenburg-Vorpommern (39,0). Insgesamt sind allerdings erst knapp über elf Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung geimpft (Stand 17. Mai) – der Weg ist also noch lang (weitere Corona-Nachrichten aus NRW* im Live-Ticker auf RUHR24).

Lauterbach: Unterscheidung zwischen Impfverweigerern und Impfverunsicherten ist wichtig

Um die Impfbereitschaft und damit die Quote voranzutreiben brauche es laut Lauterbach entsprechende Impfkampagnen. Zudem sei es wichtig, zwischen Verweigerern und Verunsicherten zu unterscheiden. Man könne diese Personen gut erreichen, dafür müsse jedoch einiges getan werden. „Wir können nicht sagen, die Pandemie ist für uns, die Impfwilligen, beendet und für die anderen eben nicht“, erklärt Lauterbach weiter.

Politiker seien womöglich nicht immer die richtigen Personen, um Menschen von einer Corona-Impfung zu überzeugen. Der Politiker ist der Meinung, dass nun „Führungspersönlichkeiten“ vorangehen sollten, „die in den jeweiligen Gemeinschaften Vertrauen genießen.“ *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stefanie Loos/AFP

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