Kreis Höxter

Mord an Walter Lübcke: Anklage gegen mutmaßlichen Waffenverkäufer aus OWL erhoben

Mit einem Kopfschuss wurde der CDU-Politiker Walter Lübcke auf seiner Terrasse im Kreis Kassel erschossen. Ein Mann aus OWL soll die Tatwaffe besorgt haben.

Borgentreich/Kassel – Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf erhebt Anklage gegen Elmar J. aus Borgentreich (Kreis Höxter). Dem 65-Jährigen aus Ostwestfalen* wird vorgeworfen in dem Mordfall des Kasselers Regierungspräsidenten Walter Lübcke eine tragende Rolle gespielt zu haben. Der Mann soll den Revolver besorgt haben, mit dem der CDU-Politiker am 2. Juni 2019 getötet wurde. Knapp zwei Jahre nach der Bluttat von Mörder Stephan Ernst muss sich der mutmaßliche Verkäufer der Mordwaffe in einem richterlichen Prozess verantworten.

PolitikerWalter Lübcke
Geboren22. August 1953, Bad Wildungen
Ermordet2. Juni 2019, Wolfhagen

Lübcke-Mord: Prozess gegen Elmar J. aus Ostwestfalen

Siebeneinhalb Monate dauerte das Gerichtsverfahren gegen den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Im Januar 2021 wurde Stephan Ernst vom Oberlandesgericht Frankfurt schließlich zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Darüber hinaus stellten die Richter bei der Urteilsverkündung die besondere Schwere der Schuld fest. Eine Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit so gut wie ausgeschlossen. Das Gericht behielt sich die anschließende Sicherungsverwahrung vor. Gegen den Schuldspruch ist noch eine Revision anhängig.

Nach der Verurteilung des Hauptangeklagten im Mordfall Lübcke ist der Fall jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wirft Elmar J. aus OWL fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Der Mann aus dem Kreis Höxter soll Stephan Ernst bereits 2016 die Mordwaffe samt Munition verkauft haben. Ihm wird nun der Prozess gemacht, wenn das Landgericht Paderborn* die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt.

Ostwestfalen: Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord an Walter Lübcke

Die Bundesanwaltschaft ermittelte gegen Elmar J. aus OWL bereits wegen Beihilfe zum Mord. In der Vergangenheit hatte die Polizei im Kreis Höxter mehrere Waldgebiete nach Waffen durchsucht. Im Juni 2019 wurde der Mann in Borgentreich festgenommen. Der Vorwurf wurde jedoch fallen gelassen. Der weitere Prozess wurde nach Paderborn übergeben. Im Januar 2020 hob der Bundesgerichtshof (BGH) den Haftbefehl gegen den Verdächtigen auf. Völlig überraschend durfte der Beschuldigte nach über sechs Monaten die Untersuchungshaft als freier Mann verlassen.

Dem Waffenhändler müsse bewusst gewesen sein, dass Ernst ein gewaltbereiter Rechtsextremist war, hieß es seitens des Generalbundesanwalts. Doch der BGH sah das offenbar anders. Zwischen 2014 und 2018 habe Ernst ihm mehrere Waffen abgekauft. Diese soll er zum Teil wieder verkauft haben. Der verurteilte Mörder habe sich zudem auch nie gezielt nach einem Revolver erkundigt, der sich gut für einen Mord eignen würde. Der Fall Walter Lübcke gilt als erster rechtsextremistischer Mord an einem Politiker in der Bundesrepublik Deutschland. Besonders für die Aufnahme von Flüchtlingen hatte sich der CDU-Politiker engagiert. (*owl24 und msl24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA.)

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare