Opfer unter anderem aus Hamm und Meinerzhagen

Miese Sexting-Masche: Wiederholungs-Täter (22) muss mehrere Jahre hinter Gitter

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Der 22-Jährige musste sich zum wiederholten Male vor Gericht verantworten.

Er ist adrett frisiert, spricht eloquent und gibt sich verbindlich. Aber der äußere Eindruck verbirgt: Der 22-Jährige auf der Anklagebank sei „unerbittlich und eisenhart“, wenn es darum gehe, seine Gelüste durchzusetzen – wie es eine Anwältin ausdrückte.

Lippstadt/Paderborn - So holte er sich, was er wollte: Intime Fotos und Videos, sogar Sex, immer von minderjährigen Mädchen - auch von Opfern aus Hamm und Meinerzhagen. Er wird jetzt weitere Jahre hinter Gittern verbringen.

Neudeutsch nennt man es Sexting: Kommunikation auf sozialen Medien, in denen es eindeutig um Sex geht. Der 22-Jährige hat daraus eine skrupellose Masche gemacht, um an Fotos und Videos von minderjährigen Mädchen zu kommen. Zum vierten Mal schon musste sich der Lippstädter vor dem Paderborner Landgericht verantworten – stets wegen gleich gelagerter Taten.

Handy-Auswertung bringt weitere Fälle ans Licht

Nach Verfahren 2015, 2016 und 2017 wäre seine Gesamtjugendstrafe von knapp drei Jahren mittlerweile abgesessen, hätte nicht die Auswertung seiner Handys nach dem letzten Prozess erneut genügend Material für eine weitere Anklage zutage gefördert. 

Verbreitung pornografischer Inhalte und Besitz von Kinder- und Jugendpornografie bis hin zum sexuellen Missbrauch eines Kindes wurden ihm vorgeworfen. Das jüngste Opfer war eine damals 13-Jährige aus Gütersloh. Zwischen Mai 2015 und Oktober 2016 soll der Lippstädter 22 Mädchen, vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen, dazu genötigt haben, intime Fotos und Videos von sich aufzunehmen und ihm aufs Handy zu schicken. In mehreren Fällen waren es nicht nur Dateien, die er verlangte, sondern echter Sex – den er auch bekam.

Mehr als 50 Fälle angeklagt

Mehr als 50 Fälle waren angeklagt vor der 5. Großen Jugendkammer des Landgerichts. Einen großen Teil der Anklagevorwürfe stellte die Kammer nach der Beweisaufnahme ein, und konzentrierte sich auf zehn Opfer, die tatsächlich als Zeuginnen vernommen wurden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 

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Im Abgleich mit Chatprotokollen und dem digitalen Beweismaterial blieb für die Richter kein Zweifel, dass der 22-Jährige die Mädchen massivst unter Druck gesetzt hatte, um seinen Willen zu bekommen. Eine jetzt 18-Jährige aus Hamm etwa ist so nachhaltig verstört vom Vorgehen des Angeklagten, dass sie noch fast drei Jahre nach dem Vorfall kaum in der Lage ist, vor Gericht darüber zu sprechen. 

"..dann muss man auch über Sicherungsverwahrung sprechen"

Am Ende der Beweisaufnahme stand für die Staatsanwaltschaft fest, dass der Lippstädter seine teilweisen Geständnisse lediglich aus taktischen Gründen abgelegt hatte, und seine Entschuldigungen eher formaler Natur waren. Aufgrund seiner bisherigen Uneinsichtigkeit – er hatte einen Teil der jetzt verhandelten Taten während laufender Ermittlungen in den anderen Verfahren begangen ­– warnte ihn die Staatsanwältin: Wenn er als Erwachsener in ähnlicher Weise straffällig werde, „dann muss man auch über Sicherungsverwahrung sprechen.“

Die Anwältin einer 13-jährigen Nebenklägerin aus Gütersloh nahm kein Blatt vor den Mund: „Systematisches, hochgradig manipulatives und gefühlskaltes Verhalten eines jungen Mannes, der junge Mädchen für seine eigene sexuelle Befriedigung ausgenutzt hat“.

Das Urteil

Die 5. große Jugendkammer kam im Strafmaß der Staatsanwaltschaft nahe: Vier Jahre und neun Monate Haft, unter Einbeziehung der beiden letzten Verurteilungen. Das Gericht legte ihm dringend nahe, in der Haft an dem zu arbeiten, was ihn zu seinen Handlungen angetrieben hatte – das war nämlich aus Sicht eines psychiatrischen Gutachters bisher unterblieben. 

Der 22-Jährige selbst sagte in seinem letzten Wort, er habe sich bereits geändert: „Die Person, die diese Dinge getan hat, gibt es nicht mehr.“ Was ihm im Saal wohl nur wenige glaubten.

Quelle: wa.de

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