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Mord am OLG in Hamm: Urteil da... und ein winziges „Es tut mir leid“

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Von: Martin von Braunschweig

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Auf der Klappe des Ordners vor dem Gesichts des Angeklagten steht tatsächlich „Es tut mir leid“.
Kaum zu erkennen - aber auf der Klappe des Ordners vor dem Gesichts des Angeklagten steht tatsächlich „ES TUT MIR LEID“. © Martin von Braunschweig

[Update] Im Prozess um den Mord an einer 25-jährigen Frau im Park neben dem OLG Hamm hat das Schwurgericht in Dortmund den Angeklagten zu 13 Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde seine zeitlich unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik angeordnet.

Hamm/Dortmund - Seit Beginn des Prozesses im März hatte der 28-jährige Angeklagte zu dem Vorwurf geschwiegen. Zwar erklärte sein Verteidiger Dennis Kocker in seinem Plädoyer, dass die Tat nicht mehr bestritten werden solle. Details hatte der Angeklagte aber weiterhin nicht genannt. (Hier klicken für frühere Berichte zum Thema.)

Zwischen den Plädoyers und der Urteilsverkündung muss dann aber doch etwas mit dem Angeklagten geschehen sein. Als er am Mittwoch von zwei Wachtmeistern in den Saal geführt wurde, hielt er sich wie immer einen dicken Aktenordner vor das Gesicht. Damit wollte er verhindern, dass er auf Fotos zu erkennen sein würde.

Wer aber genau hinschaute, erkannte, dass auf die Außenseite des Ordners vier Worte gekritzelt waren. „Es tut mir leid“, stand dort zu lesen. Selbst Verteidiger Kocker wusste davon nichts.

Mord im OLG-Park in Hamm: „Keine Zweifel, dass er der Täter ist“

Die Richter sind davon überzeugt, dass der Angeklagte die 25-jährige Frau im September 2021 erstach, um sich sexuell zu befriedigen. „Nur das erklärt diese Tat“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm. Warum sonst hätte der Angeklagte die bereits tote Frau dann auch noch am Unterkörper entkleiden sollen? Und warum hätte er auch noch Bilder der Leiche mit dem Handy machen sollen.

Diese Bilder hatte der Angeklagte zwar sofort wieder gelöscht. Experten der Polizei konnten sie auf dem Mobiltelefon des Mannes jedoch wiederherstellen. Zusammen mit dem Tatmesser, das in seiner Wohnung gefunden wurde, und seiner DNA an der Leiche, ergeben sie eine eindeutige Beweislage. „Wir haben überhaupt keine Zweifel, dass er der Täter ist“, so Kelm.

Bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung wurde der Haftbefehl gegen den 28-Jährigen in einen Unterbringungsbefehl umgewandelt. Er wird nun aus dem Gefängnis in die LWL-Klinik nach Herne gebracht, um wegen seiner Borderline-Persönlichkeitsstörung behandelt zu werden.

Kerzen brennen am Tatort in Hamm in Erinnerung an die dort getötete junge Frau.
Noch viele Wochen brannten Kerzen am Tatort in Hamm. (Archiv) © Frank Lahme

Mord im OLG-Park in Hamm: „So ziemlich das schärfste“ mögliche Urteil

Doch nicht nur das. „Eine solche Unterbringung dient nicht nur dazu, die Menschen zu therapieren“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. „Sie dient vor allem auch dazu, die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen.“

Richter Kelm sagte sogar: „Diese Anordnung ist so ziemlich das Schärfste, was wir überhaupt verhängen können.“ Denn selbst wenn die Behandlung des Angeklagten länger dauert als die gleichzeitig verhängten 13 Jahre, kommt er dann nicht wieder frei. Das geschieht erst, wenn man ihn nicht mehr für gefährlich hält.

Ob er gegen das Urteil Revision einlegen wird, hat der 28-Jährige nach Angaben von Verteidiger Kocker noch nicht entschieden. „Wir werden das in Ruhe überlegen“, sagte der Anwalt.

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