Nach schweren Unfällen

Vor dem Oster-Wochenende: ADAC-Luftrettung richtet dringendem Appell an Motorradfahrer

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Allein auf der Forststraße am Möhnesee musste der Rettungshubschrauber "Christoph 8" am vergangenen Wochenende zweimal landen. Einmal musste er ohne Patienten wieder abheben - dem jungen Mann konnten die Rettungskräfte nicht mehr helfen. Er war sofort tot.

Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen: Die Wetterprognosen für das bevorstehende Oster-Wochenende versprechen optimale Bedingungen für Motorradfahrer. An diese richtet die ADAC-Luftrettung eine dringende Bitte.

Südwestfalen - Der Start der Motorradsaison und die Zahl der schweren Unfälle am vergangenen Wochenende machte einmal mehr deutlich, welch hoher Gefahr Biker bei einem Sturz ausgesetzt sind - am Möhnesee kam ein junger Fahrer ums Leben. Das wissen auch die Einsatzkräfte der Luftrettung, deren Hilfe bei Motorradunfällen oftmals benötigt wird. Deshalb richten sie einen dringenden Appell an diejenigen, die eine Tour mit ihrer Maschine planen. 

Abstand halten und nach Möglichkeit zuhause bleiben: Die Einschränkungen wegen der Corona-Krise kollidieren mit dem Bedürfnis nach dem Gefühl von Freiheit, das Motorradfahrer bei ihren Touren so sehr lieben. Doch gerade jetzt sollte auf „Spaßfahrten“ verzichtet werden, sagt Markus Wimmeler. Der Notfallsanitäter aus Geseke im Kreis Soest ist Crew-Mitglied auf dem Rettungshubschrauber „Christoph Westfalen“, der am Flughafen Münster/Osnabrück stationiert ist.

Appell an Motorradfahrer: "Bett stände Covid-19-Patienten nicht zur Verfügung"

Der gelernte Intensiv-Fachpfleger betont: „Es ist nicht das Problem, dass die Motorradfahrer alleine rausfahren. Natürlich dürfen sie das - es gibt ja keine Ausgangssperre.“ Jedoch würde jede „sinnlose Tour“ das Risiko erhöhen, dass es zu einem Unfall kommt und deswegen intensiv-medizinische Kapazitäten im Rettungsdienst und in den Krankenhäusern verbraucht würden. „So ein Intensivbett stände einem Covid-19-Patienten dann möglicherweise nicht mehr zur Verfügung - und das, wegen eines Unfalls, den es nicht gegeben hätte, wenn der Verunfallte auf eine unnötige Motorrad-Tour verzichtet hätte.“

Jeder Motorrad-Unfall bindet medizinische Kapazitäten.

Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC-Luftrettung, fügt einen weiteren Punkt an, warum derartige Einsätze in der aktuellen Phase für die Luftretter „sehr ärgerlich“ seien: „Möglicherweise ist ein verunfallter Motorradfahrer mit dem Coronavirus infiziert und weiß es selbst noch nicht - dadurch werden unsere Crews natürlich gefährdet. Unser oberstes Ziel ist, dass die Crews einsatzbereit bleiben und kein Hubschrauber am Boden bleiben muss.“

Luftrettung stellt sich auf "Lage in zwei bis vier Wochen" ein

Auch für die Luftrettung bringe die aktuelle Corona-Lage eine völlig neue Situation mit sich: In der vergangenen Woche wurde mit dem „Christoph Westfalen“ der erste innerdeutsche Corona-Transport von Bocholt zur Uniklinik nach Essen geflogen. „Die Crew muss unter Vollschutz arbeiten, der Pilot mit Maske fliegen - dadurch gibt es eine eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit. Außerdem muss der Hubschrauber nach dem Transport komplett desinfiziert werden - das dauert mehrere Stunden“, schildert Jochen Oesterle den enormen Aufwand eines solchen Transportes. 

Schwerer Motorrad-Unfall am Möhnesee: Motorradfahrer in Lebensgefahr - Hubschrauber im Einsatz

Gedanklich stelle man sich auf „die Lage in zwei bis vier Wochen“ ein. Aus intensivmedizinischer Sicht müsse man dann mit einer „weiteren Eskalation“ rechnen. Corona-Transporte im Hubschrauber könnten dann Alltag sein. Dafür wurde vom ADAC ein zusätzlicher Hubschrauber, der „Christoph 112“, in Dienst gestellt. Er ist in Ludwigshafen stationiert und fliegt Einsätze in ganz Deutschland. Zudem wurden zusätzliche Notfallsanitäter - unter anderem aus NRW - ausgebildet: „Ab der kommenden Woche fliegen die mit“, sagt Oesterle.

Appell an Motorradfahrer: "Können Unfälle aktuell am wenigsten gebrauchen"

Er betont: „In der aktuell angespannten Situation können wir Motorradunfälle wirklich am wenigsten gebrauchen.“ Markus Wimmeler ergänzt: „Die Leute sollen sich einschränken - das ist zum Wohle aller. Wenn es draußen sonnig ist, muss man jetzt mal mehr spazieren gehen und weniger Motorrad fahren.“

Quelle: wa.de

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