Bis einer heult

Wohnste noch oder spielste schon?

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Die Couch ist die beste Hüpfburg

Der beste Indoor-Spielplatz ist doch zuhause. Wozu also in die Ferne reisen, wenn man auch vor Ort alles als Spielzeug umbauen kann?

Letzte Woche hatten wir Werbung für einen Indoor-Spielplatz im Briefkasten. Ich nenne die ja auch gerne: teure Keimhölle. Zugegeben: Wir waren da noch nie. Bisher konnte ich es immer verhindern. 

Die Kinder waren da schon mal zum Kindergeburtstag eingeladen. Ok, wenn die Kinder im Winter Geburtstag haben und man die Meute irgendwie bespaßen will ohne gleich neu bauen zu müssen, ist man da schon auf der sicheren Seite. 

Aber so zwischendurch mal hinfahren? Nö. Denn - eigentlich haben wir doch alle zuhause das beste Kinderspiel-Paradies. Und ein Blick in den Flyer bestätigt mich. Da können wir durchaus mithalten. 

Großflächige Spiel- und Tobefläche wird angepriesen. Klar! Kurz gesagt: das Haus. Wir haben einen Neubau. Warum, weiß ich gar nicht mehr. Nach 2 Wochen waren die ersten Bobbycar-Macken im Putz, die Holztreppe vermackelt, weil Spielzeugautos Stunts machten und in der teuren Keramag-Badewanne (weil´s schick aussieht) etliche Kratzer vom Spielzeughammer. Naja, alles fürs Kind. Schöner Wohnen machen wir dann wieder im Alter. 

Kletterwand haben wir im Badezimmer. Unser Handtuch-Heizkörper! Im Winter noch muckeliger: Beim Barfuß-Klettern werden die Füße noch gewärmt. Luxus! Egal ob die Sprossen aufgrund größer und dicker werdender Frodo-Füße immer enger werden. Da kommen alle drei noch hoch. Aber Achtung! Nicht ausrutschen und daneben ins Klo plumpsen, weil Deckel ja immer hoch geklappt ist. Obwohl, so haben wir das nächste Abenteuer "Hängeln über gefährlichem Gewässer".  

Ein Kinderkarussell können wir auch bieten - Papas alter Schreibtischstuhl, von dem er sich (zumindest aus Kindersicht)  glücklicherweise niemals trennen wird. Da passen zwei kleine Hintern locker drauf und der Dritte schubst an! 

Dosenwerfen. Ja leider. Zwar keine Dosen, aber was sonst alles so geworfen werden kann. Deko wird ja sowieso überbewertet. Wer hat als Eltern schon dekoriert? Kinderbücher sind der neue Deko-Hit. Oder Playmobilfiguren nett drapiert. Da ärgert man sich auch nicht, wenn was umfällt. 

Von einem Rennwagen-Simulator ist die Rede im Flyer. Hier zwar nur ein alter Caddy-Simulator, aber meine Kinder sind ja mit wenig zufrieden. Mal vergessen, das Auto abzuschließen, zack, klettert der kleine Oskar rein und drückt auf alle Knöpfe. "Ich bin Rennfahrer", ruft der freudestrahlend und reißt das Lenkrad rum.

Kistenrutsche und Rutschen: Die Ikea-Kisten in allen Größen. Kind rein, der andere schiebt kreuz und quer über die Fliesen. Oder aber eine Matratze auf die Treppe und runter düsen bis die Wand einen stoppt. 

Trampolin - natürlich der Standard eines jeden "nerdigen" Vorstadt-Gartens. Haste keins, biste nix. Haste eins (und dann noch ein großes), biste der Anziehungspunkt für alle Kinder im Baugebiet. Aber ok, wir haben den Garten ja eh nur für die Kinder gebaut und nicht zum Entspannen. Das kommt wohl auch später.

Go-Carts! Sind hier auch ein Statussymbol. Wir haben natürlich ein Kleines für den Kleinen. Steht allerdings traurig in der Ecke, weil der kleine natürlich mit aufs Große will. Doppelsitzer von Berg! Schön wie der König hinten drauf und sich fahren lassen. Und der dritte hängt sich an die Stange. Passt.

Ich lese im Flyer was von einem Fun-Shooter. Keine Ahnung was das sein soll. Frei übersetzt: "Spaß-Schießer". Als ich klein war, nannte man das Kissenschlacht. Also wir shooten hier noch ganz altmodisch mit Kissen. Macht auch Spaß!

Eine Wabbelinsel gibts da! Ich will gar nicht genau wissen was das ist. Hier nehmen alle Mama und Papa´s weichen Bauch. Kann man gut drauf turnen. Wabbeln tut der auch. 

Verstecken spielen kann man im Indoor-Spielplatz. Ja! Am besten in Mamas Vorhängen. Oder wozu sind die da? Für Kinder unnötig. Denn die wollen schließlich nach draußen gucken und schnell das Fenster aufreißen können wenn der Kumpel da mal her spaziert. Um dann über die Straße zu gröhlen: "Ey Louis, ´ne Runde pöhlen?!" 

Sätze mit "Ey" sind ja meine Allerliebsten geworden. Ich dachte, wenn wir aufs Land ziehen, weg aus der Großstadt Werne, sprechen meine Kinder nicht so. Falsch gedacht. 

Massage-Sessel gibt´s im Spieleparadies! Ok, überredet, vielleicht fahren wir doch mal hin. Den hätte ich auch gerne. Natürlich für mich. 

Ach, fast hätte ich das Wichtigste aus dem Prospekt vergessen: Die Gastronomie - macht Mutti ja eh täglich. Und Kiosk - nennen wir den Süßigkeitenschrank sowieso; immer prall gefüllt. Eintritt ist kostenpflichtig - hier nicht, kostet nur Eltern-Nerven.

Das Beste ist natürlich, dass wir in unseren eigenen Bakterien spielen. Schade allerdings für mich als Mutter, dass ich keine anderen Eltern mit Kindern beobachten kann, um dann mit gutem Gefühl zu sehen: schlimmer geht immer!

Quelle: wa.de

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