Bis einer heult

Karnevalsmuffel mal drei

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Karnevalsmuffel ´85

Helau, es ist wieder soweit! Ich liebe Karneval und dachte, meine Leidenschaft überträgt sich automatisch auf die Kinder - leider falsch gedacht. Denn: Unsere Kinder sind Karneval-Muffels wie der Papa und wollen daher kein lustiges Dreigestirn abgeben.

Ich weiß nicht, wie viele Kostüme ich bereits gekauft habe, um sie zu bekehren. Und was kam bei raus? Die drei springen wild und verkleidet das ganze Jahr zu lauter Musik im Wohnzimmer rum, immer - nur nicht an Karneval. 

Oskar will oft als wilder Cowboy verkleidet mit Pistole und Hut durch die dörfliche Prärie streifen, oder als Spiderman Bruder Fiete vernetzen. Frida mit Freundin Pauli im Partnerlook zum 100. mal Bibi & Tina und „Jungs gegen Mädchen“ auf YouTube nachtanzen. Fiete spielt sowieso täglich allerhand Ninjago-Kreisch-Karate-Attacken auf der Straße durch. 

Will ich sie jedoch für den Kinderkarneval stylen, stehe ich vor drei knütternden Null-Bock-Exemplaren mit verschränkten Armen: "Nö, ich will mich nicht verkleiden!" Bei uns redet das ganze Dorf tagelang von nix anderem als vom großen Event Kinderkarneval. Die kreativsten Kostümideen der Dorfmuddis werden per Whatsapp getauscht, die Fenster spaßig oder spießig, je nachdem wie man es sieht, dekoriert. Nur ein kleines graues Haus am Feld nicht, da streike ich als Deko-Muffel dann nämlich. 

Alle Kids freuen sich also drauf und sind, glaubt man den Mamis, natürlich total motiviert, oben auf der Bühne den Superstar nachzuahmen. Ja, alle, außer die, die das kleine, graue, ungeschmückte Haus am Feld bewohnen.

Fiete hatte im letzten Jahr schon vorher keinen Bock und mit Beginn der Rumtata-Musik des KiKaKarnevals um 14.11 Uhr wurde die Laune nicht besser. Also hatte ich einen Klammeraffen auf dem Schoß. Kostüm – Fehlanzeige. Aber als er nun seine Kumpels sah, die wild mit Laserschwertern als Ober-Jedi oder mit langen Säbeln als Ninja umher fuchtelten, war er noch schlechter drauf, weil er kein Kostüm anhatte. Und wer war schuld? Natürlich Muttern. Warum hab ich auch nicht immer fünf verschiedene Kostüme zur Auswahl in meiner Tasche?! Eine gute Mutter hat doch sowas immer dabei.  

Frida war zwar verkleidet, wollte aber auch nicht vorne rumturnen. Könnte ja peinlich sein. Also saß ich da nun mit meinen beiden "Großen" (der Kleine zum Glück bei Oma). Jeder nuckelte missmutig am Strohhalm seiner Sprite rum. Ich schlürfte völlig verschwitzt wegen der Kinder auf mir, meine Cola, die ich zur eigenen Entspannung auch lieber mit Schuss gehabt hätte. Mein Kostüm hätte ich mir sparen können, ich sah eh aus wie ein Wrack.

So schauten die zwei sich das jecke Treiben vorne skeptisch an als seien alle total verrückt geworden. Und dann dazu noch die zwar gut gemeinten, aber überflüssigen Fragen der anderen Mamas: "Was ist denn mit euch los? Seid ihr schlecht drauf?" Ach, echt? Anscheinend ja. 

Wenn meine Kinder mal offiziell die Sau oder den Jedi rauslassen dürften, streiken sie also. Mittlerweile habe ich mir aber abgewöhnt, denen was aufzudrücken. Kann ich wohl nix machen (oder doch??). Von den Kleinen wird aber auch immer viel verlangt heutzutage.

Als ich meiner Mutter vorjaulte, dass niemand mit mir Karneval feiern will, kramte sie nur hämisch grinsend das Bild raus, wie ich als Minnie Maus verkleidet auch eher lustlos beim Kinderkarneval in der Ecke hänge. Ach, war ich damals wohl doch noch nicht ganz so jeck wie ich immer vermutet habe?

Also, dann ist wohl noch nicht alles verloren und ich gebe die Hoffnung nicht auf. Gehe auch dieses Jahr wieder als, für die Kinder unangenehm, wild verkleidete Mutter mit ihnen zum Kinderkarneval. Und tanze als einzige von uns und mache bei der Polonaise mit. Vorbild und so. Und zum Rosenmontags-Umzug gehen wir auch. Basta. Mein Mann hat allerdings mal wieder angedeutet, dass er gerade an diesen Tagen Überstunden machen muss. Komisch oder? Oder hat er Angst, dass er Bonbons auf den Kopf kriegt? Ihn kann ich wohl nicht mehr bekehren aber bei den Kindern sehe ich noch kleine Chancen. 

Quelle: wa.de

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