Bis einer heult

Weihnachten mit motzendem Hirten und Fiebersaftdröhnung

Seufz, Uffz. So, Weihnachten wieder geschafft. War eigentlich ganz entspannt. Die letzten Nächte vor dem großen Geschenke-Run waren natürlich nicht ganz so ruhig, weil alle aufgeregt waren. Und pünktlich zu Weihnachten, wie sollte es anders sein - war ein Kind krank.

Manchmal glaub ich ja, dass es eine kleine Strafe ist, weil ich Weihnachten nicht besonders mag. Zumindest ist bei uns mindestens eines von drei Kindern immer krank. Egal. Also nach 20 Minuten Kinderkirche hatte mein Mann Erbarmen und ging mit Fiete, der wirklich leidend in der Bank hing, nach Hause. Also durfte/musste, wie man will, er frühzeitig das heilige Krippenspiel seiner hochmotivierten (NICHT!) Schwester verlassen.

Diese hing als Hirte verkleidet nicht weniger leidend direkt auf ihrem Schafsfell im Kirchengang, hat brav den Einsatz "Die Hirten machten sich auf den Weg" verpennt, und rannte dann im Schafsgalopp noch schnell zum Stall. Ist noch rechtzeitig angekommen, die Kirche ist klein, die Wege sind kurz. Nachher hat sie dann aber wirklich alles rausgehauen beim "Oh, du fröhliche-Gejauchze".

Fröhlich war sie allerdings nicht lange, weil ich als Dorf-Mutti nach der Kirche noch sämtliche andere Dorfmuttis herzen, knuddeln oder bequasseln musste. Man will ja freundlich sein. "Wann gehen wir endlich gucken, ob die Geschenke schon angekommen sind?" brüllte also mit lauter Stimme mein verkleideter Hirte und zog mich am Arm aus der Mütter-Mafia Gruppe raus. Hoffentlich hab ich da nix spannendes verpasst. (Notiz an mich: Nächstes Jahr wird sie der Engel, vielleicht brüllt sie dann liebreizender, weil engelsgleich).

Der Rückweg war herrlich. Ich als Läuferin hatte Mühe den schnellen Schritten meiner Tochter zu folgen. So schnell ist sie noch nie durchs Dorf gerannt. Und zuhause angekommen standen meine Eltern, mein Mann und der kleinste Bruder Oskar bereit und zumindest war ein Tisch fertig. Leider nicht der Gabentisch, sondern nur der Kaffeetisch. Ein verstörter Blick unter den leeren Tannenbaum und das Gemecker des Hirten ging weiter.

Erstmal Kaffeetrinken, forderten die Großeltern. Ich als Mutter hatte vorher die Diskussion verloren, dass die Geschenke doch nach der Kirche bereitliegen sollen. Oma und Opa wollten gern erstmal Kaffeetrinken und es spannender machen. Und wer widerspricht schon seinen Eltern? Also ich nicht. (nicht mehr).

Also ganz langsam und genüsslich Kaffeeklatsch. Fiete war ja eh noch im Bett. Der war so kaputt vom anstrengenden Kirchenbesuch, dass er erstmal pennen musste. Also waren es nur noch zwei, die nervös warteten. Aber Frida und Oskar mussten sich noch gedulden und irgendwann ist Frida mit Oskar nach oben abgedackelt und meinte nur "Komm' Oskar, solange wir im Wohnzimmer sind, passiert hier gar nix!". Wie recht die kleine Madame doch hat.

Als es dann endlich so weit war, waren natürlich innerhalb von 5 Minuten (wenn überhaupt) alle Pakete aufgerissen. Die Geschenke von Fiete hütete ich wie Frida nachmittags die Schafe. Als er dann endlich, voll gedröhnt mit Fiebersaft und im Schlafanzug, auch dazu kam, wurde es nochmal aufregend und alle halfen ihm gespannt mit.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit Lego-Aufbauen. Also ich weniger. Der Wille ist ja immer da ab es hapert bei mir am Verstehen der Aufbauanleitung- übrigens egal, ob da ab 5 oder 8 Jahren drauf steht, ich hab einfach keine Lust, das zu lesen. Wie im wahren Leben, ich drück lieber alle Knöpfe und teste, denn Bedienungsanleitungen lesen ist mir zu aufwändig. Geht auch meistens gut.

In dem Lego-Fall ist mein entspannter, ruhiger Ehemann wieder mal Gold wert. Den bringt so schnell nix aus der Ruhe. Ich nutzte die Zeit und sprang tausend mal in die Papiertonne, um noch was reinstopfen zu können. Auch nicht gerade einfach. Also waren nachher waren alle glücklich, Hirte inklusive.

Abends gab es dann noch selbstgemachte Pizza: Endlich mal ein Kinderwunsch, den ich nur zu gern erfüllte - wenig Aufwand und alle essen auf jeden Fall mit. Danach waren alle so fertig und von Schnupfen, Husten und Geschenkefreude völlig erledigt, dass unsere drei eifrigen Weihnachtswichtel schön früh ins Bett gingen und wir auch noch ´nen ruhigen Abend hatten. Wollten noch etliches spannendes im Fernsehen ansehen, jedoch kam auch bei mir das Sandmännchen dazwischen - bin ich auch vor Erschöpfung gegen 21 Uhr auf der Couch eingepennt.

Muttersein ist auch nicht zu unterschätzen. Gerade an Weihnachten!

Quelle: wa.de

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