Bis einer heult...

Soo wollt ich echt nie werden!

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Ein Häufchen zum Aufräumen!

Spießer-Mama Teil 2 sollte es ja eigentlich werden, aber weil´s jetzt besser passt, eher: So wollt´ ich doch nie werden. 

„Voll eklig“, fand ich früher immer Mütter, die die runter gefallenen Schnuller der Kinder abgelutscht haben, damit sie selbst den Dreck essen und nicht die lieben Kleinen. Und tat es als Mutti dann natürlich auch! 

Wenn ich mit den Kindern zur Kirmes gehe, finde ich später zuhause diverse Essensreste oder mit Ketchup verschmierte Tücher der Kinder in der eigenen Jackentasche wieder, weil ich keine Zeit hatte, die wegzuwerfen und es auch einfach vergessen hab. Hätt´ich früher im Traum nicht dran gedacht.

Was hab ich als Kind geheult, wenn ich in mein Zimmer kam und dort ein Häufchen zum Aufräumen vorfand. Dabei hatte ich doch die Klamotten fein säuberlich in den Schrank gestopft, damit´s aufgeräumt aussieht. Nö, reichte nicht - Muttern hat alles wieder rausgerissen un

d in die Mitte des Raumes gehäuft. 

Ein Häufchen Elend für mich sozusagen. Oben drauf der Zettel: Aufräumen! Und jetzt? Ich hab mich erwischt wie ich es auch getan hab. Frida hat geflucht wie ich in jungen Jahren. Ich wusste genau: Sie wird wohl schnell meinen Trick übernehmen und einfach alles in die Wäschebox stopfen. Geht schnell. Ist aufgeräumt. 

Bei uns im Kühlschrank gibt’s Wurst die hat Gesichter. Bei euch eigentlich auch? Wollte ich auch nie kaufen. Hab immer gedacht, welche verrückten Eltern zahlen für olle Mortadella mit grinsendem Leo Lausemaus drauf mehr Kohle als für stinknormale ungrinsende Scheiben Wurst? Tja: Ich gehöre seit Oskar zu diesen verrückten Eltern. Denn er liebt die Wurst. 

Und manchmal gibt’s auch Milchschnitte zum Frühstück. Damit Prinz Oskar nicht den nächsten Wutanfall kriegt. Moment mal: Das ist aber gar nicht spießig, oder? Eigentlich ist das verdammt nochmal cool oder aber unverantwortlich für manch einen. Je nachdem, wer hier so mitliest. 

Ganz schlimm fand ich immer Eltern, die für´s laute Kind ein Tablet ins Restaurant mitnahmen. Konnte ich einfach nicht verstehen, warum die nicht den Kindern einfach was vorgelesen haben oder mit denen mal nach draußen gegangen sind. Tja, auch hier wurde ich eines besseren belehrt: „Willst in Ruhe du mal essen, solltest du das Kinder-Tablet nicht vergessen. Es rettet den Hauptgang, und sogar ein Glas Wein, ein wenig Tinky-Winky wird so schädlich nicht sein.“ 

Kennt ihr die Star Wars Lichtschwerter? Fand ich schlimm. Wer kauft sowas für seine Kinder? Überall auf den Straßen „Bsssss“ mit Lasersurren. „Ich bin dein Vater“ - als meine Neffen, heute 14 und 16 Jahre, die früher hatten, hab ich immer neunmalklug (da noch kinderlos) gesagt: „Meinen Kindern kauf' ich so einen Mist nie!“ Tja. Nun sie sind die Jedimeister von Capelle. „Und die Macht ist mit ihnen – Bsss“. Laserschwert aus. 

Dann immer diese grässlichen Shirts mit Kindermotiven. Übel. Aber nun auch in unserem Schrank alles dabei: von Minions über Star Wars, Feuerwehrmann Sam ist unser Mann oder ganz übel auch: Mia & Me oder Shirts mit Glitzerpailetten drauf. Und wehe bei Klein-Oskar ist die Feuerwehrmann Sam Bettwäsche mal nicht drauf gezogen. Alarm, es kommt ein Notruf an. Dafür wasch ich sogar manchmal an 8 Tagen in der Woche statt nur an 7 Tagen. Alles fürs Kind. 

Niemals wollte ich telefonieren und nebenbei mit den Kleinen brabbeln. Ich wollte immer eine Freundin sein, mit der man in Ruhe quatschen kann auch wenn ich mich dafür ins Klo einsperren muss. Aber es klappt nicht. An alle Freundinnnen: Es tut mir leid. Irgendwer will hier immer was.

Und die zugeschlossene Klotür kriegt auch Klein-Oskar schon mit dem Eurostück auf, weil´s nur so ein olles Drehschloss ist, ohne Schlüssel. (Danke an dieser Stelle an den Tür-Verkäufer. Der meinte, dass so ein Schloss sicherer ist, wenn die lieben Kleinen nicht mehr rauskommen. An Mütter, die sich da freiwillig einsperren hat wieder keiner gedacht.) 

Ich wollte auch nie so eine Halbtags-Arbeitsmutter werden, die oft mit ihren Kleinen in Babysprache auf der Arbeit telefoniert. Hat meine Kollegin Monique früher oft gemacht. Fand ich ganz schrecklich. Aber: Ja, ich hab´s später natürlich auch getan.

Das Schöne an den vielen Aha-Momenten ist, dass ich meine Eltern nun "im Alter" besser verstehen kann. Frag ich meine Mutter: „Is das normal?“ und sie lächelt: „Ja Anne, ist normal“. Dann bin ich etwas beruhigter.

Quelle: wa.de

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