Nach Keiminfektion: Neugeborenes stirbt auf Frühchenstation

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Auf der Frühgeborenen-Station des Evangelischen Krankenhauses ist ein kleiner Junge gestorben, nachdem er sich mit einem Antibiotika-sensiblen Keim infiziert hatte.

Lippstadt - Auf der Frühgeborenen-Station des Evangelischen Krankenhauses wurde bei fünf Kindern ein Antibiotika-sensibler Keim gefunden. Wie das Krankenhaus am Dienstag mitteilte, hat sich ein Junge mit dem Keim infiziert und ist drei Wochen nach der Geburt gestorben.

Bei fünf weiteren Kindern konnte der Keim nachgewiesen werde. Das Krankenhaus hat aus Vorsichtsgründen einen vorübergehenden Aufnahmestopp verhängt.

Woher der Keim – es handelt sich um Serratia marcescens – kommt, ist bisher noch unklar. „Es ist ein sehr sensibler Keim, der zwar auf Antibiotika anspricht, aber sehr aggressiv ist“, sagt Krankenhaussprecher Thomas van Zütphen. Der Keim gehört zur Familie der Darmbakterien und „tritt grundsätzlich überall auf“. Die Keime können unter anderem zu Blutvergiftung, Lungenentzündung oder Nierenversagen führen. Ein geschwächtes Immunsystem habe gegen diese Erreger kaum eine Chance.

Bei dem verstorbenen Frühgeborenen – einem 19 Tage alten Jungen mit einem Geburtsgewicht von 840 Gramm – waren die ersten Infektionsanzeichen am 2. Januar aufgetreten. Der Junge verstarb wenige Stunden später, „trotz umgehend eingeleiteter Behandlung“. „Das Kind hatte keinerlei Abwehrkräfte“, so van Zütphen. Der Keim sei im Rahmen des regelmäßigen Neugeborenenscreenings der Klinik bei fünf von derzeit sieben Kindern nachgewiesen worden, zwei Frühchen hätten die Station zudem zwischenzeitlich bereits wieder verlassen können.

„Aktuell ist der Keim noch bei drei klinisch stabilen Kindern nachweisbar“, so der Sprecher. „Sie werden mit Antibiotika behandelt und zeigen einen guten Heilungsverlauf.“ Vier weitere kleine Patienten seien nicht betroffen und separat untergebracht worden. Das Evangelische Krankenhaus habe nach sofortiger Beratung mit dem Institut für Krankenhaushygiene (Hyges) und dem Institut für Mikrobiologie in Bochum das Gesundheitsamt des Kreises Soest informiert und „umfangreiche Präventionsmaßnahmen mit dem Gesundheitsamt abgestimmt“.

Diese lägen „seit Jahren“ über denen, die das für Richtlinien zur Krankenhaushygiene zuständige Robert-Koch-Institut empfiehlt. „Das erste Screening wird direkt nach der Geburt vorgenommen“, erklärt van Zütphen. „Fortan werden die Frühgeborenen unter 1500 Gramm zweimal in der Woche kontrolliert.“ Und das Evangelische Krankenhaus gehe sogar noch weiter: „Bei der Neuaufnahme werden alle Kinder und Jugendlichen auf das Vorkommen eines Keims getestet.“ Gleichwohl könne eine „solche Keimausbreitung nach nahezu einhelliger Meinung von Fachleuten, auch bei maximaler Hygiene nie völlig vermieden werden“, so der Krankenhaus-Sprecher.

Von Carolin Cegelski

Quelle: wa.de

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