Vor Silvesternacht: Kölner Polizei zeigt Stärke

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Köln - Freitagabend, kurz vor 21 Uhr am Ebertplatz in der Kölner Innenstadt. Zu dieser Zeit treffen sich hier Drogendealer und andere zwielichtige Gestalten, lungern rum, treiben ihre illegalen Geschäfte. Genau das will die Polizei unterbinden - durch erhöhte Präsenz.

Plötzlich rasen vier Mannschaftswagen vollbesetzt mit Beamten auf den Platz zu. Junge Männer schrecken hoch, setzen zur Flucht an. Doch sie sind umzingelt, keine Möglichkeit abzuhauen. In einer dunklen Ecke, die nach Urin und Fäkalien stinkt, tastet ein Polizist wenig später einen der Männer ab. Der junge Mann muss seine Jacke ablegen. "Hier kommt gleich ein Hund vorbei, wenn der keine Freudensprünge macht, können Sie gehen", sagt einer der Beamten zu ihm. 

Bei einem anderen werden geringe Mengen einer illegalen Substanz gefunden. Der Mann wird im Streifenwagen abgeführt, auf der Wache wird sich herausstellen, wie es für ihn weitergeht. Knapp ein Jahr zuvor kam es nur wenige hundert Meter entfernt vom Ebertplatz zu massenhaften sexuellen Übergriffen. Rund um den Kölner Hauptbahnhof wurden Frauen bestohlen, bedrängt, angefasst. Die Polizei griff kaum ein, hatte wohl zuwenig Beamte im Einsatz und erschien hilflos. 

Kurz darauf schickte Innenminister Ralf Jäger (SPD) den damaligen Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand. Sein Nachfolger Jürgen Mathies bemüht sich seitdem, das Vertrauen der Bürger in die Polizei wieder herzustellen. "So etwas darf sich nicht wiederholen und deshalb werden wir als Polizei alles daran setzen, dass die Menschen den Ausklang des Jahres 2016 friedlich und sicher auf den Kölner Straßen und Plätzen feiern können", sagte Mathies am Montag. 

Für die Stadt Köln, beliebtes Ziel für Millionen Touristen, gilt es auch, einen enormen Imageschaden wieder herzustellen. 1500 Beamte der Landespolizei sollen in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2017 in Köln eingesetzt werden. , so das Konzept von Polizei und Stadt, das am Montag vorgestellt wurde. Das sind etwa zehn Mal so viele Beamte wie im vergangenen Jahr. Auch die Bundespolizei und die Stadt Köln stocken ihre Personal deutlich auf. 

Schon jetzt ist die Polizei in Köln sichtbarer als früher. Das zeigt auch der Einsatz am Freitagabend am Ebertplatz. "Unsere Präsenzkräfte sind hauptsächlich in der Innenstadt unterwegs und fahren verstärkt Streife", sagt Polizeisprecher Benedikt Kleimann. "Seit wir dieses Konzept anwenden, verzeichnen wir beispielsweise bei Taschendiebstählen einen Rückgang von über 20 Prozent." 

Zwischen Januar und August 2016 gab es in Köln zudem rund 23 Prozent weniger Einbrüche, in ganz Nordrhein-Westfalen liegt der Rückgang bei vier Prozent. Für die krisengeplagte Kölner Polizei ist das ein großer Erfolg. Pressesprecher Dirk Weber verrät das Rezept: "Wir sind auch verstärkt am Hauptbahnhof unterwegs, das merken die Täter natürlich und wechseln ihren Standort. Wir als Polizei sind da aber sehr flexibel und gehen einfach mit den Tätern."

Quelle: wa.de

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