Tod im Dortmund-Ems-Kanal

Neuer Prozess um Kanal-Leiche von Waltrop: Angeklagter bestreitet Tat

+
Symbolbild

Bochum - Im Dortmund-Ems-Kanal wird eine Frauenleiche entdeckt. Die Ermittler sprechen von Mord. Verdächtig ist der Ehemann. Doch ein erster Prozess endet mit Freispruch. Jetzt geht alles noch einmal von vorne los.

In einem neu aufgerollten Prozess um den rätselhaften Tod einer 25-Jährigen aus Oer-Erkenschwick hat der angeklagte Ehemann die Tat bestritten.

"Er weist die Vorwürfe als absolut unzutreffend zurück", sagte sein Verteidiger Siegmund Benecken zum Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Bochumer Schwurgericht. Auch im neuen Prozess will sich der Lkw-Fahrer nicht selbst zu den Vorwürfen äußern.

Dem 44-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ehefrau in der Nacht auf den 6. Juni 2015 erstickt und die Leiche im Dortmund-Ems-Kanal bei Waltrop versenkt zu haben. In einem ersten Prozess war der Angeklagte im Oktober 2016 vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Weil der Bundesgerichtshof dieses Urteil jedoch aufgehoben hatte, muss der Prozess nun noch einmal komplett neu aufgerollt werden.

Der Angeklagte war im vergangenen Februar erneut festgenommen worden. Dabei sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben. "Die Tochter hat bereits ihre Mutter verloren", so Benecken. "Jetzt musste sie mit ansehen, wie ihr Vater morgens vom Frühstückstisch abgeführt wurde." Die Zehnjährige sei dadurch schwer traumatisiert und wolle nicht mehr in die Schule gehen.

Staatsanwalt Dietrich Streßig hält die Unschuldsbeteuerungen allerdings für falsch. Er geht nach wie vor davon aus, dass der Angeklagte seine Ehefrau umgebracht hat, weil sie seiner Beziehung zu einer anderen Frau im Wege gestanden habe. Obwohl bekannt war, dass der türkischstämmige Angeklagte schon seit Jahren eine Geliebte hatte, habe dessen eigene Familie verlangt, an der Ehe mit dem späteren Opfer festzuhalten. Ansonsten wäre er verstoßen worden.

Die Beziehung zu seiner Geliebten habe er daher nur fortsetzen können, wenn sich der Tod der Ehefrau als Unfall oder Selbstmord darstellen würde. Laut Staatsanwaltschaft hat der 44-Jährige seine Frau in der Nacht auf den 6. Juni 2015 in Bauchlage gebracht und ihr Gesicht in etwas Weiches gedrückt, wahrscheinlich in ein Kissen. Die 25-Jährige habe daraufhin erst das Bewusstsein verloren und sei anschließend gestorben.

Die Leiche sei später mit dem Auto des Bruders zum Kanal gebracht und dort versenkt worden. "Er hoffte, dass sich ihr Tod als Unfall oder Ertrinkungstod darstellen würde", heißt es in der Anklage. Den Richtern am Bochumer Landgericht steht nun erneut ein langer Indizienprozess bevor. Mit einem Urteil ist voraussichtlich im August zu rechnen. - dpa/lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare