Kritik von der Ärztekammer

Hausärztemangel in Westfalen-Lippe: Die Landarztquote soll helfen

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Bei der Landarztquote soll ein bestimmter Anteil der Studienplätze für Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, nach dem Abschluss auf dem Land zu arbeiten.

Düsseldorf - Bis 2030 werden in Westfalen-Lippe 1164 Hausärzte gegenüber heute fehlen. Dies teilt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in einer Stellungnahme für den Landtag mit. Dort geht es am Mittwoch um die hausärztliche Versorgung auf dem Land. Die Landesregierung plant unter anderem die Einführung einer „Landarztquote“.

So sollen bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Abschluss ihrer Ausbildung bis zu zehn Jahre in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen zu arbeiten. 

Demnach soll NRW zum Wintersemester 2019/20 als erstes Bundesland eine Landarzt-Quote einführt - zunächst für knapp acht Prozent aller Humanmedizin-Studienplätze. 

Wer sich vertraglich verpflichtet, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, soll sich auf einen der ersten 168 Landarzt-Studienplätze bewerben können - unabhängig vom bislang üblichen hohen Numerus clausus (NC). Auch in Bayern ist eine Landarzt-Quote geplant, Niedersachsen will abwarten.

Kritik an der Wirksamkeit der Maßnahme

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe unterstützt die Landarztquote als „nachhaltig wirkendes Instrument zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung“. Auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe begrüßt die Pläne, er verfolgt mit Sorge, dass von rund 11.000 niedergelassenen Hausärzten fast 60 Prozent das 60. Lebensjahr überschritten haben. 

Für den Städte- und Gemeindebund greift die Maßnahme allerdings zu kurz. Neben Facharztgruppen wie beispielsweise Kinderärzten sei insbesondere auch der Öffentliche Gesundheitsdienst von einer schwierigen Situation auf dem Bewerbermarkt betroffen.

In Stellungnahmen an den Landtag äußerten sich vor allem die Ärztekammer Nordrhein und der Städtetag kritisch zur Wirksamkeit der Maßnahme. Die Ausschüsse für Gesundheit und für Wissenschaft hören an diesem Mittwoch Experten zum geplanten Landarztgesetz der schwarz-gelben Landesregierung an.

Mehr Wert auf persönliche Eignung legen

Erhebliche Zweifel äußert die Ärztekammer außerdem an der Selektion der Medizinstudenten nach dem Landarztgesetz. Im Entwurf heißt es: "Eine sehr gute Abiturnote allein ist noch kein Garant für qualifizierte Ärztinnen und Ärzte." 

Künftig müsse bei der Auswahl mehr Wert gelegt werden auf Empathie, Sozialkompetenz und persönliche Eignung. Dafür gebe es aber bislang "keine ausreichend validen Auswahlverfahren", bemängelte die Kammer. "Eine Eignungsfeststellung speziell für die Tätigkeit als Hausarzt in unterversorgten Regionen halten wir für schwer darstellbar."

- mit dpa-Material

Quelle: wa.de

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