Männer aus Tadschikistan sollen Anschläge in Deutschland geplant haben

IS-Terrorzelle gesprengt: So erlebten Anwohner den Anti-Terror-Einsatz

Auch in Werdohl im Sauerland schlugen die Ermittler zu.
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Auch in Werdohl im Sauerland schlugen die Ermittler zu.

Fünf Männer aus Tadschikistan sollen im Namen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Anschläge in Deutschland geplant haben. Festnahmen gab es auch in Werdohl und Siegen.

  • In NRW sind vier Männer im Alter zwischen 24 und 32 Jahren aus Tadschikistan unter Terrorverdacht festgenommen worden.
  • Sie sollen im Namen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Anschläge in Deutschland vorbereitet haben.
  • Zwei Festnahmen gab es in Siegen, eine in Werdohl (Märkischer Kreis) und eine im Kreis Heinsberg.

Karlsruhe - Der Generalbundesanwalt hat am Mittwochmorgen in NRW vier terrorverdächtige Islamisten aus Tadschikistan festnehmen lassen. Zwei Beschuldigte wurden in Siegen festgenommen, einer im Kreis Heinsberg und einer im sauerländischen Werdohl (Märkischer Kreis).

Sie und ein fünfter bereits in Untersuchungshaft sitzender Mann sollen im Namen der Terr ororganisation Islamischer Staat (IS) Anschläge in Deutschland geplant haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. 

350 teils schwer bewaffnete Polizisten haben in Nordrhein-Westfalen eine mutmaßliche Terrorzelle des Islamischen Staats (IS) ausgehoben. Der Zugriff auf Anweisung der Bundesanwaltschaft fand am Mittwoch an einer Reihe von Orten in NRW statt, unter anderem in Werdohl. 

Terrorzelle in NRW: Werdohler haben nicht viel mitbekommen

Viel haben die Anwohner im Bereich Erlhager Weg, Waldstraße und Finkenweg in Werdohl  nicht mitbekommen, als am Mittwochmorgen gegen kurz nach sechs Uhr ein Großaufgebot von Polizeikräften auf der Königsburg einen mutmaßlichen Terroristen aus Tadschikistan verhaftete. 

Einige hatten zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit die Fahrzeugkolonne gesehen, Anwohner sahen die vielen auffallenden Fahrzeuge auf der Straße – aber in welchem Haus genau die Beamten den Unterschlupf des Gesuchten ausgehoben haben, konnten die Nachbarn nicht beobachten. Die Durchführung des Einsatzes übernahm das Polizeipräsidium Düsseldorf. Auch die Werdohler Feuerwehr mit Wehrleiter Kai Tebrün war vorab informiert worden, außerdem stand ein örtlicher Rettungswagen der Wache bereit. Über Details und Örtlichkeiten wird eisern geschwiegen. Was bleibt, sind überraschte Nachbarn, die selbst erst aus den Medien erfuhren, was sich bei Tagesanbruch in ihrem Viertel abspielte.

Terrorzelle in NRW: Verdächtiger Mercedes

Mehrere Augenzeugen berichteten, dass ein älterer Mercedes mit Essener Kennzeichen von Zivilbeamten gründlich durchsucht worden sei: „Der Benz steht da erst seit Tagen“, erzählt ein junger Mann. Ein anderer Anwohner hatte den Wagen schon seit den Ostertagen dort stehen gesehen, er will auch einen Fahrer beobachtet haben, der mit Bart und Kleidung in sein Bild eines Islamisten passen würde. 

Ob das Abschleppen des Autos zur kriminaltechnischen Untersuchung oder wegen Lärmbelästigung geschah, wollte die hiesige Polizei allerdings nicht kommentieren. Der Wagen fiel nicht nur wegen seines auswärtigen Kennzeichens auf, sondern auch wegen einer Fehlfunktion des Autoradios. Im Halbstundentakt wurden aus dem geschlossenen Fahrzeug heraus seit Tagen die WDR-Verkehrsnachrichten wiedergegeben – mit einer derartigen Lautstärke, dass es auch nachts durch das ganze Viertel schallte. 

Die Werdohler aus der Nachbarschaft wirkten nicht besonders geschockt, ungläubiges Staunen überwog. Die Festnahme des terrorverdächtigen Nachbarn entwickelte sich schnell zum Gesprächsthema auf der Königsburg und in den sozialen Medien. Einige Bewohner der Siedlung wirkten nachdenklich, als sie die Tragweite des Geschehens realisierten, vor allem aber dessen Nähe. 

Eine Bewohnerin sagte, dass sie um halb sieben die Rolladen hochgezogen und die Autos beobachtet habe. Dabei sei ihr schon etwas mulmig gewesen. Ob eine unmittelbare Gefahr für das Umfeld bestand, lässt sich derzeit schwer abschätzen. 

Terrorzelle in NRW: "Hatten Beschuldigte schon lange im Blick"

„Wir hatten die Beschuldigten schon recht lange im Blick“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Der Fall habe „riesige Dimensionen“. Durchsuchungen seien in Solingen, Kreuztal, Neuss, Essen, Werdohl, Wuppertal und Selfkant erfolgt. Es seien 13 Objekte durchsucht worden. Dabei seien Geld und Datenträger sichergestellt worden. 

Die fünf Beschuldigten, von denen vier festgenommen wurden und einer schon länger in U-Haft sitze, seien Tadschiken und alle als Flüchtlinge eingereist, sagte Reul. Drei seien von den Behörden als islamistische Gefährder eingestuft gewesen und zwei als sogenannte „relevante Personen“. Sie hätten zwei US-Militärbasen in Deutschland ausgekundschaftet und einen Mordanschlag auf den Islamkritiker Amir Masoud Arabpour M. aus Neuss geplant. Für die Anschläge auf US-Lufwaffenbasen wollten die Tatverdächtigen offenbar Drohnen nutzen. 

Terrorzelle in NRW: Angriff per Gleitschirm

Zudem sollen sie einen Angriff per Gleitschirm durchgespielt haben. „Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen stand ein Anschlag in Deutschland aber nicht unmittelbar bevor“, so der NRW-Innenminister. Die Gruppe habe sich aber bereits scharfe Schusswaffen, Munition und Bombenbauanleitungen beschafft. Zwei der Beschuldigten wurden in Siegen festgenommen, einer im Kreis Heinsberg und einer in Werdohl. 

Der fünfte Mann saß bereits seit März 2019 zunächst wegen anderer Vorwürfe in U-Haft. Die Anschlagspläne seien nach seiner Festnahme ins Stocken geraten. Wegen des Terrorverdachts hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen von der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf übernommen. Die Männer sollen sich im Januar 2019 dem IS angeschlossen haben. Ursprünglich sollen sie geplant haben, nach Tadschikistan in den Heiligen Krieg zu ziehen. Dann hätten sie ihre Pläne geändert. 

Terrorzelle in NRW: Kontakt zu zwei IS-Männern in Syrien und Afghanistan

Nach Angaben von Reul unterhielt die Gruppe Kontakt zu zwei IS-Terroristen der Führungsebene in Syrien und Afghanistan. Die Terrorverdächtigen waren bereits vor einem Jahr in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte ein 19-jähriger Tadschike mit einer Irrfahrt durch eine Fußgängerzone in Essen einen großen Anti-Terror-Einsatz ausgelöst. 

Die Ermittler hatten damals befürchtet, die Irrfahrt könnte der Auftakt für mehrere Anschläge sein. Bei dem Einsatz waren damals in zehn Orten in NRW sowie in Ulm Objekte auf Waffen und Sprengstoff durchsucht worden. Elf Männer wurden festgenommen, kamen aber alle wieder auf freien Fuß. Waffen und Sprengstoff wurden nicht gefunden.

Quelle: wa.de

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