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NRW: Polizei sucht über 24.000 Kriminelle – auch Mörder darunter

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Von: Tobias Schneider

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Zehntausende Verbrecher laufen in NRW frei herum – darunter befinden sich auch mutmaßliche Mörder und Verbrecher. Die Zahlen sind „erschreckend“.

Düsseldorf – Trotz sinkender Kriminalitätsrate fahndet die Polizei in NRW mit Haftbefehlen nach tausenden Menschen. Laut dem WDR seien darunter zwar viele Kleinkriminelle, aber auch einige „Großkaliber“ der Verbrecherszene laufen laut Bericht des NRW-Justizministeriums noch frei herum, berichtet RUHR24*.

BundeslandNRW
Kriminalfälle1.215.763 Fälle (Stand 2020)
Aufklärungsquote52,8 Prozent (Stand 2020)

NRW: Polizei sucht zehntausende Verbrecher – Mörder laufen frei herum

Die Polizei in NRW* hat im Januar nach 24.075 Menschen mit Haftbefehl gefahndet. Stichtag der Zählung war der 10. Januar 2022. Laut eines Berichts des Justizministeriums an den Rechtsausschuss sank die Zahl der nicht vollstreckten Haftbefehle um rund 3.200 im Vergleich zum Vorjahr – ein erster Erfolg.

Doch wie aus dem Bericht hervorgeht, sind unter den gesuchten Menschen auch 306 Personen, die wegen Mordes gesucht werden – 289 weitere wegen Totschlags. In einigen Fällen bittet die Polizei direkt die Bevölkerung um Mithilfe – beispielsweise bei der ZDF-Serie „Aktenzeichen XY“*.

Ein Mann trägt Handschellen.
Ein Mann trägt Handschellen. © Boris Roessler/dpa

NRW: Mörder und Kleinkriminelle werden von der Polizei gesucht

Zum Vergleich: Laut Angaben der DPA hatten Justiz und Polizei im Januar 2021 rund 290 Haftbefehle wegen Mordes und 298 Haftbefehle wegen Totschlags ausgeschrieben – die Zahlen bleiben also konstant.

Zur Einordnung der Zahlen schreibt der WDR, dass sich unter dem Begriff „offener Haftbefehl“ ganz unterschiedliche Fälle tummeln. Einen Großteil machten zum Beispiel Ersatzfreiheitsstrafen aus. Sie seien für fast 9.000 Fälle verantwortlich und entstehen dann, wenn eine Geldstrafe nicht bezahlt wird.

NRW: Fahndungen nach Mördern und Verbrecher – „erschreckende Zahlen“

Hinter einigen Fällen stehen aber auch andere Delikte. Beispielsweise Überfälle, wie der auf einen Kiosk in Dortmund: Die Polizei suchte hier drei Verdächtige*. Unter den 24.075 gesuchten Verbrechern in NRW befinden sich zudem eine ganze Zahl an Schwerkriminellen. „Die jetzt durch das Justizministerium vorgelegten Zahlen der offenen Haftbefehle wegen Mordes und Totschlags sind erschreckend“, sagt die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Sonja Bongers.

Und weiter: „Was der Minister (Peter Biesenbach, CDU – Anm. d. Red) in dieser Zeit unternommen hat, die Menschen vor fast 600 wegen Mordes und Totschlags gesuchten Personen zu schützen, wollen wir uns im Rechtsausschuss von ihm erklären lassen.“

Mord und Totschlag in NRW: Justizminister spricht von „Momentaufnahmen“

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) erklärte im WDR, dass es sich bei den Zahlen um „bloße Momentaufnahmen“ handele. Die Erklärung für offene Haftbefehle wegen Mordes: Haftbefehle würden bestehen bleiben, wenn die Täter nach Verbüßung eines Großteils der Strafe abgeschoben würden. Der Haftbefehl sei nur aktiv, um eine Rückkehr des Mörders ins Land zu verhindern.

Und weil Mord nicht verjähre, seien viel Haftbefehle noch aktiv, obwohl die Täter längst tot seien, heißt es weiter beim WDR *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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