Werk in Olpe bis Ende 2021 dicht

Thyssenkrupp schließt Standort: Hunderte Arbeiter bangen um Jobs - IG Metall meldet sich zu Wort

Das Thyssenkrupp-Werk in Olpe-Lütringhausen schließt Ende Mai seine Tore.
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Das Thyssenkrupp-Werk in Olpe-Lütringhausen schließt Ende 2021 seine Tore.

[Update 28. April] Thyssenkrupp schließt einen NRW-Standort bis Ende 2021. Das bedeutet für fast 500 Beschäftigte Angst um den Arbeitsplatz. Mittlerweile hat sich die IG Metall zu Wort gemeldet. 

  • Thyssenkrupp schließt den Standort in Olpe bis Ende 2021.
  • Am Standort in Hagen entfallen bis 2022 160 Stellen.
  • Insgesamt sind 490 Beschäftigte von den Maßnahmen betroffen.

Hagen/Olpe - Nach der Nachricht, dass Thyssenkrupp seinen Standort in Olpe-Lütringhausen schließen wird, hat sich der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Olpe, André Arenz, geäußert. „Wir hätten uns gewünscht, wenn der Arbeitgeber nach der Aufsichtsratssitzung erst die Belegschaft informiert und dann an die Presse geht. Dieses Vorgehen ist nicht üblich“, so Arenz, der aktuell (28. April, 12 Uhr) auf dem Weg zum Konzern nach Essen ist. Dort findet am Dienstag eine virtuelle Betriebsversammlung statt, in der Thyssenkrupp die Mitarbeiter über die Schließung informieren will. 

Arenz erinnert daran, dass der Standort in Olpe-Lütringhausen einmal wettbewerbsfähig war: „Der Arbeitgeber hat es versäumt, den Standort weiterzuentwickeln, damit dieser auch wettbewerbsfähig bleibt.“ Er habe sich vom Konzern „einen längeren Atem gewünscht“, insbesondere in der aktuellen Zeit der Coronavirus-Pandemie: „In der jetzigen Lage wäre es gut gewesen, wenn der Arbeitgeber dem Standort mehr Zeit gegeben hätte.“

Für Donnerstagvormittag hat die IG Metall Olpe eine Mitgliederversammlung im Betrieb anberaumt: „Wir entscheiden dann, welche weiteren Maßnahmen wir ergreifen.“ 

Thyssenkrupp schließt NRW-Standort: Unsere ursprüngliche Berichterstattung

Besonders der traditionsreiche Standort von Thysenkrupp in der Dorfstraße in Olpe-Lütringhausen (von 1866) stand in den vergangenen Monaten immer wieder in den Schlagzeilen – zuletzt im Herbst des vergangenen Jahres. Damals hatte die Führungsetage aufgrund roter Zahlen erneut sämtliche Bereiche des Werkes auf den Prüfstand gehoben, welche sie nicht länger für wettbewerbsfähig hielt. 

Im Dezember hieß es aus dem Konzern, man sei in Olpe „noch nicht so weit, die Dinge zu verhandeln.“ Allerdings gebe es dort „viel zu tun, genug Aufträge zu erledigen.“ Dem lange defizitären Geschäftsbereich Federn und Stabilisatoren wurde eine Frist eingeräumt um für bessere Zahlen zu sorgen, berichtet sauerlandkurier.de*. Nun ist das Ende des Standortes Olpe aber endgültig besiegelt - damit endet eine Hängepartie, die seit August andauert. Damals hatte der mittlerweile geschasste Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff angekündigt, mehrere Sparten des angeschlagenen Konzerns auf den Prüfstand zu stellen, die „trotz intensiver Anstrengungen nicht wettbewerbsfähig sind.“

Thyssenkrupp schließt NRW-Standort: fehlende Wettbewerbsfähigkeit

Konzernsprecher Konrad Böcker bestätigte am Montagvormittag auf Nachfrage des SauerlandKurier das Aus von Thyssenkrupp Federn und Stabilisatoren in Olpe-Lütringhausen: „Am Montagnachmittag kommt der Aufsichtsrat zusammen, um über das Konzept zu entscheiden.“ Am Nachmittag dann die Mitteilung des Konzerns: „Das Restrukturierungskonzept sieht die Beendigung der Fertigung von Stabilisatoren am Standort Olpe bis Ende 2021 vor.“

Zwei Werke im Sauerland hatten mehr Glück: Im Dezember wurde bekanntgegeben, dass sie nicht geschlossen werden sollen.

Dr. Karsten Kroos, CEO der Automobilzuliefersparte bei Thyssenkrupp: „Die Restrukturierung der beiden Standorte ist ein unausweichlicher und richtiger Schritt, um den Geschäftsbereich aus der Verlustzone herauszuführen. In der jetzigen Aufstellung war die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Werke nicht mehr gegeben. Dafür ist das Preisniveau in den jeweiligen Produktsegmenten zu gering und die Überkapazitäten am Markt zu groß. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die verbleibende Produktion mit den Entwicklungsaktivitäten an einem Standort zu bündeln und die Organisation weiter zu straffen.“

Thyssenkrupp schließt NRW-Standort: Virtuelle Betriebsversammlung am Freitag

Den Mitarbeitern von Thyssenkrupp wurde bereits am Freitagnachmittag in einer virtuellen Betriebsversammlung die prekäre Lage erläutert. Laut Geschäftsführung habe man alle Alternativen abermals geprüft und den Entschluss gefasst, den Standort in Olpe zu schließen. Betroffen sind über 300 Mitarbeiter, in den vergangenen Wochen waren außerdem schon Leiharbeiter und Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen nicht weiter beschäftigt worden, wie ein Mitglied der Belegschaft auf Anfrage des SauerlandKurier sagte. 

In Olpe-Lütringhausen wurden bisher Stabilisatoren für die Automobilindustrie hergestellt. Bis Ende 2021 sollen die dort vorhandenen Kundenprojekte abgearbeitet werden und die Produktion danach auslaufen. „Dieses und das kommende Jahr sollen dafür genutzt werden, die Beschäftigten durch gezielte Maßnahmen auf eine Anschlussbeschäftigung innerhalb oder außerhalb des Konzerns vorzubereiten. Das konkrete Maßnahmen- und Unterstützungspaket wird in den Gesprächen mit der Mitbestimmung in den kommenden Wochen detailliert“, teilt das Unternehmen mit.

Thyssenkrupp schließt NRW-Standort: 160 Stellen weniger in Hagen

Am Standort Hagen werden seit 1925 Federn für Kunden aus der Automobilindustrie produziert. Zukünftig sollen alle Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten der Federn- und Stabilisatoren-Gruppe in Deutschland in Hagen gebündelt werden. Das umfasst den Prototypenbau, die Fertigung von Stabilisatoren für Kleinserien und das Ersatzteilgeschäft sowie die Federnproduktion für schwere Pkw bzw. Elektrofahrzeuge. Dazu wird das komplette Fertigungskonzept des Standortes überarbeitet und auf eine stärker automatisierte Produktion umgestellt. 

Bis Anfang 2022 entfallen in Hagen rund 160 Stellen. „In den anstehenden Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaften werden die Details für eine sozialverträgliche Restrukturierung festgelegt“, heißt es vom Konzern.

*sauerlandkurier.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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