150 Personen im Zug / "Echter" Gesuchter quasi parallel in Hagen verhaftet

Polizei-Panne am Bahnhof Lippstadt: Irrtümlich den Falschen festgenommen

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Nach dem Zugriff wurde der vermeintliche Tatverdächtige abgeführt.

Lippstadt - Im Bereich des Bahnhofs Lippstadt hat sich am Montagabend ein großer Polizei-Großeinsatz abgespielt, bei dem ein unbescholtener Mann irrtümlich in einem Zug festgenommen worden ist. Der "echte" Gesuchte - ein 21-Jähriger aus Hagen - wurde inzwischen auch gefasst - und zwar am Bahnhof in Hagen selbst. Alle Hintergründe und der News-Ticker zum Nachlesen hier! 

Große Aufregung am Montagabend am Lippstädter Bahnhof: Gegen 17.40 Uhr war der Eurobahn-Zug in Richtung Paderborn im Lippstädter Bahnhof angehalten. Plötzlich hätten die Gäste mitgeteilt bekommen, dass eine Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit nicht möglich sei. 

"Wir saßen da und wussten nicht was los ist, plötzlich war der Zug von schwergewaffneten Polizisten umringt", berichtete ein junger Mann, der gerade mit seiner Freundin aus dem Urlaub gekommen war und sich auf dem Weg nach Paderborn befand.

Beunruhigende Durchsage nach zwei Stunden

Nach etwa zwei unendlichen Stunden habe der Zugführer die Durchsage gegeben, dass sich alle Gäste ducken sollen, die Polizei betrat den Zug, in dem 150 Personen saßen, und durchsuchte ihn. Offenbar mit einer klaren Zielperson, die zunächst auch gefunden schien. 

Großeinsatz in Lippstadt: Polizei nimmt am Bahnhof falschen Tatverdächtigen fest

Der Augenzeuge saß neben dem vermeintlich Verdächtigen: "Die Polizei nahm ihn fest und führte ihn aus dem Zug." Alles sei ruhig abgelaufen, es habe keine spürbare Panik gegeben. Auch der Festgenommene sei "total unauffällig und ruhig gewesen", der Augenzeuge schätzte, dass es sich bei ihm um einen Studenten handelte, der ebenfalls auf dem Weg nach Paderborn war.

Ähnlichkeit führte zu Verwechslung

Wenig später war der Einsatz beendet und die Ernüchterung groß: Die Polizei hatte den Falschen abgeführt. "Die Polizei Lippe hatte den Hinweis darauf, dass in dem Zug eine bewaffnete Person sitzen solle", berichtete Polizeisprecher Frank Meiske vor Ort. Der zunächst Festgenommene habe Ähnlichkeit mit dem Verdächtigen gehabt.

Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Großeinsatz ebenfalls beteiligt. 

Es kam keine Person zu Schaden, es wurde niemand, verletzt, der Unschuldige wurde umgehend in die Freiheit entlassen. "Bei den Fahrgästen, die wegen des Einsatzes nicht mehr weiterkamen, haben wir uns entschuldigt, ich denke, die Umstände lassen es zu, dass wir so gehandelt haben", betonte Frank Meiske.

Wie die Polizei zu dem Verdacht kam

"Die Polizei aus dem Kreis Lippe hatte durch den Arbeitgeber Kenntnis von einem zunächst vermissten Mitarbeiter", erklärte die Polizei. Aus dem näheren Umfeld des Mannes erfolgten Hinweise darauf, dass der Mann aus Hagen einen Mitmenschen töten wolle und dies angekündigt habe.

Da der Aufenthaltsort des 21-Jährigen und auch die Identität des möglichen Opfers zunächst unbekannt waren, "wurden umfangreiche Ermittlungen eingeleitet". Es verdichteten sich Hinweise auf "eine mögliche Bewaffnung mit einer Faustfeuerwaffe" sowie seines möglichen Aufenthalts in seiner Heimatstadt Hagen.

Festnahme des echten Verdächtigen in Hagen

Nach dem flüchtigen Täter wurde sofort weiter gefahndet. Am Abend teilte die Polizei um 21.41 Uhr mit: Dass ein 21-jähriger Mann aus Hagen gegen 20.30 Uhr "am Bahnhof in Hagen widerstandslos festgenommen werden" konnte. 

"Der 21-Jährige wurde von Hagener Polizeibeamten erkannt und vorläufig festgenommen. Die Beamten stellten bei der Durchsuchung eine Schreckschusspistole sicher. Die weiteren Ermittlungen zu dem Sachverhalt laufen", teilte die Polizei mit.

Der Großeinsatz im News-Ticker:

20.51 Uhr: Unverändert sucht die Polizei mit Hochdruck nach dem Mann, der sich bewaffnet haben könnte und eben nicht im Zug saß. "Weitere Hinweise auf diesen Mann möchten wir nicht geben, weil eben noch die Fahndung läuft und wir keinen verrückt machen wollen. Es besteht die Gefahr, dass dieser Mann sich eine Waffe besorgt hat und damit unterwegs ist. Und darum wurden auch Spezialeinsatzkräfte eingesetzt", so Polizeisprecher Meiske.

20.36 Uhr: Wie Polizeisprecher Frank Meiske vor Ort im Gespräch mit Journalisten sagte, war die Initiative zum gesamten Einsatz von der Polizei Detmold ausgegangen, die im Glauben war, eine gesuchte Person könne bewaffnet sein und sich in einem Zug nach Paderborn befinden. "Nach unserer Einschätzung hätte es sich nur um diesen Zug handeln können", so Meiske. 

Fotos

Der festgenommene Mann, der Ähnlichkeit mit dem Gesuchten gehabt habe, war aber gar nicht die gesuchte Person und wurde umgehend wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Die Polizei habe sich auch bei allen anderen Fahrgästen, die zwei Stunden lang ahnungslos im Zug gesessen hätten, entschuldigt. "Die Umstände lassen es zu, dass man so gehandelt hat", so Meiske.

20.25 Uhr: Der Zug hat um 20.23 Uhr den Bahnhof Lippstadt verlassen und fährt weiter nach Paderborn. "In Kürze fahren die Züge auf dem Streckenabschnitt wieder ohne Einschränkungen. In der Folge kommt es jetzt zu Verspätungen und Teilausfällen", twitterte die Bahn. Der Bahnhof Lippstadt ist wieder freigegeben.

20.22 Uhr: Weil überhaupt nicht absehbar war, wie sich der geplante Zugriff entwickeln würde, war auch die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. "Um für alle Fälle gewappnet zu sein", wie es Christian Dicke, Pressesprecher der Feuerwehr Lippstadt formuliert.

20.19 Uhr: Nach allem, was unser Reporter vor Ort hört, wusste der Festgenommene offenbar selbst nicht, dass der Einsatz ihm galt - oder aber er konnte es gut verbergen. Unmittelbar vor dem Zugriff habe es geheißen, dass alle Fahrgäste im Zug machen sollten, was per Durchsage käme. "Jetzt alle ducken", habe es geheißen. Im Zug waren offenbar rund 150 Personen.

20.14 Uhr: Was jetzt im Detail den großen Einsatz der Polizei ausgelöst hat, ist vor Ort immer noch unklar. Ein Pärchen, das auf der Rückkehr aus dem Spanien-Urlaub jetzt nach eigener Aussage unmittelbar neben dem jetzt Festgenommenen gesessen hat, konnte die Frage nach besonderen Vorkommnissen nicht beantworten. Der Mann sei ganz ruhig gewesen, der Zug war auf dem Weg von Soest nach Paderborn. Etwa zwei Stunden lang hätten alle Fahrgäste im Zug gesessen, ohne zu wissen, warum es nicht weitergehe. Der Schaffner habe per Durchsagen lediglich von einem zwangsläufigen Halt durch einen Polizeieinsatz gesprochen.

20.04 Uhr: Der Zugriff ist erfolgt, die Zielperson im Zug ist durch SEK-Beamte festgenommen worden. Jetzt werden nach und nach alle Fahrgäste aus dem Zug geführt. Alle Personen sind unverletzt geblieben und dürfen nach Hause.

19.48 Uhr: Es gibt Neuigkeiten aus Lippstadt! Offensichtlich befindet sich in jenem Zug, der im Lippstädter Bahnhof steht, eine Person, die möglicherweise mit dem Einsatz einer Schusswaffe gedroht hat. Ein Schuss oder mehrere Schüsse sind allerdings nicht gefallen, das scheint inzwischen klar zu sein.

Andere Fahrgäste hatten sich offenbar über soziale Netzwerke bei der Polizei gemeldet und über Vorkommnisse im Zug berichtet, die dann den Großeinsatz ausgelöst haben. 

Immer mehr Polizei rückt an - vor allem Spezialkräfte mit Kennzeichen aus Essen, Gelsenkirchen und Münster Auch die Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot in Bereitstellung.

Ob alle Personen, die den Zug in Lippstadt verlassen wollten, dies auch tun konnte, ist aktuell völlig unklar, was auch für die Lage in dem Zug selbst gilt. Der Zug ist umstellt, die Zielperson soll festgenommen werden.

Unterdessen gibt es jetzt einen Schienenersatzverkehr (RE11) zwischen Soest und Paderbron mit zwei Bussen.

19.34 Uhr: Die Lippstädter Fußgängerzone ist von den Absperrungen nicht betroffen. Allerdings sind die Polizeistreifen, die die Zuwege zum Bahnhof abriegeln, sogar mit Maschinenpistolen bewaffnet. Noch immer gibt es keine definitive Aussage dazu, ob es jetzt vor etwa einer Stunde zum Einsatz einer Schusswaffe gekommen ist oder nicht.

19.22 Uhr: Aus der Leitstelle der Kreispolizeibehörde Soest wurde auf Anfrage gegen 18.40 Uhr lediglich der eigentlich Einsatz selbst in der Innenstadt von Lippstadt bestätigt, Details könne man aktuell noch nicht nennen, sagte ein Sprecher. Die Nachfrage zum Schusswaffengebrauch blieb unbeantwortet.


Nach Angaben der DB Regio AG NRW und der Eurobahn (Keolis) bei Twitter wurden die Züge des RE11 (Rhein-Hellweg-Express zwischen Düsseldorf und Kassel-Wilhelmshöhe) sowie der RB89 (Ems-Börde-Bahn zwischen Warburg und Münster) zwischen Soest und Paderborn gestoppt und warten an den Bahnhöfen. Grund: "Polizeiliche Ermittlungen".

Der Bahnhof Lippstadt ist weiträumig abgesperrt worden, angeblich befindet sich sogar schon ein Spezialeinsatzkommando der Polizei vor Ort.

Auslöser des Schusswaffengebrauchs - so es ihn denn überhaupt gegeben hat - könnte eine Personenkontrolle im Bahnhofsbereich gewesen sein.

Mehrere Rettungswagen und Notärzte aus dem Kreis Soest wurden nach Lippstadt alarmiert. Die Polizei wird dort auch eine Anlaufstelle für Pressevertreter einrichten.

Quelle: wa.de

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