Nach Dauerbeschwerden

Probleme bei der Eurobahn: Dem NWL platzt der Kragen

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Das Signal steht auf Rot: Über die Eurobahn gibt es wieder vermehrt Beschwerden, nun will der Verkehrsverbund durchgreifen. Juristen loten dazu alle Möglichkeiten aus.

Werl/Westönnen - Der Westönner ist sauer. Erneut blieb sein Sohn am Montag am Bahnhof Westönnen stehen – die Eurobahn kam nicht, schildert der Mann. „Mal wieder.“ Kein feiner Zug, der auch beim Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) nicht gut ankommt.

Im Gegenteil: Dem Vernehmen nach platzt dem Verkehrsverbund nun der Kragen. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es interne Überlegungen, dem Vertragspartner Eurobahn einen Riegel vorzuschieben. 

Wie das konkret aussehen könnte, dazu hüllt sich NWL allerdings in Schweigen. Es heißt, dass Juristen alle Möglichkeiten ausloten, wie man dem problembeladenen Vertragspartner beikommen kann, um wieder einen geregelten Zugverkehr auf die Schiene zu stellen. Gesucht werde nach einer „großen Lösung“, die dauerhaft und nachhaltig sein soll. Äußerungen hinter vorgehaltener Hand, zu denen NWL-Sprecher Uli Beele sich nicht äußern will. 

Dass es Probleme gibt, bestreitet Uli Beele nicht. Es stimme, dass man dauerhafte Beschwerden bezüglich der Eurobahn-Netze habe. Nach einer auch für den NWL ungewöhnlichen Abmahnung an die Eurobahn im Februar 2018 sei im Sommer Ruhe eingekehrt. Nun aber sehe man sich erneut Beschwerden ausgesetzt. 

Verkehrsverbund greift „grundsätzlich“ durch

Fakt ist: Die Eurobahn ist einer der größten Betreiber in der Region. In Werl und Westönnen hält die RB 59 von Unna nach Soest. Aber der Betreiber produziert dem Vernehmen nach übergreifende Probleme, die nicht mehr hinzunehmen sind. Nun solle „grundsätzlich“ durchgegriffen werden. Ebenso klar ist, dass es schwer sein dürfte, den Vertrag mit der Eurobahn vorzeitig zu kündigen. Ob auch das eine Option ist, ist daher offen. Selbst, wenn das gelingen sollte und juristisch haltbar wäre, müsste unmittelbar ein Nachfolge-Unternehmen einspringen. 

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Die Eurobahn bezeichnet die aktuelle Betriebslage als „für uns ebenfalls nicht zufriedenstellend“. Aktuell sei die Fahrzeugflotte von mehreren Ereignissen betroffen, die einen stabilen Betrieb stark beeinträchtigen, sagt Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin der Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, auf Anzeiger-Anfrage. Man wolle höchste Sorgfalt und Qualität bieten. „Wir entschuldigen uns bei unseren Fahrgästen und Partnern, dass wir aktuell nicht unseren vollen Service anbieten können.“ Fahrgäste seien vom verminderten Platzangebot betroffen; und man versuche, Zugausfälle weitestgehend zu verhindern. 

Woanders habe sich die Pünktlichkeit der Eurobahn leicht verbessert

Derzeit sei die Flotte von rund 90 Fahrzeugen nicht voll einsetzbar, was verschiedene Ursachen habe. Seit Mitte August werde nach der Feststellung eines Schadens am Laufwerk eine flottenweite Prüfung vollzogen – eine „reine Vorsichtsmaßnahme“ in einem sicherheitstechnisch wichtigsten Bereich. In den Werkstätten in Hamm-Heessen werden die rund 90 Triebzüge vom Typ „Flirt 1“ untersucht. Im konkreten Fall sei ein erhöhter Verschleiß an einer Bremsscheibe eines Radsatzes festgestellt worden. Die Prüfung brauche Zeit.

 „Keolis Deutschland“ begründet Ausfälle 

Hinzu kämen jahreszeitenbedingte Instandhaltungen, „unverschuldete Unfälle“ im Teutoburger Wald-Netz sowie im Ostwestfalen-Lippe-Netz und die Regelüberprüfungen der Züge. Man sei bemüht, zusätzliches Personal zu rekrutieren und Leihfahrzeuge zu erhalten. 

Außerdem habe man sich im Bereich der Fahrgastinformation verbessert. Alle Meldungen zu Abweichungen im Zugverkehr stehen unter www.eurobahn.de/abfahrtsinfos zur Verfügung. Aber auch hier sei man um weitere Verbesserungen bemüht.

Quelle: wa.de

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