Angeklagter weist Vorwurf zurück

Raserprozess gegen Männer aus Hemer und Soest: Unfallopfer sagen aus

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Ortstermin an der Unglücksstelle: Das Gericht schaute sich am Mittwoch genau an, wo auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern und Balve der Unfall passierte. Die Polizei sperrte die Strecke zu diesem Zweck ab.

Soest/Arnsberg – Während die beiden Angeklagten aus Hemer und Soest sich auch am zweiten Verhandlungstag im Landgericht Arnsberg kaum zu Wort meldeten, hatten die vier Überlebenden des Horrorunfalls zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum umso mehr zu erzählen. Bei dem Unfall war am 1. August 2018 eine Frau getötet worden. 

Die Fahrerin des mit fünf Ausflüglern besetzten Golf erinnerte sich noch daran, wie ihr am 1. August, kurz vor dem Abbiegen von der B229 in Richtung Langscheid ein helles Auto auf ihrer Fahrspur frontal entgegenkam: „Es kam schlingernd auf uns zu.“ Die 69-Jährige machte noch einen Schlenker, bevor der 42-jährige Hauptangeklagte mit seinem Audi Q5 die Seite des Golf rammte. „Wenn der uns frontal erwischt hätte, wäre keiner lebend aus dem Auto gestiegen“, so die Zeugin. 

Ein 68-jähriger Mitfahrer schilderte die buchstäbliche Totenstille nach dem Unfall: „Im Fahrzeug war wirklich eine Horrorstimmung. Das kann man nicht beschreiben.“ Dem Zeugen war auch sehr schnell klar, dass die neben ihm sitzende 72-jährige Frau aus Arnsberg tödlich verletzt worden war. 

Er selbst erlitt schwerste Verletzungen: Eine Lungenquetschung und diverse Knochenbrüche. Wie alle anderen Überlebenden bekam er in der Folge des Unfalls Probleme mit der Feinmotorik der Hände. Die Fahrerin des Golf berichtete von massiven Schlafstörungen, von immer noch andauernden psycho- und physiotherapeutischen Behandlungen. „Das Schlimmste sind die Nervenschäden – das Kribbeln in den Fingern.“ 

So hatten sich die Angeklagten zum Prozessauftakt gegeben

Der 79-jährige Ehemann der Verstorbenen konnte keine Beobachtungen zum Verlauf der Kollision beitragen. In einer insgesamt sehr gedrückten Stimmung in dem erneut gut gefüllten Gerichtssaal sorgte ausgerechnet er für einen heiteren Moment, als er auch über das letzte Ziel der Ausflugsfahrt in Langscheid nicht Bescheid wusste: „Das haben die Frauen unter sich ausgemacht. Mit mir haben sie nicht darüber gesprochen.“ 

Das Gericht machte sich auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern und Balve ein Bild.

Schlimmste Verletzungen erlitt auch die dritte Frau im Auto: Beide Arme, das Becken und acht Rippen waren gebrochen, eine Gesichtshälfte war taub. „Ohne Schlaftabletten schlafe ich gar nicht mehr“, berichtete sie. Eigentlich habe sie ihrer hochschwangeren Tochter helfen wollen – nun brauchte sie selber Hilfe. „Ihr Leben ist nicht mehr so, wie es vorher war“, fasste der Vorsitzende Richter den Bericht zusammen. 

Angeklagter weist Vorwurf des illegalen Autorennens zurück

Der 42-jährige Hauptangeklagte bemühte sich recht nüchtern, sich bei den Opfern zu entschuldigen: „Ich würde es gerne ungeschehen machen.“ Über seinen Verteidiger gab er eine Erklärung ab, in der er den Vorwurf, er habe vor der Kollision an einem illegalen Autorennen teilgenommen, zurückwies. Anders als in der Anklageschrift vermutet, habe er nicht überholt. Vielmehr sei er kurz vor dem Aufprall von einem anderen – silbernen – Fahrzeug überholt worden. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Wie er auf die Gegenfahrbahn geraten sei, wisse er nicht. Den mitangeklagten Porschefahrer aus Soest, gegen den er in dem angeblichen Rennen angetreten sein soll, habe er beim Prozessauftakt zum ersten Mal gesehen. Der 57-Jährige aus Soest brach auch am zweiten Verhandlungstag nicht sein Schweigen.

Rückblick: Das passierte bei dem schrecklichen Unfall

Der Fall: Am Abend des 1. August 2018 sollen sich ein 42-jähriger Mann aus Hemer und ein 57-jähriger Soester ein illegales Autorennen auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum geliefert haben. Bei einem Überholversuch kollidierte das Fahrzeug des Hemeraners mit einem VW Golf, in dem fünf Unbeteiligte saßen. Die Beifahrerin starb noch an der Unfallstelle, die übrigen vier Insassen wurden allesamt schwerst verletzt. 

Bei dem Unfall am 1. August 2018 kam eine Frau ums Leben. Vier andere Insassen des Golfs wurden schwer verletzt.

Der 42-Jährige muss sich nun wegen verbotenen Autorennens, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Körperverletzung mit Todesfolge und vierfacher fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ihm droht eine lange Haftstrafe. Dem Soester wirft die Staatsanwaltschaft Unfallflucht und die Beteiligung an dem illegalen Rennen vor.

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Quelle: wa.de

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