Zweiter Verhandlungstag am Landgericht Arnsberg

Medebacher Mordprozess: Florin M. macht überraschende Aussage - Tat soll im Affekt passiert sein

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[Update 17.01Uhr] Überraschende Entwicklung im Medebacher Mordprozess: Der Angeklagte Florin M., der sich wegen Mord aus Habgier an einem 67-jährigen Rentner aus Medebach dem Landgericht Arnsberg  verantworten muss, hat sich am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen geäußert. Er belastet das 67-jährige Opfer schwer.

Medebach/Arnsberg - Laut Darstellung des Angeklagten am Donnerstagmorgen vor der Großen Strafkammer als Schwurgericht sei die Tötung im Affekt geschehen, weil das Opfer sexuelle Handlungen von dem 22-jährigen mutmaßlichen Täter verlangt habe. 

So habe er den Getöteten Ende 2018 in Medebach kennengelernt, als er im Rathaus Sozialhilfe beantragen wollte. Der 67-Jährige habe ihm daraufhin seine Hilfe angeboten, sodass Kontakt zwischen den beiden Männern entstanden sei. Bereits kurze Zeit später soll das Opfer nach Aussagen des mutmaßlichen Täters von diesem sexuelle Handlungen verlangt haben, die er für die Gegenleistung von 50 Euro auch verrichtet habe. 

Um Hilfe bei den Sozialhilfeanträgen zu erhalten, habe man weiterhin telefonischen Kontakt gehalten, bis man für den 7. Januar 2019 ein weiteres Treffen vereinbart habe. Hier habe der 67-Jährige zunächst sexuelle Handlungen am 22-Jährigen vorgenommen, ehe er selbst den Akt mit dem mutmaßlichen Täter habe vollziehen wollen. 

Mitangeklagte soll mit der Tat nichts zu tun haben

Dieser verweigerte sich nach eigener Darstellung aber dem Wunsch und sei dann vom Opfer von hinten gepackt worden. Daraufhin habe Florin M. im Affekt mit einem Waffeleisen zugeschlagen und mit einer Schere mehrfach zugestochen. "Ich war wie in Trance, da ich an meine Vergewaltigung in Rumänien erinnert worden bin", ließ der Angeklagte verlauten, der in seiner Heimat zudem als Freier tätig gewesen ist.

Die ebenfalls Angeklagte Rebecca L. sei bei der Tat selbst wiederum gar nicht vor Ort gewesen. Florin M. gab an, dass er seine mutmaßliche Komplizin erst unmittelbar nach der Tat hinzugerufen habe, um ihm bei der Säuberung der Wohnung zu helfen. Die Angeklagte bestätigte in ihrer Einlassung diese Darstellung. 

Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff aus Dortmund gab am zweiten Verhandlungstag zu Protokoll, dass das Opfer innerhalb nur weniger Minuten durch Einwirkung von Gewalt im Halsbereich gestorben sei. Weiterhin sprach der Mediziner von einem Schädel-Hirn-Trauma, das der 67-Jährige hätte überleben können. Er bescheinigte Quetsch-Wunden, Hämatome im Schläfenbereich, an den Ohrmuscheln und unter der Haut. Insgesamt sprach er von 14 Wunden. Der Medebacher sei neun Mal mit der Schere in den Hals gestochen worden. Auf Spermaspuren sei das Oper jedoch nicht untersucht worden.  

"Kann bis heute nicht verstehen, was passiert ist"

In der anschließenden Vernehmung des Bruders des Verstorbenen, der gleichzeitig als Nebenkläger auftritt, bescheinigte dieser dem Opfer einen tadellosen Lebenswandel. "Ich habe aus der Zeitung von der vermeintlichen Homosexualität meines Bruders gehört", sagte er im Gerichtssaal. "Ich kann bis heute nicht verstehen, was passiert ist. Die ganze Familie ist traumatisiert. Seine sexuelle Orientierung war mir nicht bekannt. Ich habe nie etwas im Haus gefunden. Homosexualität hat mein Bruder abgestritten." 

Weiter sprach er darüber, dass das Opfer mit seiner Mutter bis zu deren Tod im Jahr 1990 zusammengelebt habe, er sehr ordentlich und pflichtbewusst gewesen sei und zudem einen guten Kontakt zur Familie sowie zu Freunden aus seinem Jahrgang gepflegt habe. "Ich habe nie etwas davon gehört, dass mein Bruder käuflichen Sex in Anspruch genommen hat." Völlig ausgeschlossen sei es zudem für ihn, dass der Verstorbene Anträge für andere Personen ausgefüllt habe, da er zu Lebzeiten selbst immer Hilfe benötigt habe. 

Anklage wegen "Mord aus Habgier"

Laut Anklageschrift, die den Angeklagten "Mord aus Habgier" zur Last legt, sollen die mutmaßlichen Täter dem Rentner sein Portemonnaie, in der sich eine unbestimmte Menge Bargeld befand, und sein Smartphone gestohlen haben. Zudem sollen sie den Autoschlüssel ihres Opfers an sich genommen haben und mit dessen Wagen geflüchtet sein. Das Fluchtauto wurde wenige Tage später in Züschen, etwa elf Kilometer Luftlinie vom Tatort entfernt, gefunden. 

Zu diesem Zeitpunkt richtete sich der Tatverdacht der Staatsanwaltschaft bereits gegen den zum Tatzeitpunkt 21-jährigen Angeklagten, der allerdings flüchtig war. Er und seine mutmaßliche Komplizin waren schließlich vier Wochen nach der Tat in Rumänien festgenommen worden, wohin sie nach Angaben des Landgerichtes Arnsberg mit einem anderen Auto geflohen sein sollen. Seit ihrer Rückführung nach Deutschland sitzen die beiden 22-Jährigen in Haft.

Der dritte Prozesstag findet am 26. September um 9 Uhr im Landgericht Arnsberg statt.

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Quelle: wa.de

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