Fehler in der Informationspolitik?

Raser-Prozess gegen Fahrer aus Hemer und Soest: Verteidiger attackiert die Polizei

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Im Prozess um zwei Angeklagte, die sich ein illegales Autorennen mit Todesfolge geliefert haben sollen, zeichnet sich noch kein Ende ab.

Beckum/Arnsberg – Im Schwurgerichtsverfahren um zwei Angeklagte aus Hemer und Soest, die sich ein illegales Autorennen mit Todesfolge geliefert haben sollen, zeichnet sich noch kein Ende ab. Die Verteidiger der Fahrer erheben Vorwürfe: In der Informationspolitik seien Fehler gemacht worden.

Es erscheint merkwürdig, dass sich die Erinnerungen der Zeugen im Hinblick auf die Farbe des Porsche, der kurz vor der Kollision vorbeigehuscht sein soll, so eklatant unterscheiden. Volker Cramer, Verteidiger des 57-jährigen Porsche-Fahrers, kritisierte vor diesem Hintergrund den Verlauf der Ermittlungen und die Informationspolitik der Polizei. 

„Es wurden von vornherein Behauptungen aufgestellt, und es wurde zielgerichtet – unter Verletzung jeglicher Objektivität – nach jemandem gefahndet, der mit einem roten Porsche unterwegs war.“ Entsprechende Informationen seien „wahrheitswidrig“ an die örtliche Presse weitergegeben worden, „obwohl bis dahin nur die Rede von einem silbernen Porsche war“. 

Mediale Überformung?

Zu vielen ergänzenden Vorschlägen, welche Zeugen noch gehört werden sollen, gesellte sich auch jener, den damaligen Sprecher der Polizei des Hochsauerlandkreises zu laden, um von ihm die Gründe für die Fahndung nach einem roten Porsche zu erfahren. Cramer bringt immer wieder eine mediale Überformung der Erinnerungen ins Spiel, die die Zeugenaussagen entwertet habe. 

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Cramer machte seine Sichtweise am Beispiel eines Zeugen deutlich, der nach eigenen Angaben erst aufgeblickt habe, als der gelbe Audi Q5 auf den VW Golf zudriftete. Dennoch habe auch er sich zur Farbe des Porsche geäußert, wunderte sich der Rechtsanwalt. Silbern, dunkel und rot lauten die Farbvarianten, doch es sei eher unwahrscheinlich, dass im fraglichen Zeitraum gleich drei Porsche auf dem Weg nach Beckum waren. 

Tatsächlich hatten die Zeugen ihre Farbbeobachtungen teilweise unter Vorbehalten vorgetragen und betont, dass sie den durchrauschenden Porsche nur in einem wortwörtlichen Augenblick wahrgenommen hatten. Ähnlich wie mit der Farbe des Porsche soll es sich mit der Trunkenheit des Unglücksfahrers aus Hemer verhalten haben: Vor Ort habe keiner der Zeugen Alkoholgeruch an seinem Mandanten wahrgenommen, fasste Verteidiger Constantin Kirschbaum entsprechende Aussagen zusammen. Die Alkoholisierung sei erst durch Presseberichte ins Spiel gekommen. 

Schnelltest ergab 1,3 Promille

Eine Polizeibeamtin hatte allerdings vor Ort einen Schnelltest durchgeführt, der einen Blutalkoholwert von rund 1,3 Promille angezeigt hatte. Hatte der Fahrer sich erst auf den Schreck einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genehmigt? Eine doppelte Blutprobe lässt zuweilen Rückschlüsse auf das Trinkverhalten zu. Diese war geplant, wurde aber offenbar nur ein Mal durchgeführt. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Auch hier kamen mögliche weitere Zeugen ins Spiel, die mit der Blutprobe beschäftigt gewesen waren. Wo andernorts über untätige und fotografierende Gaffer geschimpft wird, gab es im Landgericht gestern Anlass für ein großes Lob des Vorsitzenden Richters Klaus-Peter Teipel: Eine Krankenschwester, die mit ihrem Mann kurz nach der Kollision am Unfallort eingetroffen war, hatte den überlebenden Insassen des VW als Ersthelferin zur Seite gestanden. Das Paar blieb etwa zwei Stunden und half an einem Ort, den eine Polizistin als „ein riesiges Schlachtfeld“ wahrnahm.

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Quelle: wa.de

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