Tödlicher Unfall auf der B229

Raserprozess: Darum kann das Urteil erst 2020 fallen

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In diesem Auto starb eine Frau, die vier weiteren Insassen wurden schwer verletzt.

Beckum/Arnsberg – Offenbar wird es Zeit für eine Glaskugel: Im Raserprozess am Arnsberger Landgericht stellte ein Beobachter am Montag die Frage: „Wann wird das hier wohl zu Ende gehen?“

Darauf konnte es sechs Monate nach Prozessbeginn zunächst keine Antwort geben. Doch am Ende einer längeren Sitzung, die hauptsächlich aus enervierenden Pausen bestand, deutete der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel an, dass sich alle Prozessbeteiligten den 9. Januar freihalten sollen – „ganztägig“ und möglicherweise für Plädoyers und Urteil.

Zwei Verhandlungstermine gibt es noch zuvor, aber an diesen Tagen fehlt entweder der zuständige Staatsanwalt oder einer der Verteidiger. In diesem Jahr kann der Prozess deshalb nicht mehr abgeschlossen werden. 

Diesmal nur kleine Scharmützel

Tatsächlich gab es am Montag nur kleine verbale Scharmützel zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigern, nachdem die Wogen in vorangegangenen Kurzsitzungen erheblich höher geschlagen waren. Noch einmal bat die Kammer die Ex-Freundin des 57-jährigen Soesters in den Zeugenstand. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Verteidiger Volker Kramer, der sich wiederholt für eine erneute Befragung der Zeugin ausgesprochen hatte, hatte nun „Bedenken gegen die Vernehmung“ der 51-Jährigen, der er mehrfach die Beteiligung an einem Komplott zum Schaden seines Mandanten vorgeworfen hatte. Gemessen daran verlief ihre Zeugenaussage ruhig, doch in der Sache hart. 

Gab es ein illegales Rennen?

Hauptstreitpunkt ist immer noch die Frage, ob es ein illegales Autorennen zwischen den Angeklagten gegeben hat. Geht man – wie die beiden Verteidiger – davon aus, dass es ein solches Rennen der Angeklagten zwischen Hövel und Beckum nie gegeben hat, stellt sich die Frage, wann, wie und warum die Ermittler die Theorie eines solchen illegalen Autorennens entwickelt haben. 

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Die Zeugin wies den Vorwurf zurück, sie sei daran beteiligt gewesen: Von einem „Rennen“ sei in ihrer ersten Vernehmung nie die Rede gewesen. „Sie haben auf der Wache nichts von einem illegalen Rennen gehört?“, wunderte sich Volker Kramer und stellte in mehreren Varianten den von der Kammer immer wieder abgelehnten Antrag, die Aussage der Zeugin wörtlich zu protokollieren. 

Belastende Situation für die Nebenkläger

Kramer hielt ihr vor, dass die Polizei schon am 2. August, also einen Tag nach der Kollision, dem „Verdacht der fahrlässigen Tötung und der Beteiligung an einem illegalen Kraftfahrzeugrennen mit einer getöteten Person“ nachging. Das müsse die Zeugin doch gewusst haben. 

Für die vier schwer verletzten Nebenkläger und ihre Angehörigen bleibt der zerfledderte Verfahrensablauf höchst belastend. „Einfach nur lächerlich“, schimpfte einer der erneut sehr zahlreichen Besucher nach vier Beratungspausen über die Frage der Protokollierung der Zeugenaussage.

Der Prozess wird am 27. November um 8.30 Uhr mit der Aussage eines weiteren Polizeizeugen fortgesetzt.

Quelle: wa.de

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