Überlebende des Unfalls verlassen kopfschüttelnd den Saal

Raserprozess: Urteil erst im nächsten Jahr?

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Der Unfall zwischen diesem gelben Audi und einem Golf ereignete sich am 1. August.

Beckum/Arnsberg – Kein Ende will der Raserprozess im Landgericht Arnsberg nehmen: Die 2. Schwurgerichtskammer setzte am Mittwoch weitere Termine bis zum 18. November fest.

Ein Beobachter des Geschehens spekulierte bereits darüber, ob das Urteil vielleicht erst im nächsten Jahr verkündet wird. 

Den zahlreichen Besuchern und vier Überlebenden der Kollision, die am 1. August 2018 mit Hubschraubern in diverse Kliniken geflogen werden mussten, ist das Unverständnis über den zähen Fortgang des Prozesses anzumerken: Kopfschüttelnd verließen einige den Schwurgerichtssaal nach dem Ende der Verhandlung. Es ist ein Problem, dass die Kammer immer weniger in der Lage zu sein scheint, die Prozessbeobachter noch mitzunehmen auf dem Weg zu einem Urteil. 

Anwälte stellen einmal mehr Beweisanträge

Zwischen den Berufsbeteiligten bot sich das mittlerweile gewohnte Bild: Die beiden Anwälte Volker Cramer und Constantin Kirschbaum stellten weitere Beweisanträge und gaben sich kampfeslustig. Letzterer sparte dabei nicht an harten Worten: Die nach der Kollision eingerichtete Sonderkommission habe „komplett schlecht und schlunzig ermittelt“. Was dabei herauskam, sei eine „Unverschämtheit“. Beide Anwälte wiederholten das böse Wort von einer „Verschwörung“ zwischen jener Zeugin, der als Ex-Freundin des 57-jährigen Soesters eine besondere Bedeutung zukommt, und der Sonderkommission. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Verwundert zeigte sich Anwalt Volker Cramer darüber, dass die Zeugin ihre Aussage vor Gericht durch eine schriftliche Erklärung ergänzt hatte, die sie an Staatsanwalt Klaus Neulken mit der Bitte um Verlesung geschickt hatte. „Ich gehe davon aus, dass Herr Neulken annimmt, dass das der Wahrheit entspricht“, spottete Cramer und behauptete einen „eklatanten Widerspruch zu bisherigen Angaben der Zeugin“. Er beantrage schon jetzt die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die Zeugin wegen einer Falschaussage. Beide Anwälte stellten die Frage, warum die Erklärung der Zeugin verlesen werde, wenn diese auch erneut geladen werden könne. Die Kammer zog sich zurück und beschloss, das Dokument zu verlesen. 

Zeugin wundert sich über Aussage des Angeklagten

In dem Schriftsatz wunderte sich die Zeugin über eine nachgereichte Aussage des Soester Angeklagten, die sie Zeitungsberichten entnommen hatte. Darin hatte er behauptet, dass er in Hüsten von der Autobahn abgefahren und über Hachen zum späteren Kollisionsort gefahren war. Ihr gegenüber habe der Soester aber erklärt, dass er „die übliche Strecke über Herdringen“ gefahren sei. Auf dieser Strecke habe ein gelber Audi (möglicherweise der Q5 des Hauptangeklagten) versucht, ihn zu überholen. 

Dieses Manöver habe er rückblickend mit den Worten kommentiert, „dass er sich von einem solchen Wagen nicht überholen lasse“. In Hövel habe er angehalten, um den Audi passieren zu lassen. Dem entsprechenden Handzeichen sei der Audi-Fahrer aber nicht nachgekommen.

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Quelle: wa.de

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