Tierschützer schlagen Alarm

Tierquälerei bei Volksfest im Sauerland? PETA erhebt schwere Vorwürfe - Veranstalter reagiert

Wurden auf einem Volksfest im Sauerland Tiere gequält? Das behauptet jedenfalls die Tierschutzorganisation PETA. Die Veranstalter reagieren auf die Vorwürfe.

  • Der Reister Markt in Eslohe (NRW) macht unfreiwillig Schlagzeilen.
  • Die Tierschutzorganisation PETA erhebt schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter.
  • Bei der Tierschau sollen es Fälle von Tierquälerei gegeben haben.

Eslohe-Reiste (NRW) - Wegen des Coronavirus gibt es 2020 keinen Reister Markt. Doch das beliebte Volksfest in Eslohe-Reiste im Sauerland (NRW) macht trotzdem unfreiwillig Schlagzeilen: Die Tierschutzorganisation PETA berichtet in einer aktuellen Pressemitteilung davon, dass auf der Tierschau, die für viele Besucher jedes Jahr zu den Höhepunkten der zweitägigen Veranstaltung zählt, Tiere gequält worden seien. Zudem veröffentlichte PETA ein Video im Internet.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Mitteilung ist mit den Worten „Gestresste Tiere auf Reister Markt in Eslohe teils grob behandelt“ überschrieben. Darin ist beispielsweise die Rede davon, dass Rindern der Schwanz umgeknickt worden sei und die Tiere grob am Nasenring gezogen worden seien, damit sie weiterlaufen. Kühe seien zudem selbst im Gesicht und an den Eutern mit Hochdruckreinigern abgespritzt worden. Um letztere praller wirken zu lassen, seien die Tiere über Stunden nicht gemolken worden. Das habe „die vermutlich schon vorhandenen Schmerzen“ noch verstärkt, wie PETA berichtet. Die Euter einiger Tiere hätten zudem bereits getropft, weil sie so voll gewesen seien.

Reister Markt in Eslohe (NRW): PETA fordert Veranstaltung ohne Tierschau

Aber auch weitere Tiere seien nach Angaben der Tierschutzorganisation auf dem Reister Markt 2019 schlecht behandelt worden: Hühner seien „wie Ware in Kartons gestopft“ worden und „verängstigte, hitzeempfindliche“ Küken seien teilweise ohne Trinkwasser der prallen Sonne ausgesetzt gewesen. Zudem bestehe auf der Tierschau eine „enorme Gefahr für Besucher und Kinder“, weil Rinder wegen der „lauten und hektischen Marktsituation“ häufig in der Menge gescheut hätten. „PETA macht darauf aufmerksam, dass Tierschauen allgemein mit enormem Stress und langanhaltenden Schmerzen einhergehen", heißt es in der Mitteilung der Tierschutzorganisation.

Bei einigen Kühen lief bei der Tierschau beim Reister Markt Milch aus dem Euter. „Ein natürlicher Prozess“, sagen die Veranstalter.

Wegen dieser festgestellten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hat PETA nach eigenen Angaben die Veranstalter des Reister Markts, also den Landwirtschaftlichen Verein Reiste, beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) angezeigt. Die Tierschützer appellieren zudem an Veranstalter und Gemeinde Eslohe, den nächsten Reister Markt im Jahr 2021 ohne Tierschau durchzuführen.

Davon hält der Landwirtschaftliche Verein Reiste allerdings wenig. „Die Vorwürfe sind fast alle haltlos“, sagte der Vorsitzende Stefan Fuchte im Gespräch mit der Redaktion. Er verwies darauf, dass die Tierschau jedes Jahr vom Veterinäramt des Hochsauerlandkreises genehmigt werde und der Kreisveterinär am Veranstaltungstag jedes einzelne angemeldete Tier begutachte. Somit hätte es auffallen müssen, wenn es Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben hätte.

Reister Markt in Eslohe (NRW): Veranstalter weisen Vorwürfe zurück

Die Tierschau beim Reister Markt sei eine Zuchtschau, die PETA grundsätzlich ablehne. „Das hat den Reister Markt aber jahrzehntelang ausgezeichnet. Die Tierschau soll nicht nur ein Streichelzoo sein, sondern auch ein Schaufenster für Landwirte und Zuchtinteressierte“, berichtete Stefan Fuchte, der die Vorwürfe der Tierschützer zurückwies. Die tropfenden Euter erklärte er zum Beispiel damit, dass diese bei der Reinigung stimuliert worden seien, weshalb dann Milch austrete: „Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Werden die Euter wie beim Melken stimuliert, schüttet die Kuh Oxytocin aus, was dazu führt, dass Milch fließt.“

Zudem könne ein Euter nicht „zu voll“ sein, wie Fuchte schilderte: „Sobald der Euterinnendruck höher ist als der Blutdruck, produziert die Kuh keine Milch mehr.“ Darüber hinaus stünden beim Reister Markt mehrere Melkmaschinen zur Verfügung, damit die Kühe nicht mit vollem Euter transportiert werden müssten.

In einem Vorwurf von PETA stecke allerdings Wahrheit. Die Tierschutzorganisation schrieb in ihrer Mitteilung, dass bereits verkaufte Hühner und Enten „auf grobe Weise gefangen und mit anscheinend fremden Artgenossen in Kartons gestopft“ worden, in denen sie „teils stundenlang“ hätten ausharren müssen, bis die Käufer sie abgeholt hätten. „Es ist wohl wirklich zum Teil vorgekommen, dass Besucher Hühner schon früh morgens gekauft, aber erst später abgeholt haben. Das ist in der Tat ein Punkt, an dem man etwas ändern kann“, sagte Stefan Fuchte. Darauf wolle man die Beschicker auch hinweisen.

Reister Markt in Eslohe (NRW): Unverständis über Zeitpunkt

Auf Unverständnis ist bei den Veranstaltern des Reister Markts die Tatsache gestoßen, dass PETA 2019 diese Verstöße festgestellt haben will, aber erst nach fast einem Jahr damit an die Öffentlichkeit geht. „Wir hätten es gut gefunden, wenn man uns direkt im Anschluss an die Tierschau mitgeteilt hätte, was aufgefallen ist. Dann hätte auf Grundlage des Bildmaterials gemeinsam ein Gespräch führen können“, erklärte Fuchte.

Der Landwirtschaftliche Verein Reiste sei noch nicht vom Landesamt kontaktiert worden und werde auch vorerst nicht auf die Vorwürfe von PETA reagieren. Am Freitag treffe sich der Vorstand mit Vertretern des Kreisveterinäramtes und des Bauernverbandes, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Rubriklistenbild: © PETA

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