Kommen die Touristen am Wochenende?

Es fällt weiter Schnee im Sauerland - Skigebiete fordern Ende des Lockdowns

So viel Schnee wie aktuell gab es im Sauerland lange nicht mehr. Wegen des Corona-Lockdowns strömten allerdings auch so viele Menschen wie noch nie nach Winterberg und Co. Wie wird die Lage am Wochenende sein?

Sauerland - Die Skigebiete im Sauerland strahlen weiterhin in sattem Weiß, die Pisten in Winterberg und Co. sind seit Wochen mit viel Schnee bedeckt. Weil es zum Wochenende in den Höhenlagen weiter schneien soll, bereiten sich die Wintersportorte im Sauerland erneut auf größere Touristen-Ströme vor.

StadtWinterberg
Fläche147,9 km²
BürgermeisterMichael Beckmann
Postleitzahl59955
Vorwahl02981

Schnee im Sauerland: Die Lage am Wochenende - Skigebiete fordern Lockdown-Ende

In den vergangenen Wochen haben Ausflügler die Skigebiete in NRW teilweise regelrecht überflutet. An den ersten Wochenenden herrschte vor allem in Winterberg Chaos, weil Parkplätze voll, Straßen verstopft und Skipisten und Rodelhänge überfüllt waren. Die Stadt und die Polizei ergriffen daraufhin viele Maßnahmen, um Touristen von einem Besuch im Sauerland abzuhalten.

Auch am kommenden Wochenende bleibe das „bewährte Maßnahmenpaket“ bestehen, wie die Stadt Winterberg am Donnerstag mitteilte. Es gelte also wieder ein Betretungsverbot auf den Skipisten im Sauerländer Wintersportort und auf dem Kahlen Asten - mit zwei Änderungen: Die Langlaufloipen, die bisher auch vom Betretungsverbot betroffen waren, dürfen genutzt werden. Zudem dürfen Wanderwege, die Pisten kreuzen, betreten werden.

An den zurückliegenden Wochenenden blieb der große Touristen-Ansturm auf den Schnee im Sauerland aus, dennoch bereiten sich Ordnungsamt und Polizei wieder auf einen größeren Einsatz vor. Die Stadt Winterberg appelliert erneut an alle potenziellen Gäste, zu Hause zu bleiben und gar nicht erst einen Ausflug ins Sauerland zu unternehmen.

Schnee im Sauerland: Skipisten könnten sofort öffnen

Normalerweise würden sich Winterberg, Willingen und Co. über jeden Besucher freuen, der im Winter den Weg ins Sauerland findet. Doch der Corona-Lockdown und die geltenden Regeln zur Eindämmung des Virus verhindern einen regulären Schnee-Betrieb in den Wintersportorten. Skipisten sind gesperrt und Hotels für Touristen geschlossen. Doch die Liftbetreiber aus dem Sauerland plädieren nun dafür, schrittweise aus dem Lockdown auszusteigen, und fordern adäquate Wirtschaftshilfen, falls das nicht passiert.

Die Skigebiete in Winterberg und Umgebung sind gewappnet. Für den Fall, dass die Corona-Auflagen gelockert werden und eine Öffnung erlaubt wird, ist genug Schnee vorhanden, um gleich starten zu können. Die Gebiete befinden sich mitten in der beständigsten Winterperiode der vergangenen zehn Jahre. Allein bis Ende Januar hätten sie 30 lukrative Wintersporttage hinter sich bringen können. In den großen Gebieten ist so viel Schnee vorhanden, dass für die Betreiber jetzt schon feststeht: Der hätte bis mindestens Mitte März gereicht.

Den Liftbetreibern geht es um das reine Sportangebot. Vom Après-Ski habe man sich schon im Sommer verabschiedet. Dies sei in der Region ohnehin kaum ein Thema. An den Hygienekonzepten haben sie seit Sommer gearbeitet, teils sechsstellige Summen dafür investiert. „Wir hätten uns gewünscht, dass unsere Konzepte zumindest geprüft worden wären“, ist Christoph Klante, Geschäftsführer des Skiliftkarussells Winterberg und Vorsitzender des Skiliftverbands Sauerland, enttäuscht. Fortlaufend hätten die Betreiber ihre Konzepte weiterentwickelt und der Situation angepasst, über verantwortungsvolle schrittweise Öffnungen nachgedacht und immer wieder darauf hingewiesen. „Dies hat bislang leider keine Beachtung gefunden.“

Schnee im Sauerland: Experte hält Corona-Ansteckungsrisiko für gering

Coronaviren werden hauptsächlich durch Aerosole übertragen. Diesen Übertragungsweg zu unterbinden, funktioniert am besten an der frischen Luft. Beides ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Aerosol-Experten bestätigen, dass draußen kaum Ansteckungsgefahr besteht. „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko mindestens 20 bis 100 Mal geringer als in geschlossenen Räumen“, betont Dr. Gerhard Scheuch, Aerosolphysiker und Geschäftsführer der GS Bioinhalation GmbH aus dem hessischen Gemünden. Das von den Skigebieten vorgelegte Hygienekonzept halte er für mehr als ausreichend: „Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es mehr als sinnvoll, die Skigebiete zu öffnen, um mehr Menschen eine Motivation zu bieten, sich im Freien aufzuhalten und die Infektionsgefahr in Innenräumen zu verringern.“

Die Konzepte sehen vor, mit deutlich reduziertem Ticketkontingent zu arbeiten. Vorabbuchungen online garantieren kontaktfreien Ticketkauf und zuverlässige Limitierung. Um die erhöhte Nachfrage verteilen, können die Betriebszeiten ausgeweitet werden. Auf Parkplätzen und an allen Zuwegen herrschen strenge Kontrollen. Eine Besucherlenkung erfolgt durch Zäune sowie umfangreiche teils elektronische Hinweistafeln. Zudem stehen sichere sanitäre Anlagen und Desinfektionsmittel für die Gäste bereit. Einen Andrang wie zum Jahreswechsel befürchten die Betreiber nicht. Dies begründen sie einerseits mit den strengen Limitierungen, andererseits sei der Anreiseverkehr außerhalb der Ferienzeit erfahrungsgemäß deutlich geringer.

Die Liftbetreiber haben die Entwicklung der Infektionszahlen stets im Blick. Sollte der positive Trend anhalten und eine Erlaubnis erteilt werden, würden sie ihre Konzepte vorsichtig und verantwortungsvoll umsetzen. Dabei denken die Liftbetreiber beispielsweise an Testtage, sehr kleine Ticketkontingente, die dann langsam zu steigern wären.

Schnee im Sauerland: Skigebiete fordern Hilfsgelder bei Verlängerung des Lockdowns

Die drei Wintermonate sind für den überwiegenden Teil der Liftbetreiber die einzige Erwerbsquelle des gesamten Jahres. Die Kosten hingegen fallen über zwölf Monate hinweg fortlaufend an. Nach dem schlechten Vorwinter hatte der erste Lockdown im März den Skibetrieb abrupt beendet - mitten in der ersten wirklich winterlichen Phase der Vorsaison.

„Wir sind vorbereitet“, betont Jörg Wilke, Sprecher des Skigebiets Willingen. „Sollte eine Öffnung weiterhin unmöglich gemacht werden, dann müssen wenigstens die Hilfen angepasst werden.“ Bereits im ersten Lockdown hatten die meisten Skigebiete keine Überbrückungsgelder bekommen. Auch die aktuellen Hilfsangebote greifen im Falle der Skigebiete kaum. Effektiv würden sie nur zehn bis 15 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen.

„Die Politik ignoriert uns. Es geht nicht darum, eine ‚Extrawurst‘ zu bekommen“, betont Meinolf Pape, Sprecher der Postwiesen-Liftgesellschaft Neuastenberg und Geschäftsführer des Skiliftverbands Sauerland. „Sehr viel lieber würden wir unsere Einkünfte selbst erwirtschaften. Aber wenn uns das verboten wird, wollen wir wenigstens nicht durch das aufgespannte Netz fallen.“

Rubriklistenbild: © Wintersport-Arena Sauerland

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