Sitzenbleiben ohne Folgen

Schulen in NRW: Neue Regeln für Prüfungen - das sagt Ministerin Gebauer zu erweitertem Präsenzunterricht

Es gibt im Corona-Jahr 2021 neue Regeln für Prüfungen an NRWs Schulen. Ministerin Yvonne Gebauer äußert sich zu einer Rückkehr weiterer Jahrgänge in den Präsenzunterricht.

Düsseldorf - Die Corona-Krise hat zu vielen Veränderungen an Schulen in Nordrhein-Westfalen geführt: Maskenpflicht, Homeschooling, Wechselmodell - die vergangenen Monate waren eine Achterbahnfahrt für Schüler, Lehrer und Eltern. Jetzt hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer radikale Neuerungen für das laufende Schuljahr 2020/21 vorgestellt. Sie äußert sich zudem zu einer Rückkehr weiterer Jahrgänge in den Präsenzunterricht. (News zum Coronavirus)

Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Ministerpräsident Armin Laschet

Schulen in NRW: Ministerin Yvonne Gebauer verkündet Regeln zu Prüfungen und zum Sitzenbleiben

Schülerinnen und Schüler in NRW müssen am Ende dieses Corona-Schuljahres keine „blauen Briefe“ fürchten. Sie können eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch mit.

Anders als im vergangenen Schuljahr - dem ersten, das unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stand - könnten Schüler aber trotzdem sitzenbleiben, betonte die Ministerin. Es werde am Ende des Schuljahres „Versetzungsentscheidungen“ geben. Heißt im Klartext: Wer schlechte Noten hat, bleibt sitzen. Trotz Corona. Es würden laut Gebauer allerdings erweiterte Nachprüfungsmöglichkeiten geschaffen.

Schulen in NRW: Die zentralen Punkte des Bildungssicherungsgesetzes

Das sind die wichtigsten Punkte des Gesetzentwurfs des NRW-Bildungssicherungsgesetzes 2021:

  • Am Ende der Erprobungsstufe soll die Klassenkonferenz auf der Grundlage der erfolgten Leistungsbewertungen eine Aussage dazu treffen, ob eine Schülerin oder ein Schüler den Bildungsgang in der gewählten Schulform fortsetzen kann. Die Entscheidung über eine Wiederholung an der bisherigen Schule oder einen Schulformwechsel soll jedoch ausnahmsweise und nach Beratung durch die Schule den Eltern überlassen werden.
  • Am Ende dieses Schuljahres wird es Versetzungsentscheidungen geben. Durch eine Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen sollen erweiterte Nachprüfungsmöglichkeiten geschaffen werden. Auf dem Verordnungsweg soll außerdem das freiwillige Wiederholen einer Klasse ermöglicht werden ohne Anrechnung auf die Höchstverweildauer an einer Schule.
  • Zentrale schriftliche Leistungsüberprüfungen am Ende der Einführungsphase (EF/Klasse 10) der gymnasialen Oberstufe finden auch in diesem Schuljahr nicht statt.
  • Die Zentralen Abschlussverfahren in Klasse 10 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, kurz ZP 10, werden in diesem Schuljahr wieder mit landeseinheitlichen Aufgaben für die schriftliche Prüfung durchgeführt. Die Rückkehr in den Präsenzunterricht für die Abschlussklassen ermöglicht eine angemessene Prüfungsvorbereitung für die ab dem 19. Mai beginnenden Zentralen Prüfungen.
  • Es wird in diesem Schuljahr keine Blauen Briefe geben. Das hat zur Folge, dass Minderleistungen aus dem zweiten Halbjahr in einem Fach nicht berücksichtigt werden.

Schulen in NRW: Ministerin Yvonne Gebauer veründet Regel zum Sitzenbleiben

Mit dem NRW-Gesetz sollen laut Gebauer „faire und gerechte Entscheidungen in Pandemie-Zeiten“ ermöglicht werden. Den Schülerinnen und Schülern sollten auch in diesem Jahr durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege entstehen. Der deutsche Lehrerverband hatte mehrfach gefordert, lernschwachen Kindern und Jugendlichen anzubieten, das Schuljahr wegen der Corona-Pandemie freiwillig zu wiederholen - jedoch ohne dies als „Sitzenbleiben“ zu werten.

Freiwilliges Wiederholen eines Schuljahres ist auch heute schon möglich. Mancherorts wird das allerdings als Wiederholung wegen Nichtversetzung gewertet. Das heißt, dass ein Schüler möglicherweise die Schule verlassen muss, wenn er eine Klasse freiwillig wiederholt und dann nicht versetzt wird. Das soll nun aber nicht passieren.

Schulen in NRW: Neue Regelungen für Abschlussklassen 2021

Die NRW-Landesregierung hat zudem in zentralen Punkten Anpassungen vorgenommen, die für den Abschlussjahrgang 2021 gelten. Die Abiturprüfungen wurden um 9 Tage vom 14. auf den 23. April 2021 nach hinten verlegt. Diese Tage bis zum 22. April 2021 bedeuten für die Prüflinge, dass in diesem Zeitraum kein regulärer Unterricht stattfindet. Stattdessen soll es eine gezielte, verpflichtende Vorbereitung, unterstützt durch die Lehrkräfte in den Abiturprüfungsfächern, geben.

Weitere Maßnahmen für das Zentralabitur an Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorf-Schulen:

  • Erweiterung der Aufgabenauswahl für die Lehrer bzw. Prüflinge. Die Aufgabenkommissionen haben für die Prüfungen in diesem Jahr zusätzliche Aufgaben erarbeitet. Das ist die Grundlage dafür, dass Lehrerinnen und Lehrer sowie zum Teil auch Schülerinnen und Schüler treffsicher zwischen Aufgaben jene auswählen, die zum in ihren Kursen erteilten Unterricht besser passen.
  • Möglichkeit zur Nutzung des Nachschreibetermins für Schülerinnen und Schüler, die im Haupttermin an drei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen einer Kalenderwoche Klausuren schreiben müssten, nach Beratung durch die Schule.
  • Die externe Zweitkorrektur entfällt, es findet eine interne Zweitkorrektur statt.

Vor dem Hintergrund der besonderen Situation wurden einmalig für das Schuljahr 2020/2021 eine Reihe von Maßnahmen für die Zentralen Prüfungen 10 getroffen.

  • die Verschiebung des Beginns der Prüfungstermine im Frühjahr 2021 auf den 19. Mai 2021
  • die Konkretisierung der fachlichen Vorgaben
  • die Bereitstellung zusätzlicher Auswahlmöglichkeiten bei den schriftlichen Prüfungsaufgaben einiger Prüfungsfächer
  • zusätzliche Modifikationen der Bewertungsraster in den Unterlagen für die Lehrkräfte, durch die die vor dem Hintergrund des tatsächlich erteilten Unterrichts entstehenden Spielräume in den Bewertungen deutlicher werden.

Schulen in NRW: Rückkehr weiterer Jahrgänge in den Präsenzunterricht? Das sagt Yvonne Gebauer

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer äußerte sich zur Rückkehr weiterer Jahrgangsstufen in den Präsenzunterricht an Schulen: „Nach derzeitigem Stand sind zu den geltenden Regelungen für die Zeit bis zum 7. März 2021 keine Änderungen vorgesehen oder beabsichtigt“, sagte Gebauer auf Anfrage von WA.de. „Sollte es zu einer beschleunigten Reduzierung des landesweiten Inzidenzwertes kommen und dieser stabil unter 50 liegen, wird die Landesregierung erneut entscheiden.“

Die Impfung von Lehrkräften soll jetzt früher erfolgen. Es könne nun ganz schnell gehen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Und bei der Bekämpfung der Pandemie soll Schnelltests bald eine entscheidendere Rolle zufallen. Erste Zulassungen für Tests, die einfach zuhause durchgeführt werden können, wurden bereits erteilt.

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