Corona-Tests spielen wichtige Rolle

Schulen in NRW: Öffnen? Schließen? Neue Studie überrascht – Ministerin reagiert

Distanz- oder Präsenzunterricht? In NRW gibt es keine einheitliche Regel mehr. Nun zeigt eine neue Studie auf, ob die Schulen schließen oder öffnen sollten.

Hamm – In Nordrhein-Westfalen haben aktuell noch viele Schulen geschlossen. Grund dafür sind nach wie vor die Zahlen der Corona-Neuinfektionen, die in vielen Orten über dem von der NRW-Landesregierung festgelegten Grenzwert liegen. Doch ist Distanzunterricht tatsächlich sinnvoller als Präsenzunterricht? Eine Studie aus Bayern liefert jetzt spannende Erkenntnisse, welchen Einfluss Öffnungen und Schließungen von Schulen auf das Infektionsgeschehen haben. Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat dazu Stellung bezogen. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Schulen in NRW: Öffnen oder schließen? Aktuell gilt noch Corona-Inzidenz-Regel

Für Geimpfte und Genesene gelten in NRW seit Montag (3. Mai) erste Lockerungen der strengen Corona-Regeln. Wer davon bislang kaum profitiert, sind Schüler. Denn noch immer gibt es eine klare Impfreihenfolge - die Priorisierung soll erst im Juni aufgehoben werden. Stattdessen haben viele Schulen in Nordrhein-Westfalen derzeit geschlossen. Nach wie vor ist die Corona-Inzidenz maßgeblich bei der Frage, ob es in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt zur Öffnung oder Schließung einer Schule kommt. Der Grenzwert liegt bei einer Inzidenz von 165. Meldet eine Stadt weniger als 165 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Bleibt der Wert mindestens über drei Tage stabil, kann es wieder Präsenzunterricht geben. Sonst heißt es: Distanzunterricht, wie zum Beispiel neuerdings im Hochsauerlandkreis*.

Befürworter der strengen Corona-Beschränkungen an Schulen sehen Schulkinder als maßgebliche Corona-Spreader in der dritten Welle. Kritiker hingegen beanstanden, dass der Inzidenz-Grenzwert 165, der in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern über die Schließung und Öffnung von Schulen entscheidet, lediglich ein politischer Kompromiss ohne Bezug zur Realität ist. Demnach sei die Inzidenz als Richtwert aus vielerlei Hinsicht nicht mehr aussagekräftig.

Schulen: Ist Schließung kontraproduktiv? Neue Studie aus Bayern überrascht

Kritiker der Schulschließungen sehen sich nun in einer neuen Studie aus Bayern bestätigt. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München haben die Zahl der positiven Corona-Tests in den Schulen Bayerns in der Woche nach Ostern unter die Lupe genommen. Demnach wurden in den geöffneten Schulen - begünstigt durch die zahlreichen Corona-Tests - bis zu viermal mehr Corona-Infektionen ermittelt als bei Schülern im Distanzunterricht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ansteckungen außerhalb der Schule stattgefunden haben - also im privaten Umfeld in den Ferien.

Die Tests in den Schulen würden demnach vor allem dabei helfen, asymptomatische Corona-Infektionen aufzudecken, die sonst nicht gefunden worden wären. Darüber berichtet Merkur.de*. „Wir können nachweisen, dass durch die Tests an Schulen ganz einfach die Dunkelziffer deutlich gesunken ist“, bilanziert Prof. Göran Kauermann von der LMU München im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Kauermann glaubt, dass es kontraproduktiv sei, die Schulen ab einer bestimmten Inzidenz zu schließen. „Aus statistisch-epidemiologischer Sicht ist es nicht richtig, die Schulen wie in Bayern ab einem Inzidenzwert von 100 zu schließen. Unsere Analysen zeigen klar, dass offene Schulen sogar zur Pandemie-Bekämpfung beitragen, solange dort verpflichtend und dicht getestet wird.“

Studienergebnisse auch für NRW relevant: Yvonne Gebauer (FDP) bezieht Stellung

Danach findet man durch die regelmäßigen Corona-Tests etwa dreimal so viele infizierte Kinder und Jugendliche wie ohne die Testungen. Vier von fünf infizierten Schulkindern würden durch die verpflichtenden Tests gefunden. Zwar heißt das auch: Einer von fünf infizierten Schüler wird trotz Krankheit nicht als Corona-Fall ermittelt. Doch müsste dieser Schüler vier weitere Schüler an der Schule anstecken, damit das Risiko einer Schulöffnung größer wäre als der Nutzen. Davon gehen die Wissenschaftler ob der strengen Hygienekonzepte in den Schulen jedoch nicht aus. Und auch eine ältere Studie zeigt, dass der R-Wert in den Schulen tatsächlich deutlich unter vier liegt. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine mit Corona infizierte Person mutmaßlich ansteckt.

Genau diese Schlussfolgerung könnte auch für NRW bald bedeutsam werden. Auch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) verwies auf die jüngsten Studien. Demnach betonte sie, dass geöffnete Schulen mit ihren Hygienekonzepten sicherer seien als wenn Jugendliche in ihrer Freizeit ohne jeden Corona-Schutz aufeinandertreffen würden. Wie die Politikerin gegenüber der WAZ erklärte, habe es sich gezeigt, dass die Zahlen erst jetzt sinken würden, obwohl die Schulen schon länger geschlossen seien. Demnach drängt Yvonne Gebauer auch auf Präsenzunterricht. Allerdings müsse die Corona-Lage das erlauben. Aktuell beuge sich die NRW-Landesregierung noch der Bundesnotbremse. - *sauerlandkurier.de und *Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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