Wintersport-Orte in der Krise

Skifahren trotz Corona: Bürgermeister schreiben Brief an Kanzlerin Merkel - das fordern sie

Während Teile des Sauerlands im Schnee versinken, stehen die Skilifte wegen des Corona-Lockdowns weiter still. Die Bürgermeister von sieben Wintersport-Destinationen haben jetzt einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt. Das fordern sie.

Winterberg (NRW) - Normalerweise würde in diesen Tagen das Leben auf den Skipisten im Sauerland florieren. Aber was ist in diesen Tagen schon normal? Die Lifte dürfen wegen des Corona-Lockdowns weiter nicht laufen und Skifahrer schauen noch immer in die Röhre.

StadtWinterberg
Fläche147,9 km²
BürgermeisterMichael Beckmann (CDU)
Postleitzahl59955

Die Sehnsucht nach einer rasanten Abfahrt in Winterberg oder Umgebung ist aber wohl nichts im Vergleich zu den Sorgen und Nöten der Liftbetreiber, die seit Wochen keine Einnahmen haben, obwohl die Schneelage so gut ist wie lange nicht mehr. „Der aktuelle Winter ist der beständigste seit mindestens zehn Jahren“, teilte die Wintersport-Arena Sauerland, in der zahlreiche Liftbetreiber organisiert sind, zuletzt mit.

Skifahren trotz Corona: Winterberg und Co. fordern Öffnung und Finanzhilfen

Doch auch wenn in NRW und ganz Deutschland vermehrt über Lockerungen der Corona-Maßnahmen diskutiert wird, gibt es für die Skigebiete in Winterberg und Co. noch keinerlei Perspektive, ob der Schnee in diesem Winter noch von Skifahrern genutzt werden darf, wie auch merkur.de* berichtet. Genau das fordern aber nun die Bürgermeister von sieben Wintersport-Destinationen in den Mittelgebirgen und den Alpen in einem Schreiben, das sie vor wenigen Tagen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz geschickt haben.

Das Bündnis, das auf Initiative von Winterbergs Bürgermeister Michael Beckmann (CDU) entstanden ist, fordert darüber hinaus schnelle und unbürokratische Finanzhilfen für Wintersportbetriebe und die Tourismusbranche sowie Unterstützung für besonders betroffene touristisch geprägte Kommunen. „Wir waren uns unter den Bürgermeistern einig, dass wir gemeinsam mehr Wirkung entfalten, da wir alle in einem Boot sitzen“, sagt Beckmann.

Daher machen die Bürgermeister von Winterberg und Willingen im Sauerland, Feldberg und St. Blasien im Schwarzwald, Oberstdorf im Allgäu, Oberwiesenthal im Erzgebirge sowie Braunlage im Harz die Kanzlerin und ihre Minister nun auf die „existenzbedrohende Situation“ aufmerksam, in der sich die Wintersport-Branche aktuell befinde. Denn anders als in vielen anderen Bereichen, würden die von der Bundesregierung bereitgestellten Finanzhilfen für Liftbetreiber oder Skiverleihe - laut dem Schreiben ein „wichtiger Pfeiler der örtlichen Infrastruktur“ - nicht gelten.

Skifahren trotz Corona: Liftbetreiber und Skiverleihe vor der Pleite

Doch nicht nur Betriebe und Einzelunternehmer leiden extrem unter der Corona-Pandemie - auch die Kommunen wie Winterberg merken die Auswirkungen enorm. Durch das Übernachtungsverbot, das seit Anfang November gilt, fallen sämtliche kommunale Einnahmen wie der Tourismus-Beitrag oder die Kur-Taxe komplett weg, weil keine Gäste zum Skifahren ins Sauerland kommen dürfen. Daher gebe es „massive Liquiditätsengpässe“ bei kommunalen touristischen Betrieben, die bis zur Insolvenz führen könnten. Das wiederum könnte „verheerende Langzeitfolgen“ mit Blick auf die Entwicklung der Städte und Gemeinden haben.

Aber auch fehlende Steuereinnahmen machten den Wintersport-Orten in Deutschland zu schaffen, weshalb die Bürgermeister, die nach eigenen Angaben dankbar für die Gewerbesteuerausgleichszahlungen für 2020 sind, nun fordern, dass diese Finanzhilfen auch in diesem Jahr „konsequent fortgeführt werden“. Sie schlagen „eine Art Überbrückungshilfe für die Kommunen, die über Gebühr von den angeordneten Betriebsschließungen betroffen sind“, vor.

Dass die Winterurlaubsorte in Deutschland für viele Menschen - gerade aus Ballungsräumen - von großer Bedeutung seien, habe der regelrechte Touristen-Ansturm auf Winterberg über den Jahreswechsel und die ersten Wochenenden des neuen Jahres gezeigt. Die Skigebiete hätten „sehr gute, zum Teil aus dem touristischen Sommerbetrieb übernommene Hygiene- und Sicherheitskonzepte*“, die allerdings noch nicht fürs Skifahren zum Tragen gekommen seien. Daher fordern die Bürgermeister der sieben Destinationen neben den Finanzhilfen auch eine klare Öffnungs-Perspektive für Liftbetreiber. Für sie ist klar: „Alleine werden wir die finanziellen Herausforderungen nicht meistern können!“ - sauerlandkurier.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marius Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare