Tattoocon in Dortmund

Experten der TU Dortmund warnen: Tattoos sind gefährlicher als gedacht

Experten der TU Dortmund haben das Stechen von Tattoos neu analysiert. Die Erkenntnisse lassen selbst lang Tätowierte aufhorchen.

Dortmund - 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind tätowiert, die Meisten haben ihr Tattoo auch nicht erst seit gestern. Über mögliche Risiken, die eine Tätowierung mit sich bringt, sind sich viele durchaus bewusst. Wie RUHR24.de* berichtet, haben Toxikologen sich noch einmal mit den Farben und Nadeln beschäftigt - und weisen auf Risiken hin, die sich selbst bei Menschen bemerkbar machen könnten, die seit Ewigkeiten die Farbe unter der Haut tragen.

Universität

TU Dortmund

Forschungsbereich

Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung 

Fachzeitschrift

Archives of Toxicology

Tattoo: Experten der TU Dortmund warnen - Reaktion kann Jahre später auftreten

Am häufigsten, erklärt der Wissenschaftler Prof. Dr. Jan Hengstler, Direktor des Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), sei ein starker Juckreiz. Eine Überempfindlichkeitsreaktion, bei der das Tattoo anfängt richtig lästig für seinen Träger zu werden. 

Und jeder, der sich nun denkt, er habe sein Tattoo seit Jahren und nie Probleme gehabt, sollte dennoch hellhörig werden. Denn wie der Toxikologe weiter ausführt, könne dieses Jucken oft erst nach Monaten oder Jahren nach der Tätowierung beginnen.

Tattoo-Farben: Abbauprodukte lösen unerträglichen Juckreiz aus

Denn wie der Experte weiß, sind es Abbauprodukte der Tätowiermittel - also der tätowierten Farben - die in den unteren Hautschichten für Probleme sorgen. Nach und nach binden diese dort an Proteine. Und das kann auch erst nach langer Zeit zu Problemen führen. 

Problematisch sind die dadurch entstehenden Strukturen in der Haut, die von den körpereigenen Immunzellen als fremd erkannt werden. In der Folge greifen die Immunzellen die Strukturen, die sich aus den Tätowiermitteln und den körpereigenen Proteinen gebildet haben, an. Bis eine solche Immunreaktion voll ausgeprägt ist, dauere es allerdings eine geraume Zeit, erklärt der Wissenschaftler.

Tattoo: Schwerwiegende Folgen wie Krebserkrankung möglich

Doch während dieses Problem vor allem echt unangenehm werden kann, gibt es auch Risiken, die schwerwiegende Folgen für alle Tätowierte haben könnte. Denn immer wieder wird auch darüber diskutiert, ob Tattoos krebserzeugend sein können. 

Auf der TattooCon in Dortmund ließen sich auch im vergangenen Jahr unzählige Besucher tätowieren.

Dr. Hermann Bolt, emeritierter Professor der TU Dortmund, erklärt, dass diese Situation sehr ernst genommen werden sollte. Denn tatsächlich können die tätowierten Farben Substanzen enthalten, die in hohen Mengen Krebs verursachen können (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de*).

Tattoo: Bei einem bleibt es oft nicht

In hohen Mengen? Tatsächlich bleibt es bei vielen Tattooliebhabern nicht bei dem einen, kleinen Erinnerungsstück. Ein Blick auf die Besucher von Tattooo-Conventions zeigt: Nicht wenige sind von Kopf bis Fuß "zugepflastert". 

Ein Tattoo reiht sich an das nächste, ganze Körperteile gleichen einem einzigen bunten oder schwarzweißen Kunstwerk. Nicht selten sprechen einmal Tätowierte sogar von einer Art Sucht nach dem nächsten Tattoo. Und auch Promis zeigen immer wieder gerne, welche Tattoos sie auf ihrer Haut tragen*.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob das Tattoo nun nur schwarz oder in den buntesten Farben gehalten ist, informiert die Verbraucherzentrale NRW. Denn auch schwarze Tinten enthalten Substanzen, die krebserregend sind: Vor allem der enthaltene Ruß-Farbstoff "Carbon Black" ist mit krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. 

Tattoo-Farben: Hauttumore beobachtet

Laut der beiden Dortmunder Wissenschaftler sei der Zusammenhang zwischen bestimmten Tattoo-Farben und Krebs noch nicht anhand einer Studie eindeutig bewiesen, es gäbe jedoch Beobachtungen, dass Hauttumore auf Tätowierungen aufgetreten sind.

Wen nun die Angst packt, sollte dennoch gründlich darüber nachdenken, sich das Tattoo weglasern zu lassen. Denn nicht nur, dass trotz Lasertechnik und anderer moderner Verfahren Narben zurückbleiben können und die Farben unter der Haut nicht immer völlig verschwinden – durch die Laserbehandlung entstehen aus den Tattoo-Farben offensichtlich erneut krebserzeugende Produkte in kleineren Mengen, so Jan Hengstler.

Risiko Tattoo: Auch von der Tätowiernadel selbst geht eine Gefahr aus

Doch noch etwas überrascht. Denn nicht nur von den Farben, auch von der Tätowiernadel selbst geht eine Gesundheitsgefahr aus. "Durch das wiederholte Einführen der Tätowiernadel gibt es einen Abrieb von Chrom und Nickel in der Haut", so Bolt. Gerade Nickel scheint hier bedenklich zu sein, weil es ein starkes Kontaktallergen ist.

Für die neuen Forschungsarbeiten zum Thema der Tätowierungen aus toxikologischer Sicht wurde unter anderem die lebende menschliche Haut in der Kulturschale nachgebaut. Dadurch konnte besser untersuchen werden, welche Mengen schädlicher Substanzen durch die Tätowierung tatsächlich in die Kunsthaut gelangen.

Prof. Dr. Jan Hengstler und Prof. em. Dr. Hermann Bolt sind die Herausgeber der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Archives of Toxicology", in der die neuen Arbeiten rund um die Risiken des Tätowierens behandelt, erscheinen sind. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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