Video zeigt Ausmaß

Tierquälerei-Skandal in Werne: Firmenchef äußert sich und bittet um Entschuldigung

Der Kreis Unna hat eine Viehsammelstelle aufgrund des Verdachts von Tierquälerei dicht gemacht. Nun meldete sich der Firmenchef Marko Mecke zu Wort.

Update vom 3. August, 12.42 Uhr: Der Tierquäler-Skandal in einer Viehsammelstelle in Werne hat hohe Wellen geschlagen. Firmenchef Marko Mecke war tagelang abgetaucht. Nun nimmt er Stellung und bittet um Entschuldigung.

LandkreisUnna
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner393.618

„Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich als Betriebsinhaber die Verantwortung hierfür übernehmen werde“, sagt Mecke. Der Firmenchef bedauere die Geschehnisse zutiefst und bat um Entschuldigung. So kündigte er an mit den Behörden zusammenzuarbeiten und mit einem externen Berater sämtliche Betriebe und Abläufe zu überprüfen. Mecke kündigt zudem wirksamere Kontrollen an und werde „wenn nötig“ Unternehmensteile aufgeben. „Wir wollen unseren guten Namen wiederherstellen - gerade auch für Mitarbeiter, Kunden und Partner“, sagt der Firmenchef.

Tierquälerei in Werne: Firmenchef Marko Mecke äußert sich und reagiert

Update vom 2. August, 15.56 Uhr: Innerhalb weniger Monate erschüttert nach den Vorfällen in Selm ein weiterer Tierskandal den Kreis Unna. „Auch die aktuellen Bilder aus der Viehsammelstelle in Werne sind verstörend und widerwärtig“, reagiert SPD-Kreistagsmitglied Sascha Kudella, Sprecher im Ausschuss für Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises Unna, auf die von der „Soko Tierschutz“ aufgedeckte Tierquälerei bei der Firma Mecke.

Die aufgeworfenen Fragen nach ausreichender Kontrolle und möglichen strukturellen Problemen müssen gestellt und beantwortet werden. Aus Sicht der SPD-Kreistagsfraktion ist es daher gut, dass das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) seine Untersuchungen abgeschlossen hat und diese nun auswertet. Gemeinsam mit den Ergebnissen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen müssen hier die richtigen Schlussfolgerungen zum Schutz des Tierwohls gezogen werden.

„Es ist allerdings auch klar, dass in beiden Fällen eine hohe kriminelle Energie gezeigt worden ist, die amtliche Kontrollen an Grenzen stoßen lässt“, so die Einschätzung von Sascha Kudella. Aus Sicht des SPD-Sprechers müssen auch Instrumente wie eine Videoüberwachung für die Aufsichtsbehörden möglich sein. (von Jörg Heckenkamp)

Tierquälerei im Kreis Unna: Soko Tierschutz reagiert - „Lügen wie gedruckt“

Update vom 30. Juli, 18.27 Uhr: Wegen des Verdachts der Tierquälerei wurde eine Viehsammelstelle der Firma Mecke in Werne (Kreis Unna) dicht gemacht. Die Fleischerei hatte zuletzt bekundet, dass es in der Unternehmensgeschichte keine Verstöße gegen den Tierschutz gegeben habe, und damit versucht, die Schuld von sich zu weisen (siehe Update vom 28. Juli, 15.23 Uhr). Das ruft erneut die „Soko Tierschutz“ auf den Plan, die im Fall Mecke entscheidende Aufklärungsarbeit leistete.

„Während der Chef der Firma Mecke erbärmlicherweise so tut, als hätte er in seinem übersichtlichen Betrieb nichts vom Leid der Tiere mitbekommen, wird immer klarer, dass dies ein äußerst dreistet Manöver ist“, schreibt die „Soko Tierschutz“ auf ihrer Instagram-Seite. Darin wird der Tierschutzbeauftragte Marco Meckes als Haupttäter deklariert. „Das System Mecke: Handel und Schlachtung mit kranken Tieren. Gewalt, Quälerei und Lügen wie gedruckt“, fasst die „Soko Tierschutz“ zusammen.

Tierquälerei im Kreis Unna: Fleischerei Mecke in Werne betroffen - Video zeigt Ausmaß

Update vom 29. Juli, 14.26 Uhr: Die Bäckerei Kanne hat die Zusammenarbeit mit der Firma Mecke beendet. „Wir verurteilen diese Tierschutzverstöße aufs Äußerste und distanzieren uns mit sofortiger Wirkung eindeutig und unmissverständlich von jeglicher Form der Zusammenarbeit mit der Firma Mecke“, heißt es auf einem Aushang. Man lege jedoch weiterhin großen Wert auf regionale Partner. Fleisch und Wurstwaren würden ab sofort von anderen Fleischereien (aus Lünen und Nordkirchen) bezogen.

Tierquälerei im Kreis Unna: Fleischerei Mecke in Werne betroffen

Update vom 28. Juli, 15.23 Uhr: Das Unternehmen Mecke in Werne, zu dem die geschlossene Viehsammelstelle im Kreis Unna gehört, hat zu dem Video der Soko Tierschutz und einem Beitrag des ARD-Magazins Fakt Stellung genommen. Die Aufnahmen zeigen gequälte Rinder und Pferde. In der Stellungnahme von Mecke auf der Internetseite der Fleischerei heißt es, dass Unternehmensführung und Angestellte über die Aufnahmen schockiert seien. Die Bilder, die schwere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zeigen, seien ihnen erst seit „gestern“ (27. Juli) bekannt.

„Wir haben beide Mitarbeiter, die die Verstöße begangen haben, heute mit sofortiger Wirkung gekündigt“, heißt es in der Stellungnahme von Mecke wörtlich. Man wolle die Behörden bei der Aufklärung der Sachverhalte „umfassend unterstützen“. Tierschutzverstöße würden in dem Unternehmen in keiner Weise geduldet, heißt es weiter. Und: In den knapp 100 Jahren Unternehmensgeschichte habe es keine Verstöße gegen den Tierschutz gegeben. Man stehe auch „und insbesondere jetzt“ zu seiner Verantwortung.

Update vom 28. Juli, 14.09 Uhr: Die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ veröffentlichte bereits im März einen anderen Fall aus dem Kreis Unna: In Selm gab sie Hinweise auf das illegale Schächten bei einem kleineren Schlachtbetrieb. Schafe und Rinder seien ohne Betäubung geschlachtet worden - die Soko Tierschutz lieferte Bildmaterial aus dem Schlachthof.

Update vom 28. Juli, 12.37 Uhr: Der Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion Bündnis90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, hat sich zum Vorfall im Schlachthof in Werne geäußert. Ostendorff sagt, dass die Bilder „das Höchstmaß an krimineller Energie im Umgang mit Tieren“ abbilden würden. Das weit verzweigte Firmenkonstrukt sei so undurchsichtig, dass die Kontrollbehörden offenbar an ihre Grenzen stießen, schreibt Ostendorff in seinem Statement. Die Firma liefere auch Löwenfutter in Zoos bis nach Italien, so der Grünen-Politiker. Er wirft dem zuständigen Veterinäramt vor, den Betrieb vernachlässigt zu haben oder systematisch weggeschaut zu haben.

Update vom 28. Juli, 10.32 Uhr: Die Soko Tierschutz hat ein Video auf Instagram von den Vorwürfen gegen die Tiersammelstelle im Kreis Unna veröffentlicht. Laut dem Bericht der ARD-Sendung Fakt und dem Video der „Soko Tierschutz“ werde die Sammelstelle von einem Familienunternehmen aus Werne betrieben. Dieses Unternehmen, so berichtet die ARD weiter, betreibe außerdem eine Metzgerei und einen Schlachthof. Im Fakt-Beitrag wird außerdem eine Firma für Tierfutter genannt.

Tierschützer werfen einem Betrieb im Kreis Unna vor, systematisch kranke Tiere misshandelt zu haben.

In dem Video der Soko Tierschutz, einem Verein aus München, werden Aufnahmen von Rindern und Pferden gezeigt, die geschlagen und getreten werden. „Hinter den Kulissen herrscht purer Sadismus, Brutalität und auch Kinder werden zu Opfer und Tätern“, heißt es im Video. Dazu werden Bilder gezeigt von kleinen Kindern, die mit Stangen auf die Rinder einschlagen. Schwer kranke und verletzte Tiere würden auf illegale Weise transportiert und geschlachtet werden, so der Vorwurf der Soko Tierschutz. Im Video sind Tiere zu sehen, die sich zum Großteil nicht mehr auf den Beinen halten können.

Die Aufnahmen aus dem Video auf Instagram sollen aus dem Zeitraum Mai bis Juli 2021 stammen. Die Soko Tierschutz stellt einen Zusammenhang mit einem anderen Schlachthof in Bad Iburg her. Dort seien 2018 verletzte Rinder illegal geschlachtet worden. Der Schlachthof sei geschlossen worden. Die Täter jedoch seien noch weiter im Geschäft, Transporter einer der Firmen seien laut Soko Tierschutz am Schlachthof Werne vorgefahren und lieferten schwer kranke Tiere.

Die ARD zeigte einen Beitrag über die Sammelstelle im Kreis Unna, in der vor allem Rinder und Pferde gehalten werden, bis sie zu einem naheliegenden Schlachthof gebracht werden. Im ARD-Magazin Fakt berichtet der Sender, dass der zuständige Betrieb telefonisch nicht erreichbar gewesen sei. Eine Rechtsanwaltskanzlei habe auf Anfrage geschrieben, dass der von FAKT gezeigte Schlachthof nur Tierfutter erzeuge und Lebensmittel in der Metzgerei erzeugt werden würden. Die Firma lege an allen Standorten höchsten Wert auf „respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren“, so zitiert die ARD aus dem Schreiben.

ERSTMELDUNG Tierquälerei im Kreis Unna: Viehsammelstelle dicht gemacht - „Soko Tierschutz“ liefert Beweisvideos

[Erstmeldung] Kreis Unna - Mitarbeitern einer Viehsammelstelle im Kreis Unna wurde am Freitag (23. Juli) der weitere Umgang mit Tieren untersagt. Das teilten das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW und die Kreisverwaltung mit. Der Vorwurf: Tierquälerei.

Laut der Mitteilung schritten die Behörden im Kreis Unna ein, weil eine Tierrechtsorganisation Hinweise lieferte. Genaugenommen war es Videomaterial, das auf massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hinwies. Die Staatsanwaltschaft Dortmund sagte dem Hellweger Anzeiger, dass es sich bei der Organisation wieder um die „Soko Tierschutz“ handelt. Sie hatte Strafanzeige erstattet.

Die „Soko Tierschutz“ hat bereits im März 2021 Hinweise auf illegales Schächten in einem Schlachtbetrieb im Kreis Unna geliefert. Schon damals hatte die Tierrechtsorganisation umfangreiches Beweismaterial an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Laut der Mitteilung des Landes NRW von Freitag (23. Juli) haben Veterinärbehörden nach Sichtung des Materials im Rahmen des Ermittlungsverfahrens unverzüglich tierschutzsichernde Maßnahmen bei der Viehsammelstelle im Kreis Unna ergriffen. „Um weiteres Leiden und Schmerzen von Tieren sofort zu unterbinden“, heißt es weiter.

Kreis Unna: Tierquälerei in Viehsammelstelle - Ermittlungen dauern an

Der Dortmunder Staatsanwalt Henner Kruse sagte RUHR24.de*, dass es sich um einen Straftatbestand nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes handle: Tierquälerei. Laut Kruse befindet sich in der Viehsammelstelle hauptsächlich Schlachtvieh wie Kühe handeln. Die Kühe seien auf dem Weg von dem Viehlager in die Schlachtung gequält worden. Mehrere Medien berichten, dass es auch um Pferde geht. Das konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund wertet das Beweismaterial aktuell noch mit sachverständiger Unterstützung von Tierärzten des Veterinäramtes Unna aus. Die Ermittlungen dauern an.

Tierquälerei im Kreis Unna: Viehsammelstelle dicht gemacht - TV-Beitrag in der ARD

Laut RUHR24.de* soll ein Teil des Videomaterials aus der Viehsammelstelle im Kreis Unna am Dienstagabend um 21.45 Uhr im TV zu sehen sein. Die Sendung „FAKT“ im Ersten kündigte einen Bericht mit dem Titel „Gequälte Tiere: Wie kranke Nutztiere in Tierverteilstationen gequält werden“ an.

Die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ verweist auf ihrer Internetseite auf den Sendetermin mit dem Hinweis: „Wenn sich Geschichte wiederholt. Operation Metastase 4.“ - *RUHR24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © SOKO Tierschutz e.V.

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