Grauenhafte Szenen auf der B229

Tödliche Raserei im Sauerland: Darum gibt es noch keinen Prozess

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Eine 70-jährige Frau aus dem Sauerland konnte aus diesem Autowrack nur noch tot geborgen werden. Zu der schweren Kollision kam es am 1. August, als sich ein 57-jähriger Soester mit einem 41-jährigen Mann aus Hemer ein Autowettrennen auf der Bundesstraße 229 lieferte.

Balve/Sundern/Soest – Mehr als ein halbes Jahr nach dem tödlichen Raserunfall zwischen Balve und Sundern, den ein Porschefahrer aus Soest und ein Mann aus Hemer verschuldet haben sollen, gibt es noch immer keinen Prozesstermin. Die Akte wandert von einem Gericht zum anderen.

Dabei ist gegen den 57-jährigen Soester im Herbst rasch wegen fahrlässiger Tötung, vierfacher Körperverletzung und Beteiligung an einem illegalen Autorennen ermittelt und Anklage erhoben worden. Doch die Akte wandert inzwischen von einem Gericht zum anderen. 

Grauenhafte Szenen sehen die Ersthelfer am Abend des 1. August auf der Bundesstraße 229 nahe dem Sunderner Ortsteil Hövel. Ein 41-jähriger Mann aus Hemer kracht mit seinem Audi beim Überholen in einen vollbesetzten VW-Golf. Während der unter Alkohol stehende Hemeraner nur leicht verletzt wird, stirbt im Golf eine 70-jährige Beifahrerin, die vier weiteren Insassen werden schwer verwundet. 

Mit diesem Hemeraner, so die Ermittlungen der Polizei, hat sich der Soester zuvor ein Rennen geliefert. Die beiden überholen sich abwechselnd. Nach dem folgenreichen Crash seines Renn-Rivalen macht sich der Soester aus dem Staub; erst am nächsten Tag berichtet er bei der Polizei von sich aus über seine Beteiligung an dem Unfall. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Die Polizei in Soest stößt bei den Ermittlungen auf einen weiteren „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“. Nur drei Tage zuvor ist der 57-Jährige schon einmal durch höchst riskante Fahrweise auf derselben Strecke aufgefallen und von Zeugen angezeigt worden. Die Polizei nimmt dem Soester seinen Führerschein und seinen Porsche ab. 

Gerade wegen des Entzugs der Fahrerlaubnis beeilt sich die Staatsanwaltschaft bei ihren Recherchen und klagt die beiden Hobby-Rennfahrer schon Mitte Oktober an – in der Hoffnung, noch im alten Jahr könnte das Arnsberger Amtsgericht ein Urteil fällen. Doch das Gericht hat den Fall abgegeben ans Landgericht. Die Amtsrichter dürften die mehrjährige Haftstrafe im Auge gehabt haben, die dem Soester droht und womöglich den Kompetenzrahmen eines Amtsgerichts überschreiten könnte. 

Rasern aus Soest und Hemer droht lange Haftstrafe

„Die Strafgewalt des Amtsgerichts reicht bis zu vier Jahren“, erläutert Dr. Johannes Kamp, der Sprecher des Landgerichts Arnsberg. Das Abgeben des Falls zum Landgericht zieht allerdings keine Automatik nach sich, so Kamp weiter. Das Schwurgericht beim Landgericht prüfe gerade, ob es sich der Sache annehmen werde. 

Sollte es freilich zu dem Schluss kommen, der Prozess könnte auch vor einem Amtsgericht stattfinden, würde die Akte noch einmal zum Amtsgericht zurück gehen. Gericht ausgelastet So ist auch mehr als ein halbes Jahr nach dem tödlichen Autorennen das Gerichtsverfahren noch nicht eröffnet geschweige denn ein Termin dafür ins Auge gefasst worden. 

Weil keiner der beiden vermeintlichen Raser in Untersuchungshaft sitzt und das Gericht stark ausgelastet sei, könnte es noch ein paar Wochen bis zum Prozessbeginn dauern, so Kamp.

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Quelle: wa.de

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