Abschiedsbrief offenbart wahrscheinliches Motiv

Erschütternde Hintergründe zur Familientragödie an der Möhnetalsperre

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Die Sperrmauer am Möhnesee.

Möhnesee - Es ist ein Fall, der sprachlos macht. Ein Vater springt mit seiner Tochter von der Möhne-Sperrmauer, stürzt sich in den Tod. Seine Tochter schwebt in akuter Lebensgefahr. Die Hintergründe der Tat machen auch die Staatsanwaltschaft fassungslos. Der Vater handelte wohl aus Rache.

Am Samstagabend stürzte sich gegen 18.25 Uhr ein Vater aus Hamm mit seiner elfjährigen Tochter von der Möhnetalsperre mehr als 30 Meter in die Tiefe. Als wenig später die Rettungskräfte eintrafen, war er bereits tot - seine Tochter erlitt ein  schweres Schädelhirntrauma, musste aus dem Wasser gerettet werden. Sie kam mit einem Rettungshubschrauber in eine Dortmunder Spezialklinik, kämpft dort weiter um ihr Leben.

"Tat kann als Retourkutsche gewertet werden"

Der 43 Jahre alte Vater hatte einen Abschiedsbrief hinterlassen, dessen Inhalt wohl Aufschluss über den Grund seiner Tat brachte: Vermutlich handelte der Mann aus Rache. Nach Angaben des Arnsberger Staatsanwalts Thomas Schmelzer hätte seine Frau sich wenige Tage zuvor von ihm getrennt. "Seine Tat kann als Retourkutsche gewertet werden. So krank das auch ist", kommentiert Schmelzer.

Der Familienvater sei erst im vergangenen Jahr aus beruflichen Gründen aus Polen nach Hamm gezogen, Frau und Tochter folgten ihm einige Zeit später. "Sie galten als unauffällige Leute, es war zwischen ihnen nie zu Gewalttätigkeiten gekommen", schildert der Staatsanwalt. Es habe keine Anzeichen auf das gegeben, was der Mann an diesem sonnigen Samstagabend am Möhnesee in die Tat umsetzte. 

Gemeinsamer Ausflug von Vater und Tochter

Obwohl die Trennung erst wenige Tage zurücklag, war der Mann bereits ausgezogen und an anderer Stelle untergekommen. "Für den Samstag war ein gemeinsamer Ausflug von Vater und Tochter vereinbart worden", rekonstruiert Thomas Schmelzer. "Über einen Internetdienst" sei der Mutter vom Vater dann mitgeteilt worden, dass der vereinbarte Zeitpunkt, zu dem er die gemeinsame Tochter wieder zurückbringen sollte, nicht eingehalten werden könne.

Weitere Inhalte der Nachricht hätten die Mutter so stutzig gemacht, dass sie etwa drei Stunden später, um 21.30 Uhr, eine Vermisstenanzeige bei der Hammer Polizei aufgab.

Elfjährige weiter in akuter Lebensgefahr

Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch schon zu spät, der Vater hatte seinen Plan verwirklicht.

Die Elfjährige schwebt weiter in akuter Lebensgefahr, ihre Mutter erlitt einen schweren Schock und befindet sich in psychologischer Behandlung.

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Quelle: wa.de

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