Warnstreik bei Amazon

Verdi wirft Amazon Sicherheitsmängel vor

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Vorm neuen Logistikzentrum hat Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht den nächsten Streik organisiert.

[Update 18 Uhr] Werne - Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Onlinehändlers Amazon in Werne zum Warnstreik aufgerufen. Verdi wirft Amazon in Werne vor, es nach dem Umzug mit der Arbeitssicherheit nicht so genau zu nehmen, weil der Betrieb in der neuen Anlage noch nicht rund laufe. Der Ausstand soll bis Dienstag dauern.

Dazu liegt der Bezirksregierung Arnsberg eine Beschwerde vor. Dem Hinweis werde die Behörde „unmittelbar nachgehen, wie es in solchen Fällen zur Routine gehört“, bestätigte ein Sprecher. Nach Angaben von Verdi soll das am heutigen Dienstag geschehen. Amazon bestreitet indes, dass es größere Probleme gibt. 

Die Gewerkschaft spricht von „teilweise chaotischen Zuständen“ insbesondere um die Hochregallager. Mehrfach seien Waren aus bis zu zehn Metern Höhe in die Gänge gestürzt, weil sich die Mitarbeiter mit den Hubwagen wegen der Enge ins Gehege kämen. Derartige Gefahren für die Beschäftigten habe Verdi zum Anlass genommen, im Kontext zur jahrelangen Forderung nach einem Tarifvertrag diesmal nur am Standort Werne einen Ausstand in Bezug auf die Arbeitssicherheit auszurufen, sagte Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht.

Verdi wirft Amazon "Doppelmoral" vor

„Wir haben Amazon auch angeboten, einen Tarifvertrag über gute und gesunde Arbeit abzuschließen. Das ist ebenso abgelehnt worden wie ein Tarifvertrag zur Entlohnung“, so der Gewerkschafter. Deshalb sei am Montag die Frühschicht zum Streik aufgerufen worden, der bis Dienstag um Mitternacht von den vier folgenden Schichten fortgesetzt werde. Die Beteiligung sei mit 150 Streikenden zum Auftakt „so groß gewesen wie noch nie.“

Rupprecht wirft Amazon „Doppelmoral“ vor: Der Konzern poche einerseits auf seine peniblen Sicherheitsregeln nach US-Standards, schaue andererseits aber weg, wenn es im Neubau Gefahrenlagen gebe. „Die Gänge sind sehr eng, die Flurförderfahrzeuge stauen sich, man fährt sich die Spiegel ab. Die Fahrer, stehen unter Druck, weil sie sich rechtfertigen müssen, sobald sie stillstehen“, so der Gewerkschafter. „Neulich konnte ein Kollege die Bühne nicht mehr herunterfahren und musste 20 Minuten um Hilfe rufen.“

Sprinkler „abrasiert“ und Halle geflutet

Die folgenreichste Havarie ereignete sich anscheinend, als eines der Fahrzeuge zu Jahresbeginn die Sprinkleranlage unter der Hallendecke beschädigte. Dabei handelt es sich nach Auskunft der sogleich alarmierten Feuerwehr um eine Hochleistungsanlage mit besonders großem Wasserauswurf. Die Haustechnik habe die Anlage nicht abstellen können, sondern erst die Einsatzkräfte nach ihrem Eintreffen. Es hätten sich enorme Wassermassen in die Halle ergossen, berichtete auch Rupprecht.

Amazon-Sprecherin dementiert Vorwürfe

„Wir können nicht erkennen, dass es einen Trend zu vermehrten Arbeitsunfällen gibt“, widersprach Amazon-Sprecherin Antje Kurz-Möller. Nach dem Umzug sei klar, „dass nicht alles vom ersten Tag an hundertprozentig läuft. Aber von Chaos kann hier keine Rede sein. Es gibt auch keine schweren Verletzungen oder dergleichen.“

In den Gängen liefen auch keine Mitarbeiter hin und her. „Die Flurförderfahrzeuge sind eigens mit einem Dach geschützt für den Fall, dass etwas herabfällt“, so die Sprecherin. Schriftlich erneuerte der Konzern die Aussage, der Umzug sei gut gelaufen. Die neue Technik erleichtere die Arbeit, alle Mitarbeiter seien dafür geschult worden.

Quelle: wa.de

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