53 Wohnungen in ganz Deutschland durchsucht

Zoll stellt fast 30.000 Feuerwerkskörper sicher - sieben Häuser in Bad Berleburg evakuiert

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Beamte sichern Feuerwerkskörper in einem Spezialbehälter.

Bad Berleburg - Staatsanwaltschaft und Zoll ist in den vergangenen Tagen ein großer Schlag gegen den Handel mit unerlaubten Feuerwerkskörpern gelungen. Bei bundesweit 53 Wohnungsdurchsuchungen wurden 27.264 Feuerwerkskörper sichergestellt. In Bad Berleburg mussten deshalb sogar Häuser evakuiert werden.

Die Einsätze fanden am Mittwoch und Donnerstag unter der Leitung der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen bei der Staatsanwaltschaft Köln, wie das Zollfahndungsamt Essen mitteilt. Daran beteiligt waren demnach die acht Zollfahndungsämter Berlin-Brandenburg, Dresden, Essen, Frankfurt/Main, Hannover, Hamburg, München und Stuttgart mit rund 500 Zollbeamten. Darüber hinaus waren  zwei Staatsanwältinnen sowie "zahlreiche Fremdkräfte" im Einsatz. 

Grund für die groß angelegten Durchsuchungen: Gegen die Beschuldigten aus ganz Deutschland besteht der Verdacht, dass sie über einen in Polen betriebenen Onlineshop pyrotechnische Gegenstände bezogen haben, ohne aber die dafür erforderliche Erlaubnis gehabt zu haben. "Diese pyrotechnischen Gegenstände unterfallen als explosionsgefährliche Stoffe dem Sprengstoffgesetz, wobei es sich teilweise um besonders gefährliche Objekte der höchsten Kategorien F3 und F4 handeln soll", berichtet der Zoll. 

Kooperation mit ausländischen Behörden

Die Maßnahme war laut den Ermittlern "Teil einer grenzüberschreitenden Operation mit dem Ziel der Zerschlagung von Täterstrukturen sowie der Unterbindung des weiteren Internethandels mit illegalen Feuerwerkskörpern über entsprechende Webseiten". Wegen der besonderen Gefährlichkeit dieser Substanzen bedürfe der Umgang einer besonderen Sachkunde. Werden die Feuerwerkskörper nicht korrekt benutzt, bestehe für den Anwender oder Dritte ein erhebliches Verletzungsrisiko. Der illegale Vertrieb über das Internet begünstige dabei laut Zoll "eine unkontrollierte Verbreitung". 

Das gesamte Verfahren ist eine europäische Kooperation der deutschen mit den polnischen und niederländischen Behörden. "Während die niederländischen Ermittlungsbehörden unter anderem Bestelldaten des Onlineshops ermittelt haben, oblagen den polnischen Ermittlungsbehörden Maßnahmen gegen den in Polen ansässigen und im Zuge der Ermittlungen festgenommenen Vertreiber", heißt es in einer Pressemitteilung des Zoll. 

Sichergestellte Feuerwerkskörper liegen in einem Spezialbehälter.


Der Einsatz darf durchaus als Erfolg gewertet werden: Europaweit wurden dem Zoll zufolge 57 Personen vorläufig festgenommen. Zudem wurden mehrere in der EU gehostete Webseiten abgeschaltet. Nicht nur in Deutschland, auch in Polen und den Niederlanden wurden etliche Wohn und Geschäftsräume sowie Lagerstätten durchsucht und umfangreiche Mengen an Feuerwerkskörpern und anderen Beweismitteln aufgefunden. 

Alleine in Deutschland wurden nach Angaben des Zoll sagenhafte 27.264 Feuerwerkskörper mit einer "Nettoexplosivmasse" (NEM) von 315 Kilogramm sichergestellt. Das war aber noch nicht alles: Die Einsatzkräfte fanden auch zahlreiche Selbstlaborate, "die ein erhebliches Gefahrenpotential und Verletzungsrisiko bergen", wie der Zoll mitteilt. In einem durchsuchten Objekt in Bad Berleburg war das augenscheinlich so groß, dass deshalb gleich sieben Mehrfamilienhäuser evakuiert werden mussten. "Das aufgefundene gefährliche Material wurde direkt vor Ort in mehreren Sprengungen vernichtet, da es nicht transportfähig war", heißt es vom Zoll. 

Waffen und Betäubungsmittel gefunden

Feuerwerk war allerdings nicht das einzige, das die Einsatzkräfte fanden: In mehreren durchsuchten Wohnungen wurden erlaubnispflichtige Stich- und Schusswaffen sowie Betäubungsmittel sichergestellt. Die Auswertungen dauern derzeit an. Zudem gelang es den Ermittlern, 74 Paketsendungen, die sich im Operationszeitraum noch auf dem Versandweg bei Post- und Paketdienstleistern befanden, anzuhalten. "Das erhebliche Gefährdungspotential für das Personal der betroffenen Paketdienstleister sowie das Risiko bei der Paketannahme ist dadurch beseitigt worden", berichtet der Zoll. 

Die Ermittler warnen in diesem Zusammenhang eindringlich: "In Deutschland ist der Umgang mit diesen gefährlichen Feuerwerkskörpern ohne Erlaubnis für Privatpersonen verboten." Der Zoll rät allen Käufern von Feuerwerkskörpern, sich vor der Bestellung über ihre Gefährlichkeit und Kennzeichnung kundig zu machen, um eine Eigen- oder Fremdgefährdung auszuschließen. In Deutschland müssen alle im Handel erhältlichen Feuerwerkskörper offiziell zugelassen und mit einer entsprechenden Kennzeichnung (sogenannte CE-Kennzeichen) versehen sein.

Die Polizei sperrt eine Straße in Bad Berleburg ab.


Quelle: wa.de

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