Strenge Maßnahme

3G-Pflicht auf der Arbeit: Wird Italien mit Corona-Regel zum Vorbild?

Mit einer umfassenden 3G-Pflicht auf der Arbeit wird Italien europaweit zum Vorreiter. Wird die strenge Corona-Regel bald auch in Deutschland gelten?

Hamm - Italien ist das erste Land in Europa, das für alle seine Beschäftigten die 3G-Regel zur Pflicht macht. Damit wird nur noch Geimpften, Genesenen und Getesteten den Zutritt zum Arbeitsplatz gewährt. Die strenge Corona-Maßnahme 3G hat auch in Deutschland schon um sich gegriffen. Allerdings ist sie bis dato nicht als Pflicht in die Arbeitswelt eingedrungen. Müssen Ungeimpfte nun eine drastische Regeländerung fürchten? (News zum Coronavirus)

LandItalien
Bevölkerung60,36 Millionen (2019)
Fläche301.340 km²

3G-Pflicht auf der Arbeit: Italien setzt auf strenge Corona-Regel ab Oktober

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird Italien Mitte Oktober die sogenannte „allgemeine Corona-Zertifikatspflicht“ für das komplette Arbeitsleben einführen. Ab dem 15. Oktober müssen Arbeiter und Angestellte sowohl in öffentlichen als auch in privaten Betrieben einen Green Pass vorlegen. Ungeimpfte müssen einen negativen Corona-Test vorweisen können. Damit entspricht der Green Pass der 3G-Regel in Deutschland, wonach nur Geimpfte, Genesene und Getestete bestimmte Vorzüge genießen.

Wer sich in Italien nicht an die 3G-Regel am Arbeitsplatz hält, kann mit einer Geldbuße von 400 bis 1000 Euro bestraft werden. Eine Kündigung darf aufgrund eines Verstoßes gegen die Green-Pass-Pflicht allerdings nicht veranlasst werden. Eine große Mehrheit der italienischen Bevölkerung befürwortet die Corona-Regel.

3G-Pflicht auf der Arbeit: Zieht auch Deutschland mit Corona-Maßnahme nach?

Müssen Ungeimpfte eine solche Corona-Regel mit 3G-Pflicht am Arbeitsplatz bald auch in Deutschland befürchten? Tatsächlich kann die Bundesregierung den Arbeitsschutz für die Zeit der Corona-Pandemie verschärfen. Noch im August wurde ein neues Infektionsschutzgesetz verabschiedet, wodurch auch die Betriebe in die Pflicht genommen wurden. Eine 3G-Pflicht kommt darin allerdings nicht vor.

Stattdessen heißt es darin, dass der Arbeitgeber ein Hygienekonzept erarbeiten muss. Dazu zählen etwa die Bereitstellung von Desinfektionsmittel, Abstandsregeln, Maskenpflicht oder auch regelmäßige Tests. Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber ist auch in Zeiten der Corona-Pandemie für den Gesundheitsschutz seiner Beschäftigten zuständig und verantwortlich. Vorgegebene Schutzvorschriften müssen eingehalten werden, allerdings muss das Arbeitsrecht der Mitarbeiter respektiert werden.

Corona-Regeln auf der Arbeit: Keine Impfpflicht für Beschäftigte in Deutschland

Dementsprechend gibt es - mit Ausnahme von Gesundheitsberufen mit bestimmten Aufgaben - auch keine Impfpflicht für Beschäftigte in Deutschland. Diese sei laut Arbeitsrechtlern nicht umsetzbar. Schließlich würde eine Corona-Impfpflicht gegen die im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrechte verstoßen. Stattdessen hat die Bundesregierung längst eine sogenannte Test-Angebotspflicht umgesetzt, wonach Betriebe ihren Mitarbeitern zwei kostenlose Tests pro Woche zur Verfügung stellen müssen.

Sollte eine 3G-Pflicht am Arbeitsplatz auch in Deutschland umgesetzt werden, könnten Ungeimpfte also wohl genau auf jene Tests zurückgreifen. In Italien funktioniert das wohl anders. Zwar fordert die italienische Opposition kostenlose Tests für alle Beschäftigten. Allerdings will die italienische Regierung Stand jetzt lieber nur kostenlose Impfungen anbieten. Damit wäre der Druck auf Ungeimpfte enorm.

In Deutschland hält sich der Druck auf Ungeimpfte in Grenzen. Joachim Stamp (FDP), stellvertretender NRW-Ministerpräsident, hält etwa nichts davon, Menschen zu zwingen, sondern will diese vielmehr überzeugen. Dementsprechend ist nach aktuellem Stand auch die Umsetzung der 2G-Regel in Nordrhein-Westfalen unwahrscheinlich.

Rubriklistenbild: © Zacharie Scheurer/dpa

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