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Ortskräfte in Safehouse alleine gelassen? Bundesregierung soll Rettung aufgegeben haben

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Von: Astrid Theil

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Taliban-Kämpfer stehen vor dem internationalen Flughafen Wache
Taliban-Kämpfer stehen vor dem internationalen Flughafen Wache. Ein Entkommen ist für Ortskräfte mittlerweile nicht mehr möglich. © dpa

Obwohl die Bundesregierung mitgeteilt hat, sie täte alles, um möglichst viele Menschen aus Kabul zu retten, überlässt sie nun offenbar 400 Ortskräfte ihrem Schicksal und damit dem Terror der Taliban.

Berlin/Kabul - Hunderte von Menschen, die für die Bundeswehr in Afghanistan gearbeitet haben, werden offenbar nicht von der Bundesregierung ins Ausland gerettet*. Ein afghanischer Übersetzer, der über Jahre hinweg für die deutsche Bundeswehr in der Stadt Masar-i-Scharif gearbeitet hat, soll laut Informationen des ZDF-Magazins „frontal“ am heutigen Tag (16. August) darüber informiert worden sein, dass die deutsche Bundesregierung ihm nicht bei der Ausreise helfen werde.

Im Telefonat sei ihm klar gesagt worden: „Die deutsche Regierung hat keine Möglichkeit mehr, Sie zu retten“. Darüber hinaus sei er aufgefordert worden, sofort das „Safehouse“ zu verlassen, in welchem er sich bisher aufgehalten hatte. Diese Safehouses wurden vom Verein „Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte“ in Kabul mithilfe von Spendengeldern eingerichtet. Der Vorsitzende des Vereins, Marcus Grotian, bestätigte den Anruf auf Nachfrage des ZDF-Magazins. Dieser musste laut eigener Aussage 400 Menschen vor Ort mitteilen, dass es keine Hoffnung mehr für sie gebe. Die Safehouses musste er auflösen.

Afghanistan: „Die deutsche Regierung hat keine Möglichkeit mehr, Sie zu retten“

Zuletzt haben sich laut Aussage des afghanischen Übersetzers, dessen Person dem ZDF bekannt ist, Hunderte Ortskräfte in drei Safehouses in der afghanischen Hauptstadt Kabul versucht in Sicherheit zu bringen. Diese seien aber bereits von den Taliban ausfindig gemacht worden. Die Taliban patrouillieren seinen Informationen folgend bereits auf den Straßen Kabuls und machen gezielt Ortskräfte ausfindig, die mit internationalen Streitkräften zusammengearbeitet und diese bei ihrer Mission unterstützt haben. Die Ortskräfte irren derweil in Kabul in der Hoffnung auf Unterstützung aus dem Ausland herum und scheinen der Folter und Hinrichtung durch die Taliban schutzlos ausgeliefert zu sein.

Der befragte afghanische Übersetzer teilte dem ZDF mit, dass er es angesichts dieser Lage bedauere, für die Bundeswehr gearbeitet zu haben. Es habe sowohl einen Nachweis für seine Tätigkeit bei der Bundeswehr als auch einen gültigen Pass. Gefehlt hätten nur noch die notwendigen Einreisepapiere für die Bundesrepublik, die er im Safehouse hätte erhalten sollen. Diese wurden ihn aber nicht ausgestellt.

Afghanistan: Merkel dämpft Hoffnungen auf Aufnahme von Ortskräften in Deutschland

Menschen, die in den letzten Jahren mit der deutschen Regierung zusammengearbeitet haben, müssen sich besonders vor den Taliban fürchten. Ihnen droht im schlimmsten Fall der Tod. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach am Montagabend auf einer Pressekonferenz: „Wir werden alles dafür tun, diese Personen sicher außer Landes zu bringen.“

Gleichzeitig hat die CDU-Politikerin die Hoffnungen auf die Aufnahme afghanischer Ortskräfte in Deutschland gedämpft. Merkel räumte ein: „Die Evakuierung haben wir leider nicht mehr in der Hand.“ Ob die Evakuierungen ausgeführt werden können, hänge „von der Lage in Kabul ab“. Die Situation in der afghanischen Hauptstadt spitzt sich immer weiter zu*.

400 Ortskräfte Schicksal überlassen: Taliban droht mit Folter und Hinrichtung

Der ehemalige Übersetzer für die Bundeswehr berichtete dem ZDF, dass er sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Hinterhof eines Hauses verstecke, das Verwandten gehöre. Andere Kollegen hätten jedoch keine Zuflucht mehr gefunden und seien nun schutzlos auf den Straßen Kabuls den Taliban ausgeliefert.

Eine Ausreise sei so gut wie unmöglich: Auf den Zugangsstraßen zum Flughafen Kabuls hätten die Taliban Kontrollposten erstellt. Ortskräfte hätten somit keinen Zugang zum Flughafen. Noch am Mittag des heutigen Tages hatten Sprecher der Bundesregierung verkündet, dass diese alles unternehmen würde, um möglichst viele Menschen aus Kabul und vor dem Terror der Taliban zu retten. (at) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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