Sorge in deutschem Nachbarland

Chaos wegen „Black Friday“? Nicht nur Greta Thunberg warnt - Metropolen-Bürgermeister will nun das Verbot

„Black Friday“ in Amsterdam - eine Kundin beim Rabatt-Einkauf.
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„Black Friday“ in Amsterdam - eine Kundin am vergangenen Freitag beim Rabatt-Einkauf.

Der Black Friday erhitzt die Gemüter. Greta Thunberg warnt - allerdings erstaunlich vorsichtig. Ein anderer alter Bekannter geht in Sachen Amazon wesentlich weiter.

  • Die Rabatt-Schlacht „Black Friday“ läuft auch im Corona-Jahr 2020 auf Hochtouren.
  • Doch nicht nur Aktivisten wie Greta Thunberg oder Yanis Varoufakis mahnen die Kunden zur Zurückhaltung.
  • In den Niederlanden wird nun über ein Verbot gestritten. Grund ist die Sorge vor überlaufenen Innenstädten.

Update vom 29. November: In Deutschland sind „Black Friday“, „Cyber Monday“ und Co. im Corona-Jahr vor allem ein Online-Phänomen (siehe Erstmeldung) - doch im europäischen Ausland ist das offensichtlich anders. In den Niederlanden wollen mehr als 20 Bürgermeister das Rabattspektakel sogar verbieten lassen. Damit reihen sie sich in den Reigen einiger Kritiker um Klima-Aktivistin Greta Thunberg ein. Wenn auch aus anderen Gründen.

Rotterdams Stadt-Oberhaupt Ahmed Aboutaleb und zwei Dutzend weitere Bürgermeister des Landes setzen sich dafür ein, den „Black Friday“ zu untersagen, wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtet. Die Rabattaktion des Handels lockt zahlreiche Käufer in mitunter enge Einkaufsstraßen. Vielerorts gibt es Befürchtungen, dass der vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden könne. Die Gemeinde Amsterdam rief Bürger am Sonntag dazu auf, die Innenstadt zu meiden und Abstand zu halten.

Aboutaleb hatte bereits am Freitag wegen der Menschenmassen die Notbremse gezogen und Geschäfte im Zentrum vorzeitig schließen lassen. Auch am Wochenende mussten Innenstadt-Läden der Hafenmetropole früher dichtmachen als üblich. Andere Städte im Land zogen nach, wie ANP meldete.

Wirbel gab es zuletzt auch in Frankreich. Auf Druck der Regierung verschob Amazon den Aktionstag um eine Woche auf den 4. Dezember. Hintergrund sind dort Sorgen der Ladeninhaber: Aufgrund des Lockdowns im Land ist der Großteil der Geschäfte bis 1. Dezember geschlossen. Auf diese Weise hätten alleine Onlinehändler und Supermärkte vom „Black Friday“ profitiert.

Black Friday erhitzt die Gemüter: Greta Thunberg warnt erstaunlich vorsichtig - ein anderer wird deutlich

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg protestiert bei einem „Fridays for Future“ Protest vor dem Parlament in Stockholm.

Erstmeldung: München/Stockholm - Der „Black Friday“ ist in erster Linie ein Rabatt-Spektakel für Kauflustige. Aber natürlich hat auch das Hohefest der Online-Versandhändler seine politische Seite - gerade in Zeiten, in denen die Händler in der Innenstadt um ihre Existenz bangen. Bei Amazon wurde bereits gestreikt, wie Merkur.de* berichtete. Mittlerweile mehren sich auch die Boykott-Aufrufe. Auch, aber nicht nur von den üblichen Verdächtigen.

Black Friday: Greta Thunberg mahnt zur Zurückhaltung - „Kauft kein Zeug, das ihr nicht braucht“

Klimaaktivistin Greta Thunberg etwa hat dazu aufgerufen, am Black Friday nicht unnütz einzukaufen. „Überkonsum zerstört die gegenwärtigen und künftigen Lebensbedingungen und den Planeten selbst“, schrieb die 17-jährige Schwedin auf Twitter und Instagram. „Kauft kein Zeug, das Ihr nicht braucht.“ Thunberg demonstriert jeden Freitag gegen den fortschreitenden Klimawandel.

Zu Wort meldete sich zugleich der auch in Deutschland bekannte Wirtschaftswissenschaftler und frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Er rief dazu auf, besonders Amazon am Black Friday zu boykottieren. In einem Video forderte er seine Zuschauer auf, „nicht einmal Amazons Webseite aufzurufen“, wie unter anderem der Guardian berichtete. Der Versandriese sei nicht nur eine „monopolistische Mega-Firma“. Sie sei „die Säule des neuen Techno-Feudalismus“.

Amazon zählt zu den Profiteuren der Coronakrise - und zu den großen Playern des Black Friday. In München gab es auch Proteste vor der Firmenzentrale des Konzerns, wie tz.de* berichtete.

Black Friday: „Fair Friday“ als Alternative - Kommentatorin findet Kritik an der Sparschlacht „arrogant“

In der Schweiz ersann ein Bündnis von 160 Geschäften eine Alternative zur spar-zentrierten Rabattschlacht: Die Händler veranstalten stattdessen einen „Fair Friday“, wie die Webseite nau.ch berichtete. Die Kunden können dort auf die Ermäßigung verzichten und dafür an die schweizerische Caritas spenden.

Dass der mittlerweile traditionelle Rabattschlacht-Tag die Gemüter spaltet, ließ sich am Freitag auch an den Kommentaren der internationalen (Online-)Medien ablesen. Als „arrogant und empathielos“ bezeichnete eine Autorin der Webseite t3n.de die Kritik am Black Friday. Vor allem die „obere Mittelschicht“ könne locker auf die Einsparungen verzichten. „Am Black Friday zeigt sich eines der größten Paradoxa unserer Zeit in einem Zusammentreffen zwischen den rastlosen Versuchungen des Überkonsums und unserem Generationenversagen gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern“, schrieb hingegen die dänische Tageszeitung Politiken unter Verweis auf die Klimakrise.

Black Friday: Schlechte Nachrichten für Ladeninhaber - vor allem der Onlinehandel profitiert

Eine schlechte Nachricht hatte unterdessen der Handelsverband Deutschland für die Ladeninhaber in der Bundesrepublik. „In diesem Jahr wird vor allem der Online-Handel vom Black Friday profitieren“, sagte ein Verbandssprecher am Freitag. Zwar beteiligten sich auch die Geschäfte in den Fußgängerzonen und Einkaufszentren seit Jahren mit eigenen Rabattaktionen am Black Friday. Doch seien die Startbedingungen für sie in diesem Jahr deutlich schlechter als für den Online-Handel.

Erste Daten aus dem Netz scheinen das zu belegen: Die „Shopping Community“ mydealz berichtete bereits am Donnerstag von stark steigenden Zugriffszahlen: Am Vorabend des Black Friday seien 1,53 Millionen Konsumenten zu Angeboten weitervermittelt worden - 62,9 Prozent mehr als noch im Vorjahr, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Offen bleibt aber natürlich auch die Frage, was die Online-Schnäppchen an Black Friday und dem folgenden „Cyber Monday“ überhaupt taugen. (fn/dpa) *Merkur.de und tz.de Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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