Thüringen-Wahl 2019

Bodo Ramelow: Kirche und Pragmatismus -Das ist der Linke-Ministerpräsident in Thüringen

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Bodo Ramelow beim Politischen Frühschoppen Gillamoos. 

Bodo Ramelow ist seit 2014 Ministerpräsident von Thüringen. Auch nach der Landtagswahl 2019 will er im Amt bleiben. Das ist der Mann der Linken.

Erfurt - Bodo Ramelow ist seit 2014 Ministerpräsident von Thüringen - damals wurde Ramelow zum ersten Landes-Chef aus den Reihen der Linken, nur ein Jahr, nach dem Verfassungsschutz die Beobachtung des Politikers einstellte. Nun, bei der Landtagswahl Ende Oktober 2019, will er sein Amt verteidigen.

Bodo Ramelow: Der thüringische Ministerpräsident privat

Aber wie tickt der Politiker der Linken außerhalb des Landtags? Einige Fakten sind bekannt: Ramelow ist in dritter Ehe seit 2006 mit der gebürtigen Italienerin Germana Alberti vom Hofe verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Der 63-Jährige ist evangelisch und lebt mit Gattin und Hund in Erfurt. Jack-Russell-Terrier Attila hat sogar einen eigenen Twitter-Account - und wurde schon mal zum Wahlkampf-Thema

Zur Mutter seiner Kinder hat Ramelow ein „sehr gutes Verhältnis“, trotz Scheidung, wie er in einem Interview zu seinem 60. Geburtstag betonte. „Ich war ein sehr strenger Vater. Inzwischen begegnen wir uns auf Augenhöhe“, sagte er über das Verhältnis zu seinen Söhnen Philip und Victor.

Mit einer persönlichen Schwäche geht Ramelow offen um: Er ist Legastheniker. Er wolle den Menschen zeigen, „man kann Legastheniker sein und Ministerpräsident werden“, sagte er Anfang Oktober der Bild am Sonntag. Es habe ihn „verletzt“, dass seine Lehrer seine Lese- und Rechtschreib-Schwierigkeiten als Faulheit auslegten, zitierte vor einigen Jahren das Magazin Cicero Ramelow.

Die Religion nimmt der Linke-Politiker für den sehr säkular geprägten Osten ungewohnt ernst: Ramelow ist bekennender Kirchgänger. Ein politischer Kompass sei der Glaube für ihn zwar nicht, sagte der Politiker einmal der Stuttgarter Zeitung in einem Interview. Aber er habe „soziale Verantwortung“ aus seiner christlichen Erziehung mitgenommen. Hinter dem Berg hält Ramelow mit seinen Überzeugungen nicht: „Ich betone meine evangelische Bindung so stark, weil ich damit in Kombination mit meinem Parteibuch – das eine Rückbindung an die SED hat – eine Provokation bin.“

Bodo Ramelow: Ein Wessi als Ost-Ministerpräsident

Aufgewachsen ist Ramelow ohnehin im Westen, im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck, gut 25 Kilometer von Bremen entfernt - ein Fakt, der bisweilen von den politischen Gegnern in Thüringen als Argument gegen Ramelow ins Feld geführt wird. Seine Mutter war studierte Hauswirtschafterin, sein Vater entstammte einer alten Kaufmannsfamilie, kehrte allerdings schwer krank aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Ramelows Vater starb früh - daraufhin zog die Familie nach Rheinhessen, später an die Lahn zwischen Marburg und Gießen. In der Schule sei er der „Klassenclown“ gewesen, erzählte Ramelow einmal der Bild.

Ramelow machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und beendete die Schule an der Fachoberschule Marburg mit der kaufmännischen Fachhochschulreife. Daraufhin absolvierte er eine Prüfung zum Ausbilder und arbeitete bei einer Kaufhauskette und einer Supermarktkette in Marburg. Später wurde er Filialleiter bei einer Vertriebs-GmbH in Marburg. Davon berichtet er auf seiner Website.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): Von der Gewerkschaft zur PDS

Ramelow hat außerdem eine Karriere als Gewerkschafter hinter sich. Von 1981 bis 1990 arbeitete er als Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen. "Er hat seine Sache immer mit 100 Prozent vertreten, auch mit ganz harten Bandagen“, erinnerte sich der Gießener Karstadt-Chef Wilfried Behrens vor einiger Zeit auf Anfrage der Gießener Allgemeine

1990 kehrte Ramelow Hessen den Rücken und ging nach Thüringen, um „beim Aufbau der neuen Gewerkschaftsstrukturen“ zu helfen, wie es auf seiner Website heißt.

In Thüringen war Ramelow dann bis 1999 Landesvorsitzender der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen. Im selben Jahr ging er in die Politik und wurde Mitglied bei der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), die nach der Wende aus der SED hervorgegangen war. 

Bodo Ramelow: Thüringens Ministerpräsident wirbt für neue Nationalhymne

Bodo Ramelow: Ministerpräsident-Spitzenkandidat in Thüringen

Im Februar 2004 wurde Ramelow zum Spitzenkandidaten der PDS für die Landtagswahl in Thüringen gewählt. Das Direktmandat seines Wahlkreises Erfurt I gewann er - den Ministerpräsidenten stellte aber die CDU, die die absolute Mehrheit holte. Sein Mandat als Landtagsabgeordneter legte Ramelow 2005 nieder, weil er über die Thüringer Landesliste der Linkspartei in den vorzeitig neugewählten Bundestag einzog. Dort wurde er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken gekürt. 

Auch bei der Landtagswahl 2009 ging Ramelow als Spitzenkandidat der Thüringer Linken ins Rennen. 2014 wurde Ramelow schließlich zum Ministerpräsident Thüringens gewählt. Bei der Wahl 2019 will er seinen Posten verteidigen.

Ramelow wurde, wie andere Spitzenpolitiker der Linken, jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet. 2013 entschied das Bundesverfassungsgericht schließlich, dass Ramelow keiner antidemokratischen Bestrebung verdächtig sei. 

Bodo Ramelow politisch: Pragmatiker aus den Reihen der Linken

In der Linken - die heftige Flügelkämpfe kennt - gilt Ramelow als Pragmatiker. Der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel lobte Ramelow nach der Thüringen-Wahl 2014 implizit als Typus eines Linke-Politikers, der auch als Koalitionspartner für die Sozialdemokraten in Frage kommt: „Es ist doch auch Unsinn, ständig so zu tun, als ob Herr Ramelow die Rückkehr zum DDR-Sozialismus plant“, sagte er zum damals schwelenden Streit über die rot-rot-grüne Thüringer Regierung.

Als Ministerpräsident und Chef einer ungewohnten Koalition, die zudem nur eine hauchdünne Mehrheit von einem Mandat besaß, hatte Ramelow in den vergangenen Jahren keine ganz einfache Aufgabe inne. Letztlich brachte der 63-Jährige das potenziell brüchige Bündnis ins Ziel - wenn es auch heikle Situationen und gewisse Kollateralschäden zu verkraften gab. Auch Kritik aus dem linken Flügel der Linken musste sich Ramelow in der zu Ende gehenden Legislatur anhören.

Helfen mag dem Politiker eine gewisse - nach eigenen Angaben erst im Laufe der Jahre erlangte - Ruhe. In Hintergrundgesprächen mit Journalisten greift Ramelow bewusst zu ruhigen Tönen und betont klar strukturierten Argumenten. Möglich, dass es der Thüringer Ministerpräsident am Kabinettstisch genauso hält. Allerdings kann Ramelow auf Twitter auch ordentlich austeilen und galt einst als aufbrausender Redner. 

Und eben jener Pragmatismus und die nach außen zumeist ausgleichende Art des Regierungschefs sorgen auch für Spott. Vermutlich würde Ramelow, wenn das helfen würde, ihn, Mohring, auch noch mit einem Ministerium betrauen, zitierte die Zeit im Jahr 2015 den CDU-Oppositionsführer Mike Mohring.

Bodo Ramelow: Erfolge und Niederlagen

Als seinen größten Erfolg bezeichnet er die Fusion von PDS und WASG zur Partei die Linke und den Wahlerfolg bei den Bundestagswahlen 2005. Damals war Ramelow Wahlkampfleiter in Hessen, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Die „Linkspartei.PDS“ holte damals 8,7 Prozent. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2002 war die PDS noch an der Fünfprozenthürde gescheitert.

Ramelow beim Kartoffeln ernten in Thüringen.

Ramelows größte Niederlage war nach eigener Einschätzung hingegen ein Einzelhandelsstreik in Gießen im Jahr 1989. Dieser sei zu einer „traumatischen Erfahrung für die Beschäftigten“ geworden, weil er „leichtfertig und prahlerisch ausgeplaudert“ worden sei, schreibt Ramelow selbst auf seiner Homepage. Er habe die Verantwortung für diesen Streik getragen.

Auf seinem Instagram-Account schreibt Ramelow, dass er viel im „wunderschönen Bundesland“ Thüringen unterwegs sei. Dort teilt er mit seinen Followern Fotos und Videos von politischen Veranstaltungen und Impressionen aus der Natur. 

Am 27. Oktober findet die Landtagswahl in Thüringen statt. Für diese gibt es einen Wahlomaten, der drei Wochen vor der Wahl online gehen wird. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zur Wahl im Freistaat. Die SPD sinkt dabei in Umfragen auf ein Rekordtief. Bodo Ramelow wartet übrigens immer noch darauf, mit Jan Böhmermann Pilze sammeln zu gehen, seit dieser sich in einer Folge seines Podcasts über ihn lustig gemacht hat. Alle weiteren Neuigkeiten zur Landtagswahl gibt es zudem in unserem News-Ticker. Im Vorfeld der Thüringen-Wahl steht das TV-Duell zwischen Ministerpräsident Bodo Ramelow von Die Linke und seinem Herausforderer Mike Mohring von der CDU an. Dabei geht es auch um die AfD.

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