Bundestagswahl

Koalition nach Wahl: SPD und CDU außen vor? Lindner und Baerbock offen für Sonderweg

Welche Koalition regiert nach der Bundestagswahl in Deutschland? Das hängt von FDP und Grünen ab. Christian Lindner und Annalena Baerbock könnten die Kanzler-Frage entscheiden.

Hamm - Wer nach der Bundestagswahl 2021* Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird und welche Koalition sich herauskristallisiert, hängt nicht nur an den beiden stimmenstärksten Parteien SPD und CDU/CSU. Zwar ist es unbestritten, dass entweder der scheidende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet* oder Bundesfinanzminister Olaf Scholz zum Kanzler avanciert. Allerdings spielen die FDP um Parteichef Christian Lindner und die Grünen um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock eine entscheidende Rolle in der K-Frage.

WahlBundestagswahl 2021
TerminSonntag, 26. September 2021
OrtDeutschland

Koalition nach Bundestagswahl 2021: Große Koalition unwahrscheinlich - FDP und Grüne entscheidend

Denn die Frage nach dem Kanzler korreliert eng mit der Frage nach der Koalition. Aktuell regiert die Große Koalition aus Union und SPD. Auch nach der Bundestagswahl 2021 hätte die „GroKo“ sehr wahrscheinlich wieder eine absolute Mehrheit. Eine Fortsetzung der amtierenden Regierung erscheint dennoch als unwahrscheinlich. Auch innerhalb der betroffenen Parteien gibt es Kritik. So hat sich zum Beispiel der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Manuel Hagel ausdrücklich gegen eine Fortsetzung der Großen Koalition ausgesprochen.

Wenn die Große Koalition nicht erneut zustande kommt, wird es ohne eine dritte Partei nicht gehen. An dieser Stelle kommen FDP und Grüne ins Spiel. Beide könnten sich vor den Koalitionsverhandlungen miteinander absprechen, ehe sie in weitere Gespräche mit SPD und CDU eintreten. Und tatsächlich sind Annalena Baerbock und Christian Lindner nicht abgeneigt, dies zu tun. Letzterer hat eine Absprache mit den Grünen sogar vorgeschlagen.

Koalition nach Bundestagswahl: So können Lindner und Baerbock die Kanzler-Frage entscheiden

In der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF holt Lindner angesprochen auf mögliche Koalitionen aus. „Das Wahlergebnis ist nicht ganz einfach zu lesen. Keiner der Volksparteien hat 26 Prozent erzielt. Etwa 75 Prozent der Deutschen haben die Partei eines nächsten Kanzlers nicht gewählt“, bilanziert der FDP-Chef das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl 2021. „Deshalb könnte es ratsam sein, dass die Parteien, die gegen den Status quo der Großen Koalition Wahlkampf gemacht haben - Grüne und FDP - zuerst miteinander sprechen, um dann all das, was danach kommt, zu strukturieren“, schlägt er vor. Grüne und FDP könnten sich dann bezüglich einer Jamaika- oder Ampel-Koalition bereits austauschen.

Und was sagt Annalena Baerbock dazu? „Wir haben in den letzten Tagen deutlich gemacht, dass die Logik, dass eine Partei alle anderen anruft, dem Aufbruch in unserem Land nicht guttut“, widerstrebt der Grünen-Bundesvorsitzenden die Marschroute vergangener Vor-Sondierungen, in denen SPD und CDU die Gespräche dominierten. Deshalb erwägt auch Baerbock den Sonderweg, sich vorab mit der FDP auszutauschen. Es sei „mehr als sinnvoll, dass unterschiedliche Parteien in unterschiedlichen Konstellationen miteinander sprechen“.

Koalition nach Bundestagswahl: Lindner bevorzugt Jamaika

Sollte es dann sogar zu einer Einigung zwischen FDP und Grüne kommen, könnte eine der beiden stimmenstärksten Parteien (CDU/CSU oder SPD) unfreiwillig ins Abseits gestellt werden. Damit würde sich die Kanzler-Frage für Armin Laschet oder Olaf Scholz unter Umständen erübrigen.

Allerdings erscheint es zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass sich FDP und Grüne in der Frage einigen, mit welcher Partei es eine gemeinsame Regierungskoalition geben könnte. Lindner hat unlängst betont, dass er die größten inhaltlichen Übereinstimmungen mit der FDP im Wahlprogramm von CDU/CSU sehe. „Das habe ich vor der Wahl gesagt, und das will ich nach der Wahl auch ausdrücklich wiederholen.“ Anders als noch 2017 würde Christian Lindner eine Jamaika-Koalition unterschreiben. Angesichts diverser Koalitionen auf Landes- und Bundesebene in den vergangenen Jahren und vor allem wegen der inhaltlichen Schnittmengen sind die Grünen jedoch der SPD deutlich näher, womit Annalena Baerbock eine Ampel-Koalition bevorzugen würde.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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