Bundestagswahl: Wer wird jetzt was?

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Treffpunkt Kanzleramt: Angela Merkel gestern mit FDP -Chef Guido Westerwelle .

Berlin - Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin , Guido Westerwelle wird Vizekanzler und Außenminister . Wie werden die anderen Spitzenämter besetzt? Hinter den Kulissen kämpfen CDU , CSU und FDP um Posten und Pfründe.

Die Pokerrunde ist eröffnet: Schon vor Beginn der Koalitionsverhandlungen ringen Union und FDP um die wichtigsten Ämter. 16 Ministerposten sind zu vergeben – acht davon beansprucht die CDU , mindestens fünf die FDP und drei die CSU .

Wer bleibt?

Bisher hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (55) sogar im kleinen Kreis mit Personaldiskussionen zurückgehalten, doch als sicher gilt, dass jeweils zwei Minister von CDU und CSU weiter im Kabinett bleiben: Die bisherige Familienministerin und gelernte Ärztin Ursula von der Leyen (50, CDU ) könnte das Ressort der abgewählten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt übernehmen. Auch auf ihren engen Vertrauten Thomas de Maizière (55) wird Merkel nicht verzichten. Denkbar, dass der loyale Kanzleramtschef und frühere sächsische Innenminister bald zum Bundesinnenminister befördert wird.

Um seine Zukunft keine Sorgen machen muss sich CSU -Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg: Der 37-jährige Franke könnte Wirtschaftsminister bleiben oder sogar Finanzminister werden, doch als versiertem Außenpolitiker stünde ihm auch das Verteidigungsressort gut zu Gesicht.

Ebenfalls im Kabinett bleiben soll Ilse Aigner (44): Die CSU würde Aigners Agrarressort wegen unausweichlichen Konflikten mit den Landwirten am liebsten gegen das Ressort Forschung/Bildung eintauschen – wenn es in den kommenden Jahren noch Geld zu verteilen gibt, dann hier.

Wer kommt?

Zwei CDU-Spitzenpolitiker stehen schon länger auf Merkels Beförderungsliste. Es ist kein Geheimnis, dass die Kanzlerin ihre Vertrauten Ronald Pofalla (50) und Norbert Röttgen (44) in die Regierung holen will. Der bisherige CDU -Generalsekretär Pofalla strebt den Posten des Arbeitsministers an, CDU -Fraktionsgeschäftsführer Röttgen könnte im zweiten Anlauf Kanzleramtschef werden – ein Job, für den aber auch der bisherige Unions-Fraktionschef Volker Kauder (60) infrage kommt.

Die weibliche Führungsreserve der Union wird angeführt von Tanja Gönner (40), die als Umweltministerin von Stuttgart an die Spree wechseln könnte; auch die Brandenburgerin Katherina Reiche (36) rechnet sich Chancen aus. Peter Ramsauer (55) hatte bereits mehrfach einen Wechsel ins Kabinett abgelehnt – denkbar, dass er sich nach dem Wahldebakel der CSU doch noch als Landesgruppenchef verabschiedet und im Oktober ins Verkehrsministerium ausweicht. Die FDP ist mit 93 Abgeordneten im neuen Bundestag doppelt so stark vertreten wie die CSU (45) und wird ihr Gewicht zu nutzen wissen. Die Liberalen wollen in den Koalitionsverhandlungen fünf bis sechs Ressorts einfordern. Gesetzt ist Parteichef Guido Westerwelle (47), der von Frank-Walter Steinmeier ( SPD ) sowohl das Amt des Vizekanzlers als auch den Posten des Außenministers erben will. Der FDP-Steuerexperte Hermann Otto Solms (68) und sein Kollege Otto Fricke (45) streiten sich ums Finanzministerium, Rainer Brüderle (64) interessiert sich schon länger für den Job des Wirtschaftsministers. Als Justizministerin könnte Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (58) an ihre frühere Wirkungsstätte zurückkehren. Aus der jungen Garde gelten der Gesundheitsexperte Daniel Bahr (32) und die Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin (38) als ministrabel, auch FDP -General Dirk Niebel (46) ist einem Wechsel ins Kabinett nicht abgeneigt. Wer wackelt? Als ausgeschlossen gilt, dass der glücklose Verteidigungsminister Franz-Josef Jung ( CDU , 60) auf seinem Posten bleibt. Dass der Hesse durch seinen Parteifreund Roland Koch (51) ersetzt wird, gilt als unwahrscheinlich – der Ministerpräsident hat einen Wechsel von Wiesbaden nach Berlin gestern erneut ausgeschlossen. Auch die für Integration zuständige Staatsministerin Maria Böhmer ( CDU , 59) steht wegen chronischer Erfolglosigkeit auf der Abschussliste, ebenso die farblose Bildungsministerin Annette Schavan (54), die zur CDU -nahen Adenauer-Stiftung wechseln und damit den Platz freimachen könnte für Ilse Aigner. Eine große Unbekannte bleibt Wolfgang Schäuble : Geht der streitbare Innenminister mit 67 Jahren in Rente, bleibt er im Bundeskabinett oder wechselt er als deutscher EU -Kommissar nach Brüssel? Geht es nach Schäuble, würde er das bleiben, was er ist.

HOLGER EICHELE

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